Heft 9 / 1924 Heffpreis: GM 1.— Ausland: 50 Ctis,
STADTIBAUKUNST ALTER UND NEUER ZEIT
Herausgeber: Cornelius Gurliff und Bruno Möhring.
Schriffleiter: Walter Lehweß
17 An
| ES
DIE REICHSKRIEGEREHRUNG Eh
Von Cornelius Gurlitff ..
Die Reichskriegerehrung bejdäfßtigf viele
Köpfe. Ob überall die berufenen, jcheinf mir
fraglich. Es find mir allerhand Vorjichläge bekannt
geworden: Einer für den Parifer Plas
ın Berlin, alfo jo, daß der franzöfijdhe Gefandte
das Denkmal jtefs vor Augen habe! Ein
anderer will es im Luffgarten in Berlin errichten,
im Anjchluß an Rafcdhdorfs Dom,
Schlüfers Schloßfafjade und Schinkels Mufeum,
aljo nach Enffernung des Denkmals König
Friedrich Wilhelms 11I. und der großen QGranifjchale.
Die Miffel für das Denkmal werden
vefdheiden fein, unjerer Finanzlage enjprechend,
alfo ein Denkmal deutffjdher Nof, doppelf bedenklich
an diefjer Sfäfte, hineingeftell£f in den
Lärm des Alltags! Ernfter jcheinf der Vor{chlag
erwogen zu werden, das Denkınal in den
Schloßgarfen von Bellevue, der durch Offnung
der es umgebenden Mauer dem Tiergarten
einverleibf würde. Ich weiß nichf, ob {fchon
geklärf jei, wem Schloß Bellevue gehörf. Für
diefen Plaß Spricht der Gedanke, daß dorf das
Denkmal von vielen gejehen würde in der
Nähe der größten deuffchen Sfadf, Mir will
dagegen jcheinen, daß dorf beffer eine Kriegerehrung
für die Tofen: aus Berlin-Ojf und Charloffenburg
errichtet würde, denn wie einmal
die Sfimmung z. B. in Süddeuffchland ijf, wird
man jchwerlich Luft haben, Berlin als den
richtigen Plaß für das Denkmal anzufjehen,
ich hörte Stimmen von Wert aus Berlin felbf{f,
die fich in dielem Sinn äußerten.
Stände es nicht dorf beffer, wo die Kriegsund
Nachkriegsleiden am größfen waren, im
bejegten Gebief, am Rhein? Oder in der
Mitte Deufjchlands, wo es das Ziel in füller
Sammlung Hinpilgernder werden würde?
All das find Fragen, die „felbjit nicht der
Reichstag, gefdhhweige eine Behörde zu benandeln
vermag. Es iff fief zu bedauern, daß
bisher die ganze Angelegenheif als eine folche
der Minifterien und Rejforfs angejehen werden
zu fein jcheinf, eine Sache des Amfsgeheimnijfjes,
das erft dann enfjchleierf werden kann, . wenn
das Programm fejtfteht. Wenn eine nationale
Frage der Allgemeinheit vorgelegt werden
muß, jo jt es die der Reichskriegerehrung.
Den Weg zu finden, um den Willen des Volkes
‚eftzuftellen, müßte die erfte Aufgabe fein, danit
die Angelegenheif nicht dem Ermeffen der
jolitiichen Parteien überlafjen werde.
Die Künffler, im weitefften Sinne, [Jollten
edenfjalls zu einer perfönlichen Meinungsiußerung
aufgerufen werden.
Ijt denn fchon fefjtfgejtellf, daß es ein Denknal
aus Sfein, Erz oder fonft einem Stoffe fein
nuß? Mir Jjcheinf die Haupffrage, daß die
Zhrung eine joldche werde, die man Jich nichf
loß anjfiehtf, jondern die dauernd lebf,
lauernd Gegen[/fand des Dankes des deufichen
J/olkes gegen feine Toten darjtellf, einen
Dank, an dem zu befätfigen auch ferne Gechlechfer
fich gefrieben jehen. Alfo ein wachjenjer
Organismus, eine Schöpfung befonderer
\rf, efwa eine Heim/tätte für Leidende, für
Vailen und Überalterfe, ein Mitffelpunkf für
‚eiffige und körperliche Erjfarkung unferes
/olkes, eine Stätte der Mahnung nicht nur zum
zückerinnern an die Tofen, jondern ein Aufruf,
n Opferfreudigkeif ihnen nachzujfreben, indem
hr immer weiterer Ausbau zu immer neuen
Taten mahnf. Und dann, wenn einmal hunderf
Jahre verfloffen find, dann feßge man in die
Mitte des Gejchaffenen jenes künjfflerifjdhe Denknal
als Bekrönung der Dankesarbeif, wie man
auf dem Schlachtfeld von Leipzig hunderf Jahre
päter das riefige Denkmal errichtete, Unjere
Inkel und Urenkel werden den Krieg von
‚9414-18 ebenfowenig vergeffen, wie wir den
zon 1813-15. Bereitef ein Freiheitsdenkmal
7or, um den Zwecdz des Hinjterbens fo vieler
ınjerer Beftfen zum Ausdruck zu bringen, be-‚eitet
ein Werk vor, das bekundef, die leßte
“aft, die der Verfrag von Verjfailles uns aufsrlegf,
if abgeworfen, ein Denkmal, das den
Foten beweift, Jie haben ihr Leben nicht umonft
dahin gegeben: Nicht bloß Ausdruck des
Jankes, fondern defjen Befäfigung von den
Nachlebenden.
Wenn man aber einen Gedanken juchtf, der
ler nodı nie dagewefenen Größe der Aufgabe
anffprichf, fo rufe man die Künffler, ja das