Title:
Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Neckarkreis
Creator:
Paulus, Eduard
Shelfmark:
2Kb 939-Text,1
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/393080226_1889/416/
Obrramk Marbach. 
Der Mittellauf des Neckars zwischen 
Cannstatt und Besigheim, wo sich in weit 
ausholenden Hufeisenbögen der Fluß durch 
den Muschelkalk hindurch drängt, ist reich 
an malerischer Schönheit. Burgen hangen 
an den Felskanten, die Städtchen und die 
festen Dorfkirchhöfe sind selbst wieder bnrgcn- 
artig. Aber die einst vielbefahrene Schiffer 
gegend wurde vom Verkehr verlassen. Still 
und weich rinnt der bläuliche Fluß zwischen 
Kalkfelscn und hohem Uferdickicht durch das 
sonnige Thal. Aus der Blätternacht ertönt 
im Mai der Gesang zahlreicher Nachtigallen; 
Wildrosenbüsche in hohen Bögen schwanken 
über das glühende Gestein mit flammenden 
Blüten; seuchtglänzender Epheu kriecht in 
den Weinbergen und ummantelt ganze 
Mauern und die höhlenartigen Steinhäuschen 
der Weingärtner. Meist pseilerlose, bedeckte 
Holzbrückcn, sog. fliegende Brücken ver 
binden die User. Es ist ein Stück Rhein 
oder Main im kleinen, leider viel zu wenig 
durchwandert. Auf der Höhe sind Ausblicke 
an die Keuperberge und bis an die fern 
liegende Alb. Einer der größten Geister 
unseres Volkes, Friedrich Schiller (1759 
bis 1805) trat aus diesem Thale hervor. 
Als Kulturmittelpnnkte erscheinen neben 
Marbach die Klöster Oberstenfeld und Stein 
heim a. d. M., dann Großbottwar und 
die gewaltigen Burgen über den Thälern 
des Neckars und der Bottwar. 
Altertümer. 
Als frühere Ringwälle und zugleich 
heilige Berge steigen auf der Lemberg 
bei Affalterbach vereinzelt aus dem Acker 
hochland rechts des Neckars, dem Hohen 
Asperg genau östlich gegenüber, dann ini 
Bottwarthal der Wunnenstein, genau 
nördlich, und in derselben Entfernung vom Lemberg wie der Asperg. 
Marbach nach Merlan. 1643
        

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