Volltext : Die Farbige Stadt (Jhg. 4, 1929-30)

DIE FARBIGE STADT

HERAUSGEGEBEN VOM BUND ZUR FÖRDERUNG DER FARBE IM STADTBILD E. V., SITZ HAM-BURG,
 SPITALERSTRASSE11 / SCHRIFTLEITER: DR. PHIL.EDMUND MEIER-OBERIST, HAMBURG

Mitarbeiter: Senator Dr. ALTHOFF, Danzig; Dr. AMSEL, Kiel; Direktor Dr. ASSER, Wandsbek; Stadtbaumeister BECKER, Danzig; Geheimrat Prof.
Dr. BRUCK, Dresden; Magistratsbaurat DERLAM, Frankfurt a. M.; Prof. Dr. DIECKMANN, Braunschweig; Geheimrat Prof. Dr. EIBNER, München; Reichsbahnoberrat
 E/TNER, Altona; Stadtbaurat ELKART, Hannover; Malerobermeister C. FR. HANSEN, M. d, R. W. R., Hamburg; CORNELIUS HEBING,
Endorf; Baudirektor Dr, HELLWEG, Hamburg; Stadtbaumeister HERTER, Zürich; Landesgewerberat IRZ, München; Prof. KANOLD, Hannover; Prof. Dr.
KLOPFER, Holzminden; Prof. KRÜGER, Dresden; Dr. MATTHAEI, Tübingen; Stadtbaurat MAY, Frankfurt a. M.; Architekt C, A. MECKEL, Freiburg i. Breisgau;
 Prof. Dr. PHLEPS, Danzig; Reichskunstwart Dr. REDSLOB, Berlin; Oberstudiendirektor Prof, RÜCKERT, München; Direktor Prof. Dr. SAUERLANDT,
Hamburg; Prof. SCHULTZE-NAUMBURG, Saaleck; Oberbaudirektor Prof. Dr. SCHUMACHER, Hamburg; Reichsbahnoberrat STEINBRINK, Erfurt; Architekt
Dr. G. STEINMETZ, Berlin; ERICH STOCK, Krefeld; Dr. HANS WAGNER, Stuttgart; Dr. H. J. WAGNER, Berlin; Prof. GUSTAV WOLF, Breslau

STANDIGES BEIBLATT:
Gestaltung der Reklame im Stadtbild @ Mit den Mitteilungen der amtlichen Baupflege
20. Dezember 1925

Jahrgang IV, Nr. 9

AUS DEM INHALT:

Wagner: Wissenschaft und Praxis der Technik Baufarbenplänen / Sinn und Wert örtlich und bee
farbiger Fassadenbehandlung nach dem heutigen sachlich begrenzter Richtlinien .. . , . . . 249
Stande . . .. 243 Farbabwandlung von Bauten . . . .... . 251
Meier-Oberist: Bauliche und städtebauliche Auf- Richtlinien für den farbigen Hausanstrich. Grundgaben
 der Farbe / Praktische Durchbildung von töne . 255

Wissenschaft und Praxis der Technik farbiger Fassadenbehandlung
 nach dem heutigen Stande
(auf Grund des Ergebnisses einer an die Regierungen und staatlichen Baubehörden gerichteten
Umfrage des Bundes, im Vergleich mit den Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung und den
vom Bunde gesammelten Erfahrungen der Stadtbauämter.)

Vortrag,
gehalten am 5. Oktober 1929, von Prof. Dr. Hans
Wagner, Stuttgart, auf der Bundestagung in Zerbst

Der Verein deutscher Bleifarbenfabrikanten hat seiner
hübschen Broschüre über das Bleiweiß das Motto vorangestellt:


„Wissenschaft ist gut,
Praxis ist besser,
Wiässenschaft und Praxis sind am besten.“

Dieser Leitspruch soll für meinen heutigen Vortrag
gelten, wie er auch gültig ist für die Bestrebungen des
Bundes, der uns hierher gerufen hat. Die Erfahrungen
der Praxis sind die Basis, auf die wir aufbauen und
die wir mit dem kritischen Auge der Wissenschaft
durchmustern wollen, um das herauszuziehen, was nicht
nur eine Einzelerscheinung, sondern allgemein ist und
daher Nutzen bringen kann, wenn es der Allgemeinheit
zugänglich gemacht wird. In diesem Sinne war die
erste große Tat des Bundes. auf werkstofftechnischem
Gebiet aufzufassen, die Sammlung von Erfahrungen
der Stadtbauämter, über die ich in Augsburg vor
zwei Jahren die Ehre hatte, zu berichten. Diese Tat
wurde allseitig mit größtem Interesse aufgenommen.
So war es naheliegend, die gewonnene Sammlung durch
eine Umfrage an staatliche Stellen zu erweitern. Heute
liegt uns nun in der Kartothek „Urteile der Praxis“
meines Institutes ein namhaftes Dokument zur Werkstoffkunde
 vor, das neben den Antworten der Regierungen,
 staatlichen Baubehörden, Stadtbauämtern,
Siedlungsgesellschaften auch noch die Mitteilungen aus
der Praxis enthält, die ich im Lauf der Jahre in meinem
Verkehr mit Malermeistern gesammelt habe.

Wenn ich schon in Augsburg sagte, daß das Resultat
der Umfragen des Bundes ein erfreuliches sei, so muß
ch das heute im Hinblick auf das wesentlich verzrößerte
 Material wiederholen. Wenn man die oft
lakonisch, oft im Orakelstil gehaltenen Antworten
kritisch durcharbeitet und das Wesentliche vom Neben-;ächlichen,
 Unklaren, Unsicheren sondert, so erhält man
an recht einheitliches Bild von der Beurteilung der
Techniken und Werkstoffe und findet eine sehr gute
Jbereinstimmung der Urteile unter sich und mit dem
Srgebnis wissenschaftlicher Forschung. Besonders er-"reulich
 ist dabei, daß wir in unsere Kartothek auch
die Resultate der Versuchsanstriche des Stadtbaurats
Dr. Althoff in Breslau einbeziehen durften. Ich werde
auf diese wie auf die sehr beachtenswerten Vorschläge
des Regierungsbaumeisters Stölzel später zu sprechen
kommen,
Auch heute muß ich mich begnügen, Ihnen einen
zanz kurzen Überblick zu geben, und es kann keine
Rede davon sein, daß ich Ihnen die Antworten der
Behörden im Original verlese. Ich will nur einige bej;onders
 wichtige Gesichtspunkte herausarbeiten, hoffe
ıber, Ihnen später in der Zeitschrift des Bundes in
Sinzelaufsätzen ausführliche Besprechungen der Antworten
 vorlegen zu können. Eines möchte ich dabei
»esonders betonen. Es ist das Privileg des Bundes,
iaß er über den Parteien stehen darf. Wie teuer dieses
Privileg erkauft werden muß, weiß ein jeder, der
schon ein offenes Wort gewagt hat. Die Beantworter
unserer Umfrage nehmen hinsichtlich der Bewertung
der Werkstoffe, insbesondere der Bindemittel, kein
Blatt vor den Mund, und die Objektivität verlangt,
Jaß ihre Urteile wiedergegeben werden. Soll die
            
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