Full text: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Neckarkreis (1889)

: 
44 
Neckarkreis. Stuttgart Stadt. 
Gott laß vom Hermon her die Segensströiiic fließen, 
er schütt des Himmels Thau aufs gantze gut nun aus, 
Er woll wann's nöthig ist mit Regen eS begießen, 
davor soll folgen Dank von meinem gantzen Haus. 
Auch un ulten Häusern der Stadt begegnen wir noch sinnvollen Sprächen, so 
steht in der Gaisgasse an einer Konsole mit dem Brustbild eines Kriegers, im Stil 
des Lusthauses, ans der von demselben getragenen Tafel: 
Ach Got, wie geht es immer zuo, 
Daß der mich haßt, dem ich nix thuo, 
Die mir nix ginnen und nix geben, 
Doch miesen sie leiden, daß ich lebe. 8. L. H. 
An Haus Nr. 15 in der Hauptstätterstraße: 
Was trauerst doch, 
Gott lebet noch. 1706. 
An einem Haus in der Holzstraße: 
Gottes seegen machet reich ohne müh. 
An dem S. 38 genannten ehemaligen Sickschen Haus in der Königsstraße: 
8io siti laetantur lares. 1788. 
Von Baumeister- oder Bildhauerzeichen führen wir außer den schon 
erwähnten noch an (s. S. 40): 
An einem Thor der Hospitalgebäude in der Hohenstraße D. H. 1565. An 
der Ecke der Rosen- und Eßlingerstraße V. R. 1572. An Haus Nr. 11 der 
Gymnasiumsstraße, auf einem Holzschild oben im Giebel I. B. 1575. An Haus der 
Rothebühlstraße Nr. 43 Z. V. 1598. An einem Haus der Marktstraße, wohl 
eine Hausmarke, B. 8. 1636. Am Haus der Rosenstraße Nr. 22 J. H. 1683, einst 
Wohnung des Johannes Heim. Sein Name und Zeichen auf zwei Steinen von 
Weinbergmauern im Sonnenberg: Stists-Werk-Maister Johanes Heim, 1687 und 
1688. Sodann befindet sich an der Galgensteige, links beim Hinausgehen ein Stein 
mit verdorbenem Steinmetzenschild: An Gottes Segen ist alles gelegen. Mathias 
Heim Steinmetzenmaister N. H. 1714. 
Von den Kirchhöfen beherbergt der große, jetzt abgegangene Hoppeulau- 
sriedhof (1626—1880) an der Nordseite der Stadt, zahlreiche und erhaltungswürdige 
Denkmäler, von der Mitte des vorigen Jahrhunderts bis ans die neueste Zeit, welche 
in merkwürdiger Vollständigkeit die verschiedenen Stilwandlungen und Kunstbestrebungen 
des Rococv, des ersten französischen Kaiserreichs, des Klassicismus, der Gotik, der 
italienischen und jetzt wieder der deutschen Renaissance zeigen. Nicht ohne Rührung 
schaut man im Schatten starrer dunkelfarbiger Nadelhölzer oder tief herabwallcnder 
Weidenbäume diese langsam verwitternden Grabdenkmäler, in denen so mancher edle und 
lichte Gedanke aus früheren, scheinbar überwundenen Zeiten noch fortlebt. Siehe die Abb. 
S. 10, hier das Grabmal des Hoskammerrats Joh. Daniel Sick, ß 1801, und seiner Frau, 
ß 1800, dann S. 42 und S. 45.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.