Title:
Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Neckarkreis
Creator:
Paulus, Eduard
Shelfmark:
2Kb 939-Text,1
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/393080226_1889/195/
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Neckarkreis. Oberamt Eßlingen. 
Römisches. 
Ein hochwichtiger Waffenplatz der Römer, als solcher jedenfalls von ihnen ge 
gründet, denn die Lage war für eine bürgerliche Niederlassung wohl geeignet, aber 
nicht zwingend, wie die unserer urältesten Stätten, ist Köngen, eines jener Kastelle, 
welche die Römer auf der linken Neckarseite anlegten; wichtig als Neckarübergang und 
als Schlüssel in das tief in die Alb südlich einschneidende Thal der Lcnninger Lauter. 
Gegenüber, dem Süden zu liegt, nur zwei Stunden in der Luftlinie entfernt, der 
Heidengraben, die größte Ringwallbnrg unseres Landes, mit erst kürzlich aufgedeckten 
Resten römischer militärischer Steinbauten. 
Nachdem schon im Jahr 1783 durch Herzog Karl umfassende Ausgrabungen 
vorgenommen worden waren, entdeckte General 
von Kallee im Herbst 1885 das eigentliche 
Kastell, das ganz an den tcrrassierten Rand 
des Neckargeländes mit einer Schnialseite vor 
geschoben ist, und grub es teilweise aus. Das 
Kastell (s. Kallee's Beschreibung und Pläne in 
den W. Vierteljahrsheften, Jahrgang 1886, 
S. 140 sf.) mißt 157 in Länge bei 114 in 
Breite, hatte halbrunde Ecktürme und doppel- 
türmige Thore. Die Dicke der Kastellmauer 
beträgt 1,19 in oder 4 röm. Fuß. Im Rücken 
(Norden) des Kastells lag ausgedehnt die 
bürgerliche Niederlassung. Vgl. auch die Ober 
amtsbeschreibung von Eßlingen. 
Von Steinbildwerk und Inschriften fand 
man u. a. 1832 eine Inschrift, worin der Name 
der römischen Stadt Rottenbnrg a. N. vor 
kommt: Dem Gott Mercurins Visucius und 
der heil. Visucia hat Publius Quartionius 
Secundinus, Gemeinderat der Stadtgemeinde 
von Lumaloeonna, u. s. w. Auch ein Teil der römischen Gräber wurde schon aufgedeckt. 
Die Aussicht von der früheren Stadtfläche, über welche jetzt überall wieder der 
Pflug geht, aus die nahe schwäbische Alb ist so großartig als entzückend. 
Fast der ganze Albrand vom Hohenstaufen bis zum Hohenzollern konnte von 
Köngen aus durch Feuerzeichen zu den Waffen gerufen werden. Römcrstraßen 
lausen von Köngen nach allen Richtungen. Einige besonders wichtige sind die nach 
Cannstatt an Kloster Weil (Römerplatz) vorbei, dann die über die Filder ins 
Stuttgarter Thal über Denkendors, Nellingen, Ruith, die nach der Alb über Kirch- 
heim, Holzmaden, Voll, Gruibingen, Urspring, Launigen, eine zweite über Kirch- 
heim das Lauterthal hinauf nach Owen und über Donnstetten nach Ulm, dann in 
nordwestlicher Richtung von Köngen über Bernhansen, Vaihingen aus den Fildern nach 
Leonberg und Pforzheim, die zwei zuletzt genannten Straßen bilden die nächste Ver 
bindung zwischen dem Rheinthal und der Donau bei Ulm. 
Kragstein bei dem ehemal. Mettinger Thor 
zu Eßlingen.
        

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