Full text: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Schwarzwaldkreis (1897)

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Schwarzwaldkreis. Oberamt Rottweil. 
Stadtgraben führten, sind in feste Brücken verwandelt, der Graben größtenteils aus 
gefüllt worden. Die Befestigung der südlich gelegenen Hochbrücken-Vorstadt und die Au- 
vorstadt ist, bis auf wenige Häuser, verschwunden. An Stelle der Bastion beim Hochturm 
sind schattige Anlagen getreten. Die zum Teil in schwerem Blockverband aufgeführten 
Stadtmauern sind erniedrigt und teilweise ganz abgegangen. Der 190 Fuß hohe Hoch 
turm ist viereckig mit starken Buckelquadern und mit scharfen Eckkanten aufgeführt, seine 
Mauerdicke beträgt unten 12 Fuß. 
An den Straßen und Plätzen lagern gedrängt die, mit Ausnahme einiger- 
neuerer Gebäude, größtenteils aus dem Ende des 17. oder Anfang des 18. Jahr 
hunderts stammenden Häuser, deren meist aus Stein aufgeführte Unterstöcke häufig 
einer noch früheren Zeit angehören. Die Gebäude stehen nicht, wie in anderen 
alten Städten, mit den Giebelseiten, sondern mit den Breitseiten gegen die Straßen. 
Beinahe ein Drittel der Gebäude zieren hübsche Erker, die nicht selten über zwei und 
drei Stockwerke hinaufreichen. Sie sind teilweise an den Brüstungen mit kunstreichen 
Holzskulpüiren, Laub- und Blumenwerk, Wappen rc. reich verziert (s. auch unten). 
Die kathol. Heiligkreuzkirche steht hoch im nordwestlichen Teile der 
Stadt und stammt aus drei verschiedenen Zeiten, die sich unschwer an ihr nachweisen 
lassen. Der erste Bau fällt in den Beginn des dreizehnten Jahrhunderts, in den 
Übergang vom Rundbogen- in den Spitzbogenstil: davon ist noch erhalten das West 
portal, der das südliche Seitenschiff der Kirche unterbrechende Turm, die beiden an 
ihn stoßenden spitzbogigcn und ans drei viereckigen Pfeilern ruhenden Arkaden des 
Mittelschiffes und die unteren Teile des Triumphbogens. Die damalige Kirche war 
eine gestreckte, dreischiffige, flachgedeckte Pfeiler-Basilika; die bescheidene Ausdehnung 
ihrer niedrigen Nebenschiffe und des noch einmal so hohen Mittelschiffes, das die 
Breite des jetzigen Mittelschiffes hatte, erschaut man noch im Umriß an der West 
front der jetzigen Kirche. — Hundert bis hundertundfünfzig Jahre später wurden 
in den edlen Formen der entwickelten Gotik der das Mittelschiff der Kirche bedeutend 
überragende Chor und die nördlich daran stoßende Sakristei errichtet. Der letzte, 
den ganzen Plan der Kirche verändernde Umbau geschah sodann zu Ende des 15. und 
zu Ansang des 16. Jahrhunderts; die Jahreszahlen gehen hier von 1497—1534. 
Die Abmessungen der Kirche sind jetzt folgende: Die lichte Breite des Lang 
hauses beträgt im ganzen 94 württcmbergische Fuß (1 w. F. — 0,286 m), hievon 
kommen auf die lichte Breite des Mittel-(Hoch)schiffes 28, die lichte Breite des süd 
lichen Seitenschiffes samt den Kapellen 27, ohne die Kapellen 19, auf die lichte 
Breite des nördlichen Seitenschiffes samt den Kapellen 31, ohne Kapellen 22 F.; 
das südliche Seitenschiff ist also um 3 F., und seine Kapellen sind wieder um 1 F. 
schmäler. Ohne Zweifel verhinderte das Stehenbleiben des spätromanischeu Turmes 
(s. Grundr.) die weitere Verbreiterung des südlichen Seitenschiffes, man mußte seine 
Südmauer in die Südflucht des Turmes bringen. Die Entfernung eines Arkaden 
pfeilerkernes vom andern beträgt 18 F., die ganze lichte Länge der Schiffe 150 F. 
beiläufig, die ganze lichte Länge der Kirche 203 F., hievon kommt auf den Chor 
bei 36 F. lichter Breite eine lichte Länge (samt dem Triumphbogen) von 54 F. 
(oder lO:>x36). Wäre das südliche Seitenschiff ebenso breit wie das nördliche ge 
macht worden, so hätten wir eine äußere Breite der Kirche, welche die Hälfte der
	        

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