DIE VOL SWOHNUNG
ZEITSCHRIFT FÜR WOHNUNGSBAU UND SIEDLUNGSWESEN
24. DEZEMBER 1920
2. JAHRGANG
HEFT 24
Alle Rechte vorbehalten.]
Entwicklung der Baustellenpreise in Schweizer Städten.
Von Prof. Dr. Rud, Eberstadt, Berlin.
Bäuerliche, landwirtschaftliche Güter sind dagegen
im Preise bedeutend gestiegen, 20 bis
30 vH., weil eben die landwirtschaftlichen Erzeugnisse
verteuert in den Handel kommen;
z. B. die Milch, die vor dem Krieg 20 Rappen
xostete, gilt heute 50 Rappen je Liter.“
Die hauptsächlichen Grundzüge für St.Gallen,
ne Stadt mit überwiegender Industrie- und
Arbeiterbevölkerung, sind somit für den Ab-‘chnitt
1914 bis 1920: Rückgang der Baustellen-»reise
in der Stadterweiterung, Ansteigen der
3odenpreise für land wirtschaftliche Grundstücke;
Rückgang der Nachfrage nach Stockwerksbauten
ınd Mehrwohnungshäusern, starke Nachfrage
ıach dem Kleinhaus. Der der Urproduktion
lienende Boden ist im Wert gestiegen, das reine
3Zaustellenland dagegen ist im Wert gesunken.
Darallel, hiermit geht ein Umschwung in der
Wertung des Haustyps; das Mehr- und Vielyohnungshaus
verliert seine Stellung als meistzefragte
marktgängige Hausform. Für die Berorzugung
des Kleinhauses dürfte, neben den
‚sonstigen Vorteilen, die unter heutigen Verhältıissen
besonders wertvolle Zugabe eines Stücks
aroduktionsland — Gartenland, Wirtschaftsland
in Betracht kommen.
Die Baukosten sind gegenüber den Vorkriegsreisen
wesentlich, in dem gegebenen Beispiel
ım das 3'/fache, gestiegen; die Erhöhung ist,
wie bemerkt sei, eine stärkere als in England,
»bwohl dort die Bewertung der Valuta zur Zeit
»ine ungünstigere ist als in der Schweiz. Eine
ıedeutsame Verteuerung der Baustellenpreise
ınd eine entsprechende Erschwerung des Kleinıausbaues
wurde in St. Gallen bisher durch
las System des kostspieligen Straßenbaues verırsacht;
s. mein Handbuch des Wohnungswesens.
4. Aufl., S. 621. .
Für die Entwicklung der seit geraumer Zeit
n starker Ausbreitung befindlichen Stadt Zürich
dietet uns das Zahlenmaterial, das mir von
lem Statistischen Amt der Stadt in entgegenzommender
Weise übermittelt wurde, eine Reihe
»emerkenswerter Angaben. Der Umfang des
Stadigebietes. vor einer Reihe von Tahren durch
D* Gestaltung der Baustellenpreise in einem
neutralen, von den Umwälzungen der Vaiuta
nicht unmittelbar ergriffenen Lande dürfte
m gegenwärtigen Augenblick für unsere deutschen
Verhältnisse: nicht ohne Interesse sein.
Die folgenden Angaben, die mir in dankenswerter
Weise von sachkundiger Seite zur Ver-‘ügung
gestellt werden, betreffen die Entwicklung
n Zürich und St. Gallen für den Zeitabschnitt
‚914 bis 1920... Vorausschicken möchte ich, daß
lie Einwirkungen der Kriegsereignisse sich in
lem Wohnungswesen der Schweiz erst seit dem
jahre 1915 geltend gemacht, dann aber rasch
zu starken Mietsteigerungen und Schwierigkeiten
n den Wohnverhältnissen geführt haben. Seit
1919 hat die Wohnungsnot ‚einen bedenklichen
Umfang erreicht, sowohl in den größeren Städten
wie auch in kleineren Industrieorten.
Zu der Entwicklung in St. Gallen gibt
mein Gewährsmann folgenden Bericht: „Im
Stadtzentrum sind die Grundstückspreise eher
etwas gestiegen als gefallen. Die Steigerung
jürfte etwa ıo vM. betragen. . Liegenschaftsobjekte,
die gewerblichen oder industriellen
Zwecken dienen, sind um gut ıo vH. gestiegen.
Andere Objekte, z. B. Arbeiterwohnhäuser mit
mehr als zwei Wohnungen, Miethäuser, sind im
Preise ' ziemlich ‘stark gesunken. Das ‘ Ein-’amilienhaus,
gleichviel ob für Arbeiter oder
andere,. ja besonders für erstere, ist viel bevehrter
geworden als früher. Das Mehrfamiliennaus
ist nicht mehr ein begehrtes Objekt; heute
pesonders, da auch bei uns die Mieterschutzbestimmungen
in etwas auf ein gehabtes Er-Tıägnis
einwirken. Liegenschaften in den beiden
Außenkreisen, Ost und West, solche mit vielem
Bauland, büßten an Wert bedeuvend ein.
50 kenne ich Liegenschaften, die vor dem Krieg
zu 300 000 bis 400000 Franken leicht zu Vergaufen
waren, sie würden heute kaum noch
200000 bis 300000 Franken gelten. Ursache:
man kann nicht bauen, weil dies zu teuer zu
stehen kommt. Ein Einfamilienhaus, das vor
jem Krieg auf ı5000 Franken zu stehen kam,
gostete 1017 22000 Franken, heute so0000 Franken