Objekt : Stadtbaukunst alter und neuer Zeit : Halbmonatsschrift (Jhg. 3-4, 1922-23)

April 1972

STADTBAUKUNST
ALTER UND NEUER ZEIT

Heft 1 / 1922

Halbmöonätsfchriff * Herausgegeben von
Cor” 7" Gurliff und Bruno Möhring
'eftung: Walter Lehwess * Bezugspreis: 25 M. vierteljährlich

reis: 5,00 Mark das Hefi

‚Der Zirkel“, Architekturverlag G. m. b. H, Berlin W, Wilhelmstraße 48

mE

ZUM III. JAHRGANG
Mit dem vorliegenden Heft tritt die Stadtbaukunst alter und neuer Zeit in ihren dritten
Jahrgang.
Rückblickend auf eine zweijährige Tätigkeit unter sehr erschwerenden Zeitumständen können wir
heute mit Befriedigung feststellen, daß es gelungen ist, die junge Zeitschrift nicht nur durch alle Fährlichkeiten
 und Hindernisse, wie sie Streiks, Papiermangel und die wirtschaftliche Notlage vieler Fachgenossen
darstellten, hindurchzubringen, sondern darüber hinaus ihr ein immer sicherer verankertes Ansehen in
der Fachwelt und einen sehr ausgedehnten Leserkreis zu verschaffen. Die Schriftleitung wird auch
weiterhin bemüht sein, durch Aufsätze aus den verschiedenen Gebieten, die zur Stadtbaukunst im
weitesten Sinne gehören, Anregung. der mannigfachsten Art zu geben.
Unsere Ziele sind dieselben geblieben, wie sie in den Einleitungszeilen zum ersten und zweiten
Jahrgange dargelegt sind: Wir wollen die großen Ziele der Architektur und der Baukunst, denen die
Vorfahren in glücklicheren Zeiten durch ihre Werke nachstrebten, unsern Zeitgenossen, die vorläufig noch
von einer Betätigung in größerem Stile ausgeschlossen sind, in Wort und Bild vor Augen führen, damit
sie nicht in Zeiten der Not und des Darniederliegens der Bautätigkeit in Vergessenheit geraten. Wir
wollen den Kämpfen und Bestrebungen der heutigen Zeit ohne Voreingenommenheit und ohne Schulmeisterei
 nachgehen und ohne uns auf Streitigkeiten persönlicher Art, wie sie der rastlose Wettbewerb
mit sich bringt, einzulassen. Und wir wollen die Auffassung der Baukunst in dem Sinne pflegen und
vertiefen, die im Namen „Stadtbaukunst“ angedeutet ist: Nicht das einzelne Gebäude für sich zu betrachten,
 sondern als einen Baustein der Stadt, als ein Teil im großen Organismus des wirtschaftlichen
und geistigen Lebens der Nation.
Dieser Auffassung hoffen wir immer neue Freunde zu erwerben, und so an unserem Teile zu einer
Veredlung unserer Kunst und damit unseres gesamten Lebens heizutragen. WALTER LEHWESS.

DIE PLAZA MAVYOR IN MADRID
Von OSCAR JÜRGENS

Im Heft 14 des vorigen Jahrganges dieser Zeitschrift
 hat Walter Lehweß einen Entwurf des
Architekten Jose Luis de Orio1 für die Umgestaltung
der Altstadt von Madrid und im besonderen der
dortigen Plaza Mayor*) einer Betrachtung unterzogen
 und zwar an der Hand einer Besprechung dieses
Entwurfes in der Zeitschrift „Arquitectura“ des
Madrider Architektenwereins. Darin ist ein Mißverständnis
 unterlaufen, insofern als nach den Ausführungen
 des spanischen Blattes auch der alte

*) Ausführlicheres hierüber, unter Wiedergabe des Gesamtentwurfs,
 in desselben Verfassers Aufsatz „Umgestaltungspläne
 für die Altstadt von Madrid“ in der Zeitschrift „Der
Städtebau“ — Berlin 1921. Heft 7/8

Zustand des Platzes, so weit ihn der Planverfasser
orhalten will, als ein Bestandteil seines Entwurfes
jufgefaßt worden ist. Bei der Bedeutung eines
-laren Auseinanderhaltens des Vorhandenen und
ies Geplanten für eine richtige Beurteilung Oriols
/mgestaltungsvorschlages dürfte eine eingehende
betrachtung der Madrider Plaza Mayor, wie sie
‚ich im Laufe der Zeit entwickelt hat, und ihres
:‚ünstlerischen Wertes nicht unangebracht sein.
in den Städten Spaniens ist der Hauptplatz, ihre
>hemals allgemein so benannte Plaza Mayor, nicht
ıur Hauptmarkt- und Versammlungsplatz, sondern
zugleich ihr für öffentliche Schaustellungen aller
Art hestimmter und dementsprechend baulich auns-
            
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