Title:
Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Schwarzwaldkreis
Creator:
Paulus, Eduard
Shelfmark:
2Kb 939-Text,2
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/393080226_1897/248/
Oberamt Reutlingen. 
^)er Bezirk gehört landschaftlich, geschichtlich, sowie in Kunst und Altertum, zu 
den allerwichtigsten. Die schwäbische Alb tritt mit seltener Großartigkeit herein und 
schiebt bis an die Hauptstadt des Bezirks die hochaufstrebende Achalm, heute noch 
die Trümmer der großen Burg der Grafen von Achalm tragend, heran. Ergreifende 
Sagen von längst vertriebenen Göttern und Gottesdiensten kleben noch um die starr 
und hoch ins Unterland hinausschauenden Kalkfelsenhäupter und lassen ans den noch 
höher gelegenen einsamen halbwilden Heiden und „Mähdern", das sind mit einzelnen 
alten prächtigen Bäumen bestandene Hochwiesen, die alten Asengötter im Wolkensturni 
vorbeifahren. Aber auch nahe bis an unsere Zeit hat sich die Sage hereingesponnen 
und umhaftet noch die malerischen Felsen und Zinnen des „Lichtensteins", taucht 
in die Tiefen der nahen großartigen Nebelhöhle, festgehalten durch den Dichter 
Wilhelm Hanfs, geboren in Stuttgart am 29. Nvv. 1802, ß daselbst am 18. Nov. 1827. 
Eben diese Höhlen führen auch zurück auf die urälteste Zeit des Menschentums, 
besonders mit der Erpfinger, die eine wahre Grabkanimcr von der ältesten Steinzeit mit 
Höhlenbären- und Menschenresten bis zu den Alemannen darstellt. Ringwälle 
sind bei Willmandingen die Heidcnburg, bei Genkingcn die Burg, bei Mariaberg 
die Altenburg, und der alte „Lichtenstein". Opferstätte tvar jedenfalls der Georgen 
berg bei Reutlingen, die Achalm wohl beides, Ringburg und heiliger Berg. Zahl 
reiche Grabhügel bei Groß-Engstingcn, Holzelfingen, Willmandingen und beim Lichten 
stein. Reichste Funde an Bronzewerk und verzierten Gefäßen, besonders aus der 
Engstinger Heide. Schon der Erbauer des Lichtensteins und Gründer des württem- 
bergischen Altertumsvereins, Graf Wilhelm von Württemberg, Herzog von Urach, 
hat daselbst umfassende Ausgrabungen vorgenommen; die prächtigen Funde, lange 
Zeit aus Burg Lichtenstein, sind jetzt von der Familie des Herzogs in der K. Staats 
sammlung in Stuttgart in hochherziger Weise ausgestellt. In unseren Tagen sind dann 
durch Johannes Dorn auf Weiler Haid bei Groß-Engstingen ähnlich reiche Funde 
in die Staatssammlung gekommen und zuvor schon durch ß Seuatspräsident v. Föhr. 
Näheres s. unter Oberamt Urach. 
Die mittlere schlväbischc Alb ist so recht der Mittelpunkt für jene großen Pracht 
gefäße der Grabhügel mit ihrem höchst geschmackvollen, vielfarbigen, eingedrückten und 
eingeschnittenen Zierat, in dieser Schönheit fast einzigartig dastehend. Die meisten 
Verzierungen sind mit einem scharfen Hölzchen aus dem Thon aus freier Hand kunst 
voll herausgeschnitten, weshalb auch kein Gefäß dem anderen gleich ist. Die Größe, 
sowie die glänzende Ausführung der Gefäße läßt auf eine längere Seßhaftigkeit, sowie
        

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