15. April 1922
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STADTBAU
ALTER UND NEUER ZEIT
Halkmonatsjchrift * Herausgegeben von
Cornelius. Gurliff und Bruno Möhring
\ * . Schriftleitung: Walter Lehwess * Bezugspreis: 25 M. vierteljährlich
Heft 2 / 1922
“Finzelpreis: 5,00 Mark das Heft
„Der Zirkel“, Architekturverlag G. m b. H., Berlin W, Wilhelmstraße 458
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Abb. 1. Stadtbild von Utrecht
Nach einem Stich in Merians Topugraphie Niederdeutschlands
EIN STADTERWEITERUNGSPLAN FÜR UTRECHT
Von H. P. BERLAGE und L. N. HOLSBOER
Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß es
eine der schwierigsten, aber auch reizvollsten Aufgaben
der Stadtbaukunst ist, eine alte, geschichtlich
bedeutsame und künstlerisch wertvolle Stadt zu erweitern
und die Erweiterung in organischem' Zusammenhang
mit dem alten Stadtkern zu bringen.
Nichts wäre natürlich unsinniger, als, wie es bei
Erweiterungsbauten oft versucht wird, das Neue
künstlich alt erscheinen zu lassen, etwa die neuen
Stadtteile winkelig und „malerisch“ anzulegen, wie
es die alten, in dem von Wall und Gräben einzeschnürten
Stadtinnern meist auch gar nicht von
Anfang an waren, sondern erst allmählich geworden
sind. Vielmehr wird sich die organische Verbindung
hauptsächlich auf den Verkehr erstrecken;
dann wird eine planvolle Abstufung von der gedrängteren
Bauweise der Innenstadt zu den hell,
{uftig und weiträumig anzulegenden neuen Stadtteilen
anzustreben und dahin zu wirken sein, daß
das Neue künstlerisch eben so gut gemacht wird,
wie das Alte war.
Utrecht ist eine sehr alte Stadt, und daß es
aäine schöne Stadt war, kann man aus dem kleinen
Stadtbild ersehen, das aus Merians bekannter Topozraphie
Niederdeutschlands vom Jahre 1654 entı1ommen
ist. Nach den Angaben in demselben
Werke ist die Stadt von den Römern, und zwar
„on Antonius Colonna unter dem Namen Antonina
zegründet, von den Wilten, einem anscheinend
zeltischen Volksstamm 186 n. Chr. zerstört und als
Wiltaburg wieder aufgebaut, um 835 von den
Normannen nochmals zerstört zu werden. Die
Stadt erstand aber wiederum aus der Asche, erlebte
2ä>ine Blütezeit als Residenz des Friesenkönigs
Radbod und wurde später Sitz eines Erzbischofs.
Den Namen führt (nach Angabe von Merian)