Obrraml Kottweil.
^Votüueis, ein uralter Platz, da, wo der jugendliche Neckar zum erstenmal aus
dem hohen, flachen, von runden Hügeln umgrenzten Keuperthal sich in engen Felsenkrümmungen
durch den Muschelkalk hindurchbricht. Hier lag wohl aus dem obersten
langen, vom Neckar umströmten Felsenhorn das alte keltische Brigobanne, zu deutsch
Berghorn oder Hornberg, links des Flusses. Die geschützte Lage und daneben die
leichten Übergänge im Keuperland über das Neckar- und Primthal, verknüpfend die
Verbindungswege zwischen Alb und Schwarzwald, zwischen dem Unterland und Hochgebirg
(Schweiz) muß schon in ältester Zeit die Bedeutung dieses Platzes gesteigert
haben. Und so sehen wir, daß die Römer bereits bei ihrem ersten Vorstoß in unser
damals suevisch-keltischcs Land, als Tiberius im Jahr 15 vor Christi Geburt an die
Donanquellcn kam, hier ein großes verschanztes Erdlager für mehrere Legionen auf
der schönen breiten Terrasse links des Neckars, oberhalb des „Hornbergs" auswerfen.
Unter den Flaviern, um das Jahr 85 etwa, ersteht dann die Römerstadt aus beiden
Seiten des Neckars, links mit Kastell, rechts als Brückenkopf und auch befestigt, das
von der Prim umflossene „Hochmauern". Schon in der Römerzeit einigemal (?) in
Trümmer geworfen, blieb Rottwcil, im späteren Mittelalter bis 1803 freie deutsche
Reichsstadt, bis aus den heutigen Tag ein wichtiger Platz für heranziehende Kriegsheere,
wie es auch schwere Belagerungen durchzumachen hatte. Zu den Tagen
der Römer, im Mittelalter und später noch war cs eine blühende Stätte der Kunst,
von der viele fruchtbringende Keime ins Gebiet der Reichsstadt und weiter hinaus
gestreut wurden. Die Gegend ist ernst und herb, großkopfige Hochberge der im Süden
nahe vorbeiziehenden Alb blicken herein ans die alte vieltürmige, an Rothenburg ob
der Tauber erinnernde Bergstadt.
Der Bezirk umfaßt samt dem südöstlich anstoßenden Oberamt Spaichingen die
höchsten Höhen der schwäbischen Alb, bis über 1000 m hoch, und diese höchsten Berge,
die großartige Aussichten an die Alpen, den Schwarzwald und das Unterland gestatten,
müssen Götterberge gewesen sein; bis jetzt sind sie noch nicht erkundet, außer
dem ganz gegen das Oberamt Balingen vorgeschobenen Lochenstein, auf welchem jene
berühmte Opferstättc gewesen ist, s. o. S. 13 f. Ein Ringwall auf dem westlich vom
Lochenstein gelegenen Schafberg, auch der Plettenberg zeigt Verschanzungen. Grabhügel
sind fast über den ganzen Bezirk verstreut. Schöne Funde bei Dautmergen
und Dotternhausen (21).
Die Zahl der römischen Jnschriststeine ist bis jetzt noch gering; ein beim
Rottweiler Hochturm gefundener, den Göttinnen der Kreuzwege geweihter Altar, jetzt