Full text: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Schwarzwaldkreis (1897)

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Schwarzwaldkreis. Oberamt Tübingen. 
Steinkessel. Fast lebensgroßes Kruzifix; ein schön geschnitzter Betstuhl aus spät 
gotischer Zeit, dessen Rückenlehne mit Wappen im Renaissancegeschmack übermalt ist, 
kam in die Staatssammlnng in Stuttgart. 
Am Südende des Dorfes liegt das ehemalige Schloß der Herren v. Gayern, 
jetzt in Privathänden, bestehend aus zwei altertümlichen Gebäuden, die durch einen 
Hof getrennt sind, in den ein sehr malerisches, steinernes Hofthor, ein kleiner und 
ein großer Rundbogen, dieser mit reichem Renaissanceaufsatze, führt. Im Scheitel 
des großen Rundbogens steht 1607 und ein Wappenschildchen, worauf ein Kamm. 
Das Hauptgebäude hat einen steinernen ersten Stock mit schöner, gerader, gotischer 
Stabwerksthüre gegen den Hof heraus, darüber die Jahreszahl 1579; die der Straße 
zugekehrte stumpfe Ecke ragt gegen oben weit und reich profiliert vor, um den tüch 
tigen Holzbau des oberen Geschosses zu tragen; am Gebälke dieses Stockwerks 1519. 
Nach dem Landbuch von 1623 war in Walddorf ein Nonnenkloster (Beguinenhaus), 
in welchem 1623 ein Forstknecht lvohnte; es stand am nördlichen Eitde des Dorfs 
und noch wird ein Garten daselbst der Forstgarten genannt. 
In Walddorf ist geboren der Baumeister Stefan Waid, Schwiegersohn Hans 
Böbliugers, 1487—1504. Der Ort war pfalzgräflich-tübingisch. 
An dem Hofthor des Schlosses das Zeichen des Jerg Merklin (s. Wolsschlugen). 
WcrnkHeim. 
Die Kirche steht frei im südlichen Teile des Dorfes; ihr schmuckloses Schiff 
ist 1780—81 erbaut. Der halb achteckig geschlossene Chor dagegen zeigt schlichte, 
spätgotische Strebepfeiler und Maßwerksenster; an seinem südöstlichen Strebepfeiler 
steht das Zeichen des Baumeisters und 1497, ohne Zweifel das Jahr der Erbauung. 
Innen hat das Schiff eine flache, mit dem großen Saint Andreschen Wappen be 
malte Hvlzdecke; der Triumphbogen ist spitz, spätgotisch; der netzgewölbte Chor war 
einst bemalt, seine Schlußsteine zeigen den Georgenschild und den der Herren von 
Ehingen. Kruzifix aus dem 16. Jahrhundert. Grabplatten der Familie von Saint 
Andre und ein schönes Grabmal: Auf den 19 martz anno . . 23 (ohne Zweifel 1623) 
starb das edell und tugentsam junckhsrauwlin Fronica Megentzrin von feldorff. Gut 
gemaltes Ölbild der Sophia Maria Frau von Hohenfeld, geb. von Stockheim, 1737. 
Die Sakristei hat im geschweiften Bogenfeld ihres Einganges das Ehingewsche 
Wappen und wird von einem gotischen Rippeukrerrzgewölbe bedeckt, auf dessen Schluß 
stein ein altertümlicher Christuskopf; auch hier schiminert alte Bemalung durch die Tünche. 
WerlHeim (lvilon im Jahrhundert). 
Die ev. Pfarrkirche ist spätgotisch, mit vieleckigem, von Strebepfeilern gestütztem 
Chor und schwerem Westturm. An einem Strebepfeiler des Chors 1499 und über dem 
südlichen spitzbogigcn Eingang in das Langhaus 1514. Das Innere des Schiffs hat 
eine flach getäfelte Holzdecke, in den Schnittpunkten der Stäbe sitzen Rosetten und die 
Wappen von Württemberg, der Stadt und des Spitals Tübingen. In der Mitte der 
ursprünglich bemalten Decke erhielt sich ein Gemälde, Christus, Weltrichter, auf dem 
Regenbogen thronend lind dabei die Jahreszahl 1530. Ein spitzer Triumphbogen führt
	        

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