Full text: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Neckarkreis (1889)

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Neckarkreis. Oberamt Eßlingen. 
gkhauen. In der Südwand des Schiffes eine Steintafel mit dem Wappen der Wernau 
in reich verziertem Vierblatt, oben steht: Anno domini M.CCCCXLVHI. 
An der Nordwand des Chors eine lebensgroße (früher liegende) Frauenfigur, 
auf einem Kiffen, mit betenden Händen, zu Füßen ein Hund; schön und klar gewandet, 
noch alten gotischen Stils. — Auf dem Boden drei unleserliche Grabplatten aus dem 
Beginn des 16. Jahrhunderts. Treffliche alte Fließe. 
Dann schöne spätgotische Predella, Christus und die zwölf Apostel (Brust 
bilder) ans Goldgrund; lange schiefe Nasen, wohl von einem Schüler Zeitbloms. 
An der Nordempore des Schiffes zwei hübschgemalte Wappen des Georg 
Christoph von Kaltenthal uff Mühlhaußen am Necar, württemb. Rat und Kammer- 
junker, 1714, und seiner Frau, geb. Schilling von Canstatt. An den Flügeln des Orgel- 
kastens zwei Ölbilder, Geburt und Himmelfahrt Christi, sehr späte Renaissance. 
An der Schiffdeckc 1710. Die runden Glasscheiben des Chors zum Teil alle 
mit verschiedenen alten Wappen, in einem ist mit Rötel geschrieben Johann Michael 
Kühner Blaser; die Schrift deutet auf die Zeit des Kirchenbaues. Spuren gotischer 
Rankenmalerei außen an der Nordseite des Schiffes. Gotisches Kruzifix mit un- 
gekreuzten Füßen. Der heil. Eusebius an der Chordecke. Die alte Burg stand über 
der Nordwesteckc des Städtchens. — Lautcraufwärts liegt lieblich bei den Uferbäumen 
im festen Kirchhof die ev. Kirche des Weilers BodelsHofen. Klein, aber in gar 
edlem, bei uns so seltenen, ganz frühen gotischen Stil; das Mauerwerk und die 
paar Maßwerkscnster zeigen, wie vornehm diese Zeit auch so kleine Ausgaben be 
handelte; alte Fließe, Leiningen'sche Grabplatten, Renaissancekelch. Kein Chor, der 
Turm neuer, im Westen. Gedrehte Emporensäule, 1663, I. M. 
Ein Schloß aus dem 16. Jahrhundert wurde 1744 abgetragen. Altteckisch, hatte 
der Ort verschiedene Besitzer; derjenige Wernau, der Wendlingen an Württemberg im 
Jahr 1545 verkaufte, zog hierher. 
Zell. (Lella (229.) 
Schön und erhöht gelegen an der Ausmündung des Zellerbaches in den Neckar. 
Alte große Holzhäuser, darunter eines mit 15 96 über dem Eingang. 
Die Kirche, 1877 erneuert, ist gotisch mit mächtigem frühgotischem Ostturm, 
den unten ein Rippenkreuzgewölbe mit Rosettenschlußstein überdeckt, und der außen 
von über Eck gestellten Strebepfeilern gefaßt ist. Der Kirchhof ein Castrum mit 
Blockmauer auf einer Landzunge gelegen. Die Mauer tveist in die Zeit der Hohen 
staufen; damals müssen sich dieselben im Verein mit Eßlingen in diesen Blockmauern 
hauptsächlich zum Schutz der Stadt festgesetzt haben. Ein Teil dieser festen Kirch 
höfe ging dann später an die zeitweiligen Feinde der Stadt, an die Grafen von 
Württemberg über. — Ein Ulrich von Zell ist 1229 Richter in Eßlingen. Von den 
Grafen von Aichelberg und den Staufeneck kommt der Ort 1303 f. an Kloster 
Adelberg und damit unter württembergischc Vogtei, tvas fortlvährendc Streitigkeiten 
mit Eßlingen, im Städtekrieg, 1449, die Niedcrbrennung des Orts zur Folge hatte. 
Zell bildete mit Altbach bis 1806 das Zeller Viertel des Klosteramtes Adelberg
	        

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