Full text: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Neckarkreis (1889)

110 
Neckarkreis. Oberamt Brackenheim. 
Alemannisch-fränkische Reihen grab er fanden sich bis jetzt bei Frauenzimmern. 
Güglingen, Klingenberg, Meimsheim, Stetten und Schwaigern. 
Als herrschendes Geschlecht erscheint von den Zeiten der Karolinger an das von 
Magenheim auf dem Michaelsberg, urkundlich zum erstenmal als Familie der Magen 
heim im Jahr 1147; von ihnen gehen andere Burgsitze aus, wie Neumagenheim, 
Blankenhorn, Neipperg, Stocksberg. 
Wrcrckerrheim, Obergmtsstadt. (Brackenheim (2^6.) 
Hübsche Stadt mit manchen Renaissancehäusern in Stein und Holz. Das Wap 
pen der Stadt ist schon im Jahr 1301 ein Bracken. 
Die ev. Stadtkirche zum heiligen Jakob stammt ihren Hauptteilen nach 
aus frühgotischer Zeit, das hohe unterste Geschoß des im Osten stehenden Turmes 
bildet den Chor, der von einem kraftvollen Rippenkreuzgewölbe überspannt wird, 
während sich über das breite Schiff ein hölzernes, schön mit gotischen Blumenge 
winden bemaltes Tonnengewölbe sprengt, eine im Zabergäu beliebte Anordnung. (K.) 
Von Kunstwerken sieht man ein herrliches, überlebensgroßes Kruzifix, wohl 
noch aus dem 14. Jahrhundert, dann das sog. heilige Grab, eine Steinskulptur in 
gotischem Stil; Christi Leib liegt auf einem schön verzierten Sarkophag. Die sehr 
reiche hölzerne Kanzel ist im Spätrenaissancestil gehalten, ebenso zwei prachtvoll in 
Farben und Vergoldung strahlende geschnitzte Wandtafeln mit Darstellungen der 
Leidensgeschichte rc. Die mit einem Netzgewölbe bedeckte Sakristei, 1509, enthält einen 
trefflich geschnitzten gotischen Schrank und sehenswerte Abendmahlsgefässe (Silber und 
vergoldet), darunter einen Kelch aus dem 13. Jahrhundert und jene mit Blumenkranz 
umlegte Taufschüssel, gestiftet 1655 von der Herzogin Sibylla von Württemberg. 
An der nordwestlichen Ecke der Stadt erhebt sich malerisch und mit runden 
Treppentürmchen besetzt aus dem alten Stadtgraben das in schlichtem Renaissancestil 
gehaltene ehemalige Schloß (K.), das Herzog Christoph von Württemberg an der 
Stelle des alten in den Jahren 1556 und folgenden durch Meister Martin Ver 
wart erbauen ließ; die Kosten beliefen sich auf 23,408 Gulden. Das Innere besaß 
einen kolossalen Kachelofen, gefertigt zu Ingolstadt im Jahr 1668 und geziert mit dem 
Kaiser und den sieben Kurfürsten (jetzt im N.). In der vom Marktplatz zum Schloß 
herausführenden Straße stehen Häuser mit Erkern und Eingängen in zierlicher Re 
naissance, darunter das ehemalige, im Innern noch die alten Vertäfelungen zeigende 
hochgegiebelte Gasthaus zum Ochsen, worin nach der Schlacht bei Lauffen (13. Mai 
1534) der Landgraf Philipp von Hessen übernachtet haben soll. — Im Jahre 1691 
brannte ein großer Teil der Stadt nieder, an einem Nebengebäude des Hospitals 
liest man noch folgende Inschrift: „Nachdem der vorige Bau anno 1691 neben 112 
Gebäuden in vier Stunden abgebrand", rc. Sehr stattliches Rathaus, 1780. 
Eine halbe Viertelstunde südlich vor der Stadt erhebt sich auf einem in das 
Zaberthal vorgeschobenen Hügel, im schön bepflanzten Friedhofe, die Johanuis- 
kirche, früher die Pfarrkirche von Brackenheim; sie läßt sich noch erkennen als drei- 
schiffige spätromanische Basilika, in der schlichte Pfeiler, abwechselnd mit derben Würfel- 
knanssäulen, die ungegliederten schon zugespitzten Arkadenbögen tragen; das zart- 
gegliederte Portal hat schlanke Säulen im Geschmack des Maulbronner Paradieses
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.