DIE FARBIGE STADT
HERAUSGEGEBEN VOM BUND ZUR FÖRDERUNG DER FARBE IM STADTBILD E. V., SITZ HAM-BURG,
SPITALERSTRASSE 11 / SCHRIFTLEITER: DR. PHIL. EDMUND MEIER-OBERIST, HAMBURG
Mitarbeiter: Stadtbaurat Dr. ALTHOFF, Breslau; Dr. AMSEL, Kiel; Direktor Dr. ASSER, Wandsbek; Stadtbaumeister BECKER, Danzig;
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/RZ, München; Prof. KANOLD, Hannover; Prof. KRÜGER, Dresden; Dr. MATTHAEI, bonn; dStadtbaurat MAY, Frankfurt a. M.;
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PONTOS-VERLAG GMBH BERLIN / HAMBURG / STUTTGART / LEIPZIG
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Jahrgang IV, Nr. 1 20. April 1929
AUS DEM INHALT:
Seite Seite
Merkblätter für die farbige Behandlung von Bauten 17 _Meier-Oberist: Der Wettbewerb zur Erlangung von
' Entwürfen iür i1arbige Gestaltung des Münster-Meier-Oberist;
Die Farbe im Ortsbilde ..... 20 hofes in Zürich .....0.0.0.0.0.0.0.0.0.0.- 25
Inhaltsverzeichnis für den Jahrgang 1928
Merkblätter für die farbige Behandlung von Bauten
Herausgegeben vom Bund zur Förderung der Farbe im Stadtbild in Verbindung mit dem
Forschungsinstitut für Farbentechnik an der württ. Staatl. Kunstgewerbeschule
Vorläufiges Merkblatt „Fassadenfarben‘“ *)
Begriff. Unter Fassadenfarben sind solche Farven
zu verstehen, dıe Sich in wälßrigen Bindemitteln
(kmulsionen), in Kalk und ın Öl bzw.
Lack im Außlenanstrıch oder in der Auljenmalerei
verarbeıten lassen, Ohne sich durch Licht oder
durch die Kinwirkung chemischer Bestandteile der
Bindemiltel (Alkalien, Säuren) zu verändern bzw.
nur So gerınge Veränderungen aufweisen, wie sie
nach dem heutigen Stande der Farbtechnık, selbst
bei den allerbesten Lrzeugnıssen, als noch nicht
vermeiıdbar bezeichnet werden müssen. Sie können
also die Bezeichnung „fassadenecht‘“ beanspruchen,
womit die höchste heute praktisch erveichbare
Licht- und Kalkechtheıit gemeint ist. Die
Kchtheit gegen Wasserglas ist jedoch in den Begriff
nicht unbedingt eingeschlussen. karben, deven
Prüfung die genannte Licht- oder Kalkechtheit
nicht ergıbt, sollen nıcht als Fassadentarben
bezeichnet werden.
Umfang der Hassadenkarte. Die großen Ansprüche,
die an Fassadenfarben gestellt werden,
wachen es verständlich, daß die Musterkarte sehr
beschränkt ist und dal in vielen Farbtönen. vornehmlich
in Rot, Grün und Violett nur wenige,
nicht sehr feurige Töne zur Verfügung stehen.
Dıe wichtigsten einwandfreien }assaaenfarben
sind:
Gelb: Neapelgelb, Ocker, Marsgelb, Eisenoxydgelb,
V’erra di Siena.
Orange: Chromorange.
Rot: Eisenrot, Marsrot, Eisenoxydrot.
Violett: Ultramarinviolett,
Braun: Umbra, Terra di Siena gebr., Kaput
mortuum u. a. Eisenrote.
Blau: Ultramarin.
Zzrün: Chromoxydgrün, Permanentgrün, Chromoxydhydratgrün
(Guignetgrün), Mischungen
von diesen Farben sowie von Ultramarin
mit Gelb, Ultramaringrün.
Weiß: Titanweiß.
Schwarz: Elfenbeinschwarz, Eisenoxydschwarz,
Manganschwarz.
Hinzu kommen noch die nur in einzelnen Techılken
(s. unten) ganz einwandfreien Farben:
Weiß: Bleiweiß.
Gelb: Gelber Ultramarin, Kadmiumgelb;
Orange: Kadmiumorange.
Rot: Kadmiumrot, Krapplack.
Grün: Viktoriagrün.
Mischung der Farben. Im allgemeinen können
lie genannten Farben miteinander abgemischt
werden. Veränderungsmöglichkeit besteht beim
Mischen von Bleifarben (s. u.) mit Ultramarin in
schwefelsäurehaltiger Luft (Industriegebiet).
Optische Wirkung. In der Kalk- und Wasserzlastechnik
gebraucht. werden alle Farben auf-*)
Mit diesem Merkblatt soll eine kurze Zusammenfassung
des Wissenswerten über „Fassadenfarben”, das
sich mıt Sicherheit auf Grund wissenschaftlicher Forschung
und praktischer Erfahrung sagen läßt, gegeben
werden. Eine Normung oder Auistellung von Lieterbedingungen
ist damit nicht beabsichtigt. Die beteiliglen
Verbände haben sich entschlossen, das vorliegende
Merkblatt als Grundlage für ein RA L-Merkblatt anzuerkennen,
dessen endgültige Ausarbeitung erst später
erfolgen wird. Dieses ist dann als malsgebend für
Lieferbedingungen zu betrachten. Die Ausführungen
les vorliegenden Merkbhlatties bleiben davon unberührt.