Volltext : Stadtbaukunst alter und neuer Zeit und Friedhof und Denkmal (Jhg. 7, 1926)

Heft 1 Berlin, den 4. April 1926 Heftpreis: GM 1.—
=
ALTER UND NEUER ZEIT
HERAUSGEGEBEN VON CORNELIUS GURLITTIT UND BRUNO MÖHRING.
UND
DHOF uNDDE
HERAUSGEGEBEN VON ROBERT B. WITTE- DRESDEN
SCHRIFTLEITUNG: 27 -EHWESS

1 dr
a.

DER ZIRKEL - ARCHITEKTURVERLAG_ G. M. B. H., BERLIN W 66, WILHELMSTRASSE 48
POSTSCHECKKONTO BERLIN 418121 — FERNSPRECH-VERBINDUNG: AMT ZENTRUM, NR. 10679

ZU DEN FLÄCHENAUFTEILUNGSPLAÄNEN. -
Von Cornel

ius Guılitt.

Täglich wiederholt sich das Urteil über die großstädtische
 Bauwirtschaft der letzten Jahrzehnte als
eine solche, die durch „Aufblähen der Großstädte“
und „Zusammenpferchen der Massen in Zinskasernen“
sich als durchaus unfähig erwiesen habe. Schon
in einem der Vorläufer des B. D. A., in der „Vereinigung
 Berliner Architekten“ wurde diese Frage
zu Ende der 1880er Jahre lebhaft besprochen. Mit
Freude sah man das Anwachsen der Industrie, mit
Sorge die Not der Arbeiter und suchte sich nach den
Mitteln, ihre Wohnverhältnisse zu bessern. An
Flachbau war damals praktischer Weise nicht zu
denken. Der Omnibus, die wenigen Pferdebahnlinien,
 die eben erst enstandene Stadtbahn konnten
den Massenverkehr zwischen Arbeitsstätte und Wohnung
 in ausreichendem Maße nicht bewältigen, die
Mehrzahl der Arbeiter war darauf angewiesen, zu
Fuß zur Arbeitsstätte zu gelangen. Man durfte ihnen
den Weg nicht zu lang machen, mußte also Zinsnäuser
 schaffen. Das Rad begann eine Rolle zu
spielen. Die neuen Verkehrsmittel sind nicht entstanden
 aus .der Freude am Schaffen neuer Möglichkeiten,
 sondern unter dem Druck, der aus den veränderten
 Verhältnissen sich ergebenden Verkehrsschwierigkeit,
 als Behelfsmittel gegen diese. Freilich
entstanden sie nicht ohne zugleich immer größte
Verkehrsschwierigkeiten zu schaffen.

verteilung an die Bevölkerung riefen diesen Wunsch
1ervor. Die Baugesetze forderten Gartenland für
lie Siedler, sie traten auch für die Kleingärten in
lien Großstädten ein, durch die den in Miethäusern
Nohnenden Gelegenheit gegeben werden sollte,
vieder mit dem Boden, dem großen Volksernährer,
n Verbindung zu kommen. Man fordert „Grünlächen“
 für das Spiel, den Sport von alt und jung
nd sieht in den Flächenaufteilungsplänen die Anage
 großer „Grüngürtel“ um die Städte vor, das
'eißt, will auf weite Gebiete Bauverbot legen, somit
Luftquellen‘“ schaffen zur Gesundung der Städte.
Diese Gedanken sind gewiß sehr wohl gemeint,
raglich ist nur der Erfolg. Zunächst hat mich die
irfahrung gelehrt, daß ein Sportplatz keine Grünläche
 ist. Lawn-Tennis ist ein Spiel auf der Wiese.
)as trifft für manche englische Wiesen zu, da der
xasen im feuchten Klima des Landes das Herumteten
 Spielender besser verträgt. Bei uns ist es
:n Spielen auf staubigem Kiesplatz, der wahrlich
ıicht als Ozonerzeuger gelten kann Die Kleinzärten
 sind dies auch nur in beschränktem Maße.
Man kämpft dagegen, daß solche Gärten gegen
zurzfristige Miete vergeben werden und fordert, daß
lie Städte entsprechendes Land vorbereiten, um die
ıierzu Bereiten als dauernde Besitzer oder doch
3enützer einzusetzen, also ähnlich wie hinsichtlich
ler das Kleinhaus umgebenden Gärten. Ich würde
neinen, daß die Obrigkeit dann auch dafür eintreten
nüßte, daß die Kleingärten einen angemessenen
Zrtrag für den Besitzer bieten, damit bei ihm die
‚ust an der landwirtschaftlichen Betätigung erhalten
»leibt, selbst wenn die Kartoffeln im Handel so
»illig sind, daß der Kleingarten und die an ihn zu
‚erwendende, für den Besitzer ungewohnte Arbeit
xeinen Nutzen bringt. Jedenfalls sollte man von
‚ornherein Fürsorge für die Bewohner treffen, die
wegen Alter, körperlicher Schwäche, Mangel an Lust
ınd Verständnis für Landwirtschaft, Aerger über
Mißernte, ihr Land nicht mehr bearbeiten, also dem
»ffentlichen Nutzen entziehen. Daher werden die Einamilienhäuser
 auch für solche Leute geschaffen werlen
 müssen, die eine Wohnung vorziehen, die keinen

Ich wohnte damals einer Verhandlung bei, in der
nan sich frug, ob es volkswirtschaftlich richtig sei,
das umliegende Land mit der Großstadt noch
enger zu verbinden, der Menge Gelegenheit zu einer
weiter gehenden Beweglichkeit zu bieten und damit
die Landbevölkerung in die Städte zu locken. Man
sah jene Landflucht voraus, die wir jetzt beklagen
und setzte ihr eine kräftig durchzuführende Landvesiedlung
 entgegen.
Der Gedanke wurde bei dem nach dem Weltxrieg
 einsetzenden Eifer für Flachbau umgewertet.
Man wollte dem städtischen Siedler soviel Land zuweisen,
 daß er durch eigene Arbeit sich eine Erjeichterung
 in der Lebensführung schaffe, Die Not
an Lebensmittel, die Unzulänglichkeiten der Zwangs-‚A100


            
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