Volltext : Windmühlenbau einst und jetzt

wirkt zudem noch als Schwungmasse auf Gleichförmigkeit der Drehung hin.
Je schneller die Flügel laufen, um so schmäler können sie sein und um so
geringer wird der Winddruck auf die stehenden Flügel, und schließlich wird die
Übersetzung in der Mühle auch noch eine geringere. Dadurch wird wiederum
der Anlauf ein leichterer, es wird viel an Zahnradmaterial und Wellenstärken
gespart, kurzum, wo man hinschaut, nur Vorteile durch höhere Drehzahlen.
Flügel mit Ventikanten und Drehhecks haben keine höheren Drehzahlen
unter Vollast als die bisherigen Flügel. Die Kurve, Abb. 14, zeigt sogar einen
kleinen Rückgang der Drehzahl unter Vollast. Wenn es auch ganz selbstverständlich
 ist, daß jede Mühle in ihrem eigenen Interesse baldmöglichst zu
dieser hochleistungsfähigen sturmsicheren Bauart übergeht, um wieder eine
vorzügliche Rentabilität zu erzielen, so unterliegt es doch keinem Zweifel, daß
die Mühle der Zukunft eine Repellermühle sein muß, wie sie die Abb. 20 u. 9
zeigt. Manchen Müllern wird es gar nicht gefallen, daß die Mühle der Zukunft
nur 3 Flügel haben soll, allein der Wirkungsgrad der 3 Flügel ist ein besserer als
der von 4 Flügeln. 3 Flügel kosten dabei etwa 25 % weniger. Wer aus aesthetischen
 Gründen jedoch 4 Flügel wünscht, kann diese für die Mehrkosten
ohne Mehrleistung haben. Man wird sich auch an das Bild 3flügeliger Mühlen
gewöhnen, wie man ja auch immer wieder versucht hat, 5flügelige Mühlen zu
bauen, die, nebenbei bemerkt, ein grober Unfug sind. Die fünfteilige Nabe ist
baulich äußerst unbequem und 5 Flügel leisten weniger als 4. Werden dann
wegen der riesigen Windflächen noch Verspannungen der einzelnen Flügel und
der Flügel untereinander angebracht, so sinkt die Leistung auf ein ganz klägliches
 Maß.

Das Mühlenhaus.

Auch die Formen der Mühlenkörper sind ohne Kenntnis der Aerodynamik
nicht günstig geraten. Man wußte nicht, daß ein quadratischer Körper etwa
40% Windwiderstand weniger hatte, wenn er eine Kante statt einer Quadratfläche
 dem Winde zukehrte. Es wäre also gegeben gewesen, die Flügelwelle
in der Diagonale in die Mühle einzusetzen. Im Innern der Mühle hätte sich
dabei nichts ändern zu brauchen, nur das große Kammrad hätte an anderer
Stelle in den Drehling der Königswelle eingegriffen. Zudem wären die Flügel
vom Haus freier geworden. Die Wirbel hätten sich nicht zwischen Haus und
Flügel eingeklemmt, der Gang der Mühlen wäre ruhiger geworden. Die
Unterstützungslänge für den Stert wäre bei der Bockmühle, an die hier hauptsächlich
 zu denken ist, eine größere geworden, Jetzt hilft man sich so, daß man
Bockwindmühlen etwa 25% länger als breit baut und sie etwas exzentrisch
auf den Ständer setzt. Die Diagonale eines Quadrats ist aber etwa 42% länger
als die Quadratseite, dazu noch der um 40% geringere Widerstand und die
anderen Vorteile. Für einen Aerodynamiker wäre es ganz selbstverständlich
gewesen, die Mühlen über Eck hinzustellen, Die achteckige Form der meisten
Holländermühlen ist recht gut. Noch besser kann die Luft ganz runde Mühlenkörper
 umströmen, und stromlinige Querschnitte wären die allerbesten, sind
aber schwer zu bauen, Abb. 21. Leitwinkel vor der Brust hätten nur geringen

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