Title:
Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Neckarkreis
Creator:
Paulus, Eduard
Shelfmark:
2Kb 939-Text,1
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/393080226_1889/547/
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Neckarkreis. Oberamt Weinsberg. 
Weinsöerg, Oberamtsstadt (wines, winisberg). 
Die Stadt ist zum Teil nach ummauert von der alten hohenstaufischen Block- 
mauer, auch die Kirche zum heil. Johannes d. T. ist in die Befestigung mit herein 
gezogen und ebenso die hoch oben thronende 
Burg „Weibertreu". Die ev. Kirche erscheint 
als eine dreischiffige romanische Basilika mit 
Ostturm, an den ein spätgotischer Chor ange 
baut ist (K.). Der romanische Stil tritt hier in 
stolzer Fassung mit wohldurchgebildeten Gliede 
rungen und reicher Ornamentik auf; besonders 
schön das hohe rosettenartig verschlungene Ge 
wölbe im Turm, in reichstem spätromanischem 
Geschmack. An seiner Südseite das „Pfaffen 
loch", eine Art kleiner Krypta, mit noch er- 
0 qui terrenis inhias homo desipuisti. Bis 
quid in obscenis gaudes. Cole numina cristi. 
T conradus. Letzteres Wort höchst wahrschein 
lich der Nanie des hervorragend begabten 
Weinsberg. Turm der Stadtkirche, 
Achtecksgeschoß. 
Baumeisters. Im Innern Säulen- und Pfeilerwechsel und reichverzierte Würfelknäufe. 
Die Seitenschiffe setzten sich einst, den Tnrmchor flankierend fort und endigen in 
schöngewölbten Altar-Kapellen. Der mächtige Ostturm geht schon im ersten hohen 
Geschoß ins Achteck über, ist außen reich verziert, innen von jenem genialen, in 
einem Kreis mit Rosettenschlußstein sich verschlingenden, achtrippigen Gewölbe auf 
Ecksäulenbündeln übersprengt; ebenso kraftvoll schön ist der dreimal sich abtreppende, 
mit Strecksäulen besetzte, hohe, spitze Triumphbogen behandelt. Der Boden des 
Turmchors war früher erheblich höher. Der vieleckige spätgotische Chor, eine hohe 
lichte rippenkreuzgewölbte Halle, (auf einem der Schlußsteine ein Mann mit einem Stein-' 
metzzeichen) stößt in nicht hohem Spitzbogen, ziemlich roh, an den alten herrlichen 
Turmchor, von dem in der Höhe drei Ostfenster in das Freie gehen, während über 
seinem Triumphbogen eine Arkadenstellung auf Doppelsäulchen die Mauer innen durch 
bricht. — Im gotischen Chor steht jetzt der romanische, an den Ecken von Säulchen 
gefaßte steinerne Altartisch. Die Kirche ist zugleich als ein Denkmal anzusehen für 
den Sieg des Hohcnstaufenkönigs Konrad III. über Herzog Welf VI. im Jahr 1140, 
der mit Eroberung der Burg Weinsberg endigte — und es wurde wohl bis in 
den Ansang des 13. Jahrhunderts daran gebaut. 
Die Weinsberger Kirche, sowie der Turm der Deutschordenskirche im nahen 
Heilbronn, gehören zu den wertvollsten Überbleibseln der Hohenstaufischen Baukunst, 
wie wir dieselbe so rein nur wieder um den Hohenstaufen her ffnden. Schon 
der Grundriß ist höchst eigenartig, eine Basilika mit Pfeiler- und Säulenwechsel, die 
im Osten in drei quadratische gewölbte Chöre mündet, über dem mittleren, bald acht 
eckig werdend, der Turm. Es ist hier alles vertreten, was den Hohenstaufenstil
        

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