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‚Cor ihs Gurliff und Bruno Möhring
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Ace Einzelnreis: 3.00 Mark das Heft
Der Zirkel“ Archifekturverlag G. m. h. HH. Berlin W. Wilhelmatreane AN
Heft 13 / 1921
KÜNSTLERKAMMERN
Von CORNELIUS GURLITT
W. O. Dreßler, der Herausgeber des offiziellen
Deutschen Kunsthandbuches, ließ in Kurt Viehweg’s
Verlag, Leipzig, eine kleine Schrift erscheinen:
‚Der Eckstein in der Wirtschaft von den Werkleuten
vergessen“, nämlich die Organisation der
Kunst innerhalb des Reiches. Er sagt, „die Kunst
und ihre Ausübung ist und bleibe frei und darf
keinesfalls unter den Zwang der Staatsideen gestellt
ınd zu einer Staatssache im engsten Sinne des
Wortes gemacht werden.“ Und ferner: „Grundrecht
des deutschen Volkes ist das Recht der Gesamtheit,
am geistigen Leben der Nation teilzunehmen.“
Er wünscht eine „Deutsche Künstlerkammer‘“ als
„Vertreter aller Künstler und aller Gebiete der Kunst
innerhalb des deutschen Reiches zur Wahrung ihrer
Standesinteressen und zur Förderung derEntwicklung
der Künste.“ Diese soll die Beziehungen zu Staat
ınd Gesellschaft regeln, sich in Sektionen teilen,
die Kunstgesetzgebung regeln, Absatz und Kunstaroduktion
überwachen, die Kunsterziehung pflegen,
jas Sammelungswesen und die Kunstdarbietungen
‚also Museen, Theater usw.) organisieren und
vieles Andere mehr.
Gewiß wird man diesen Bestrebungen gern
zustimmen. Die Grundlagen für die Vertretung der
ainzelnen Kunstgebiete sind ja schon längst vornanden.
Ich spreche hier nicht von den Dichtern,
Musikern, Schauspielern, die eine den bildenden
Künsten ferner liegende Gruppe darstellen, sondern
nur von letzteren. Die deutsche Kunstgenossenschaft
wurde 1856 gegründet, indem sie die Einzelzenossenschaften
der Hauptkunststädte in sich aufnahm.
Sie umfaßte Architekten, Maler, Bildhauer,
Graphiker usw. und blühte rasch zu einer ansehnlichen
Macht auf. die in den 1870 er Tahren ihren
Jöhepunkt erreicht haben dürfte, Ihr zur Seite steht
jer Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-‚ereine,
dessen Glanzzeiten etwa dieselben waren.
3ald aber entstanden die „Sezessionen‘“, die des
mpressionismus in München 1892 und ungefähr
‚leichzeitig die der Privatarchitekten in der „Verinigung
Berliner Architekten“. Heute haben die
ılten Verbände längst nicht mehr die Bedeutung
rüherer Zeiten.
Warum das? Der Kunstgenossenschaft wirft
nan vor, daß in ihr die Auchkünstler zu viel mit-‚ureden
hätten, im Berliner Architektenverein klagte
nan über das Vorherrschen der Baubeamten, das
‚eißt der Festangestellten gegenüber den frei Schafapden
Baukünstlern. Man war weiter verstimmt über
lie Nichtanerkennung der Berechtigung neuer Kunstichtungen,
das Übergewicht der am Alten haftenden.
Eine der schwersten Fragen ist: Wer ist
<ünstler? Nicht jeder, der die Absicht hat, aus
ynerem Trieb oder um des Geldverdienstes willen
Kunst“ zu treiben. Sondern nur der, der seine
<raft bis zu einem gewissen Grade zu meistern verjeht.
Es ist leicht zu beaniworten, wer Jurist oder
Aediziner sei, nämlich der, der seine Examina be-‚and.
Es gibt aber kein fesies Erkennungszeichen
ür den Künstler, außer dem, daß seine Genossen ihn
ls solchen anerkennen. Dies aber ist auch ein
mmerhin trügerischer Maßstab. Gegen wie viele
;roße Meister hat gerade die Künstlerschaft sich
blehnend verhalten! Man frage Männer wie Thoma
nd manchen Expressionisten nach den Urteilen
ier Künstler über seine Anfänge und selbst über
ten Wert seiner Arbeit in den Zeiten ihrer Reife
Aan erinnere sich der Härte des Urteils, die gerade
ater den Künstlern herrschi