Title:
Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Neckarkreis
Creator:
Paulus, Eduard
Shelfmark:
2Kb 939-Text,1
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/393080226_1889/498/
Plieningen. 
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Der Ort, welcher 1287 niedergebrannt wurde, kam mit dem abgegangenen 
Diemarsweiler, mit Sielmingen und Waldenbuch 1363 von den Nrslingen an 
Württemberg. 
'ALieningen (Blieningen um {20^). 
Großes Dorf mit Holzhäusern, rechts über der Kersch gelegen. Romanische 
ev. Kirche zum heil. Martin, mit gotischem Chor 1493. (K.) An den Langseiten des 
Schiffes schöne Blendarkaden mit Rundbogenfries, der in Konsolen, Tier- oder 
Menschenköpfen endigt. Darüber an der Untenseite der wcitvorspringenden Hängeplatte 
des Dachgesimses merkwürdige Darstellungen aus dem alten Testament u. s. >v., der 
heil. Martin, mit dem Bettler den Mantel teilend, Simson mit dem Löwen, ein 
Mann vor einer Sphinx, ein Mann mit großem Hammer, wohl der Baumeister. 
Schöues Quaderwerk, mit seiner Leiste (attische Basis umgekehrt) oben: Hirsauer 
Schule. Die Kirche gehört zu den besten und klarsten romanischen Dorfkirchen. Zierrat 
und Gliederungen fein und höchst wirksam, z. B. die Widderköpfe und die mit scharfen 
Knollen umhülsten Füße der Wandsäulchen. An der Südseite waren einst fünf Rund 
bogenfenster in der Höhe und ein halbrundes Tympanon über dem Haupteingang; 
die Anlage erinnert einigermaßen an die große einschiffige Basilika des Klosters Reichen 
bach an der Murg, welche 1083—1085 von Abt Wilhelm dem Seligen in Hirsau 
erbaut wurde. Die Skulpturen haben übergroße Köpfe. 
Der wohlerhaltene spätgotische Chor, 1493 innen über dem Bogen, hat ein 
schönes Netzgewölbe, mit sigurierten Schlußsteinen und Konsolen; aus letzteren Engels 
brustbilder mit den Marterwerkzeugen, St. Michael, Seelen wägend, ein Schalks 
narr u. s. w. Breiter romanischer Triumphbogen mit geschachten Kämpfern. Hübsche 
Sakristei, nördlich am Chor, hoch, auch uetzgewölbt, mit Sakramentsnische. Schöner 
spätgotischer Kruzifixus, lebensgroß. Schöner achteckiger spätgotischer Taufstein. 
Die Jahreszahl 1517 mit ^ über der an der Südwand angebrachten Chor 
thüre. Turm frühgotisch, unten tonnengewölbt, großes übereckragendes hohes grün 
glasiertes Achtecksdach; er hatte vielleicht einst im zweiten Geschoß eine Empore; am 
Westportal 1518. An den Schlußsteinen des Chors finden sich folgende, auch in 
Bebenhausen vorkommende Bildhauerzeichen: 
In der Nähe der Kirche zeigt man noch Reste des ehemaligen Bebenhäuser 
Pfleghofs (Mönchhofs). 
Ortsadel vom 12. Jahrhundert an, im 17. erloschen; berühmt der Humanist 
Dietrich von Plieningen, gestorben 1520. Wappen: in Gold ein schwarzer Pferdsrumpf, 
s. bei Klein-Bottwar. Die Burg wurde 1288 von Kaiser Rudolf zerstört, der Ort 
von den Städtern 1449 abgebrannt. Hauptbesitzer war Kloster Bebenhausen, Würt 
temberg erhielt die Gerichtsbarkeit erst 1478, die Kirche durch die Reformation.
        

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