Title:
Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Schwarzwaldkreis
Creator:
Paulus, Eduard
Shelfmark:
2Kb 939-Text,2
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/393080226_1897/25/
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Schwarzwaldkreis. Oberamt Balingen. 
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linken Seite des Eyachthals, der nur an einer Stelle über Felseustaffeln mühsam zu er 
klimmen ist. Der ganze Berg ist bedeckt mit Kohlen, Tierknochen, Scherben von 
allen Sorten und großen Thonperlen, auch Bronzegegenständen. Am Rand gegen 
Balingen hin scheint ein römisches Heiligtum gestanden zu haben, man sand dort 
römische Ziegel und Siegelerdescherben. An derselben nach Norden schauenden Seite 
des Berges zieht unterhalb der Felsen ein schöngeebneter breiter Absatz umher, worin 
eine große Trichtergrube. Auf der höchsten Stelle des Berges, gegen Nordwesten 
erscheint eine von Menschenhand hergerichtete Plattform, von welcher zum Teil große 
Stücke künstlich abgesprengt worden sind und zum Teil in die Tiefe stürzten. Das 
geschah wohl bei der Christianisierung der Umgegend. Ohne Ziveifel konnte der Berg 
in Zeiten der Not auch als Verteidigungsplatz benützt werden, seine Hauptbestimmung 
scheint aber, besonders wenn inan ihn mit dem nur eine Stunde entfernten Gräbeles- 
berge vergleicht, die einer Opferstätte gewesen zu sein. 
Zahlreiche Grabhügel bei Balingen, Bitz, Bronnhaupten, Geislingen, Hossingen, 
Truchtelfingen, Winterlingen, mit schönen Gegenständen aus der Bronzezeit und mit 
vielen verzierten Gefässen. Zwischen Burgfelden und Pfeffingen wurde im Mai 1885 
ein aus hundert Stück bestehender Bronzefund gemacht, mit ganzen und zerbrochenen 
Gegenständen, wie Sicheln, Messer, Schwerter, Trompeten, Ringe, Kelte, auch noch 
unverarbeitete Bronzeklumpen. Bei Winterlingen geschah schon im Jahr 1609 ein 
Kelt- und Sichelfund (LI). Ganz nahe der Stadt Balingen liegt auf der westlichen 
Anhöhe der mit einer Linde besetzte Hexenbühl, weitere Grabhügel im Binsenbohl. 
In einem der letzteren fand sich eine künstlich bearbeitete, 3*/s> Fuß lange Platte aus 
ganz feinem Sandstein, auf der viele sich durchschneidende Linien scharf eingerissen 
sind. — War es der Opferstein eines weissagenden Priesters? 
Römisches. Wohnplätze zeigten sich bei Ebingen, Erlaheim, Geislingen, 
Lautlingen, Unterdigisheim und Winterlingen. Eine Römerstraße lief von Rotten- 
burg über Hechingen nach Balingen, Schömberg, Rottweil. Eine andere von Balingen 
über Hossingen nach Meßstetten, Straßberg, Winterlingen. Bei Hossingen und Winter 
lingen wurde im Jahre 1892 das Straßenpflaster freigelegt. Ein uralter Weg lief 
von Süden her, zwischen Lautlingen und Ebingen, gerade auf der europäischen Wasser 
scheide, zwischen Donau- und Rheingebiet, quer über das Eyachthal, als auf dem 
kürzesten und am wenigsten tief eingeschnittenen Thalübergang. An diesem Weg auf 
der Flur „Steinhaus" wurden schon römische Säulen gefunden, wovon eine noch 
eingemauert in dem einsam stehenden Hause Petersburg. 
Alemannische Reiheugräber fanden sich bis jetzt bei Balingen, Bitz, 
Ebingen, Endingen, Geislingen, Meßstetten, Oberdigisheim, Streichen, Thailfingen, 
llnterdigisheim und Winterlingen. Bei Balingen sind sehr reiche Gräber, in einem 
sand sich jene Scheibenfibel, auf der Rückseite mit Runen-Jnschrift, die also gedeutet 
wird: Half Danilo (seinem) Amilunge. — Das mag an die Zeit Theoderichs des 
Großen, des Amelungen, f 526, erinnern, s. auch oben S. 10. 
Wal'ingen, Oberamtsstadt. 
Balingen (im 9. und noch im 13. Jahrhundert Balgingen), beim Zusammen- 
üuß der Eyach und L-teinach gelegen, erscheint im 9. Jahrhundert im Besitz des
        

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