Title:
Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Neckarkreis
Creator:
Paulus, Eduard
Shelfmark:
2Kb 939-Text,1
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/393080226_1889/525/
Oberamt Waiblingen. 
Der nicht große Bezirk gehört zu den landschaftlich schönsten des Unterlandes. 
Drei Gebirgsarten, Muschelkalk, Lettenkohle und Keuper, letzterer mit den von Osten 
her weit hereingreifenden Ausläufern des Welzheimer Waldes, machen auf dem engen 
Raum die Landschaft so wechselvoll. Die Rems, von Osten kommend, fließt im breiten, 
von weichen Keuperbergen besäumten Thal bis Waiblingen und wühlt sich von da, 
nordwestlich strömend, in tiefen mäandrischen Bögen durch Muschelkalkfelsen bis Neckar 
rems am Nordwestrande des Bezirkes, Ivo sie in das ähnlich tiefein gerissene, nord 
wärts strebende Neckarthal einmündet. Zu Seiten beider Flüsse die fruchtbare Letten- 
kvhlen-Ebene mit freien Blicken ringshin, gegen Abend an den Stromberg und davor 
an den frei, „wie ein riesiges Hünenmal" aufsteigenden Asberg, gegen Morgen an 
die in weitem Bogen gereihten Ausläufer des Welzheimer Waldes. Unergründlich ist 
die stille Schönheit dieser Thäler, Buchten, Hügel, Schluchten und Berghöhen, mit 
ihren raschen, oft fern aus den. Bergen hervorkommenden Bächen, daran Erlen und 
Obstbäume im sanften Wiesengrund. Als Mittelpunkt erscheint hier die zweite Stadt 
des Bezirkes, Winnenden; von ihr aus lausen nach Süden und Osten jene verbor 
genen Thäler und Thalbuchten aus; südwärts nach Hanweiler, ostwärts nach Oppels 
bohm, sich in den Kern der Berge verlierend — und diese mit ihren Weinhalden und 
Waldhäuptern über Sandsteinfelsen gewähren die sonnigsten Ausblicke an die Alb, ins 
Remsthal und in die Thalbildungen um Stuttgart. 
Auch an Werken der Kunst ist der Bezirk reich, wiewohl viel Herrliches für 
immer verderbt worden ist; denn kaum sind über einen Bezirk so viele und so schreckliche 
Kriegsdrangsale, bis auf den Grund austilgend, gegangen. Besonders Waiblingen 
selbst, an der breiten, von Osten, von den Donauländern herführenden Heergafse des 
Rcmsthales gelegen, hatte in alter und neuerer Zeit des Entsetzlichen in schwerer 
Fülle zu dulden. Aber die vortresiliche Lage der Stadt, dazu die so fruchtbare llm- 
gebung mit ihrem, auch treffliche Backsteine liefernden Lehmgrund, läßt sie immer wieder 
emporkommen. — Wie schön auch der Holzbau in diesen Gegenden war, zeigt noch 
das von den Weltstürmen so ziemlich verschont gebliebene, abseits im südlichen Zipfel 
des Bezirks, im engen Bachthal gelegene Strümpfelbach. Aus den Fclshängen des 
Neckars wuchsen einst Burgen und Schlösser, auch hievon stehen noch malerische Reste.
        

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