Volltext : Windmühlenbau einst und jetzt

Mühlen für Wasserforderung.
Eine in Holland weitverbreitete Anwendung der Mühlen für die Wasserförderung
 ist bei uns immer ein Stiefkind geblieben, Es gibt zwar auch solche
Windmühlen besonders in Friesland, aber sie werden ihrem großen Werte entsprechend
 viel zu wenig benutzt. Hier müßten die Meliorationsbehörden
kräftig eingreifen, weil die Windkraft allein geeignet ist, weite Landstrecken zu
entwässern. Holland macht augenblicklich eine merkwürdige Krise durch, die
„Elektrizität um jeden Preis‘* heißt, wie wir schon hörten. Nun, die Zeit wird
bestimmt wiederkommen, wo die Windkraft in Holland wieder zu Ehren kommt
und wo auch bei uns zahlreiche Müllerfamilien sehr zum Nutzen der Volkswirtschaft
 wieder ihr Brot durch Mühlenbedienung erhalten. Die großen durch
Wärmekraft oder Elektrizität getriebenen Schöpfwerke werden je eher, je
besser durch zahlreiche Windmühlen abgelöst, und schließlich wird sich in
fernen Zeiten der Großlandwirt und der Müller vertragen müssen. Jetzt versucht
 der Großlandwirt dem Müller durch Selbstschroten Konkurrenz zu
machen, Bei oft angestellten Berechnungen ergibt sich jedoch einwandfrei, daß
dem Landwirt das Selbstschroten teurer kommt, als wenn er den Müller diese
Arbeit ausführen läßt, und das Ergebnis der Selbstschroterei ist oft ein recht
unbrauchbares Produkt, Auch zum Schroten gehört Fachkenntnis, und das
Selbstschroten der Landwirte ist meist als volkswirtschaftlicher Schaden zu
buchen. Ebenso wie der Brenner für Großlandwirte nötig ist, so ist es auch
der Müller, Arbeiten Müller und Landwirt zusammen, so kann der Müller die
Reinigung und Verarbeitung des Getreides übernehmen, kann dem Hof Strom
liefern und kann vor allen Dingen die Melioration nach den Wünschen des
Landwirtes regeln. Er kann nicht nur mehrere Entwässerungs-Windkraftanlagen
 beaufsichtigen, er kann schließlich auch die modernen Beregnungsanlagen
 bedienen. Zu diesem Zwecke würde der Müller viele Hilfskräfte
einstellen können, ein noch brachliegendes Gebiet der Arbeitsbeschaffung.
Die Wasserförderungsmühlen sind in den oberen Stockwerken meist leer,
nur die Königswelle läuft senkrecht herunter. Wohnräume oder Lagerräume
entstehen dadurch reichlich. Unten wird durch Kammrad und Drehling
entweder ein Wurfrad oder eine Schnecke angetrieben. Das Wurfrad ist ein
umgekehrt wirkendes Wasserrad, daß das Wasser in einem engen Schacht
emporschaufelt. Der Schacht kann das Rad aber nicht allzu dicht umschließen.
Das hölzerne Rad verwirft sich und würde sich dann im Schacht verklemmen.
Durch die Schlitze zwischen Rad und Schachtwand geht dadurch sehr viel
Wasser verloren. Im Winter sind solche Räder wegen des herumspritzenden
Wassers oft ein Eisklumpen. Moderne Mühlen verwenden nur Schnecken,
Aber auch die Schnecke hat große Mängel. Sie ist sehr groß und schwer und
kann nicht beliebig lang gebaut werden, weil sich die Welle bei zu langen
Schnecken durchbiegen würde, Es muß für eine richtige Eintauchtiefe der
Schnecken durch ein Windewerk gesorgt werden, und der Ausguß der Schnecken
muß hoch über dem Oberwasser liegen, damit ein freies Abfließen möglich wird,
Dadurch wird viel unnötige Kraft verbraucht. Die langsamlaufenden Schnecken
passen zwar vorzüglich zu den ebenso langsamlaufenden Windmühlen, ihre
Leistungen werden aber weit überboten durch die modernen Schrauben-SR


            
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