Full text: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Neckarkreis (1889)

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Rückblick. 
bronn, Schwaigern zeigt noch einiges in der Spätgotik, und Eßlingen um den Chor 
der Frauenkirche; Stuttgart den herrlichen Kreuzberg, Ölberg, hinter dem Chor der 
St. Leonhardskirche, die zierliche Empore Ulrichs des Vielgeliebten, 1479, in der Spital 
kirche. — Außerdem stehen in manchen Kirchen noch reiche spätgotische Sakraments 
häuschen und Taufsteine. — Würdig eröffnet die Reihe der Grabdenkmale mit Stand 
bildern die Stiftskirche zu Stuttgart, mit dem von Ulrich dem Stifter und seiner 
Gemahlin. Dann — Eßlingen und Heilbronn versagen hier — in den Kirchen 
zu beiden Seiten des Neckar, von Köngen an bis nach Kochendorf herunter, wir 
nennen nur Aldingen, Beihingen, Geisingen, Hemmingen, Heutingsheim, Schwai 
gern, Schwieberdingen, Stammheim, Unterriexingen, Winnenden, Denkendorf. 
Von der Holzbildnerei an Altären hat sich doch von Cannstatt abwärts, rechts 
und links des Flusses, noch manches herzerquickende Werk erhalten, wie die Hochaltäre 
zu Mühlhausen a. N., Winnenden, Klein-Bottwar, Bönnigheim, Stockheim, Besigheim, 
Heilbronn, letzteres Werk das wertvollste von allen. Romanischer Crucifixus in der 
Franenkirche zu Unterriexingen, früher in Ertingen O.A. Riedlingen. Im Museum zu 
Stuttgart zwei große und sehr frühe Holzstatuen, Maria und Johannes, aus Murr 
hardt. Häufig sind überhaupt noch ergreifende Crucifixe, vom 13. bis ins 16. Jahr 
hundert. Die Bilder des gekreuzigten Erlösers, dieser tiefsinnigsten und edelsten Gestalt 
in der Kunst der Menschheit, zeigen, wie auch in schwächeren Kunstzeiten ein solcher 
höchster Gedanke den Künstler über sein eigenes Sein emporhebt. Welch ein Reich 
tum geisterfüllten Lebens, verheißungsvoller, schmerzverklärter himmlischer Schönheit 
ist oftmals ausgegossen über dieses im Tod sich senkende gottmenschliche Haupt! 
— Chorstühle in den Klöstern Maulbronn und Denkendors, in der Spitalkirche 
zu Stuttgart, Stadtkirche zu Eßlingen und in manchen Dorfkirchen. Besonders 
reizende Flachschnitzereien gingen von den Klöstern aus, von Maulbronn, und 
ganz hervorragend von Bebenhausen und Hirsau, beide letztere schon im Schwarz 
waldkreis. In der Stiftskirche zu Backnang zwei flachgeschnitzte Sakristeikästen ersten 
Ranges. 
In der Renaissancezeit strahlt in der Steinbildhauerei von Heilbronn und vor 
allem von Stuttgart, bis in den dreißigjährigen Krieg hinein, vergl. bei Brackenheim 
S. 112, mächtige Kraft aus; hievon noch viele Proben in Stadt- und Dorskirchen 
in fast unerschöpflichem Reichtum. Und endlich, als ein Wiederschein klassischer Schön 
heit, steigt am Rande des vorigen und am Anfang dieses Jahrhunderts die Bild 
hauerei mit großen Namen in Ludwigsburg und Stuttgart glänzend herauf. 
Malerei. 
In der Tafelmalerei ist der Ausfall am empfindlichsten. Einiges im Museum 
in Stuttgart, z. B. der Altar von Lichtensteru; dann ein Altar zu Murrhardt, der 
schöne Altar zu Stetten, O.A. Cannstatt, einige zu Mühlhausen a. N., darunter aus 
der böhmischen Schule, 1385. Der Altar zu Tiefenbronn (schon im Badischen) von 
Lucas Moser von Weil d. St., 1431, hochwichtig für die Entwicklung der schwäbischen 
Malerei, aus Kölner Einflüsse zurückgehend. Tafelbilder zu Ehningen bei Böblingen,
	        

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