Full text: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Schwarzwaldkreis (1897)

Aichhalden. Altbulach. Altburg. 
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iier gemartert, da man das Geständnis verborgener Schätze von ihnen erpressen wollte. 
Während die Wüteriche Wachen ausstellten, um die Bewohner am Fliehen zu verhindern, 
steckten sie in der Nacht vom 10. auf den 11. (20. auf den 21.) Septbr. die Stadt und 
die Vorstädte in Flammen. Dennoch entkamen viel, indem sie mit Lebensgefahr über 
die Mauern sprangen und sich an Seilen herabließen. Die Wut der Soldaten aber 
verfolgte die Fliehenden bis in die benachbarten Wälder und Schluchten. Es wurden 
von den damaligen 3821 Einwohnern 85 Personen, zum Teil hochbetagte, getötet, 
200 verwundet; die Zahl der im Feuer umgekommenen konnte nicht ermittelt werden. 
Die ganze Stadt innerhalb der Stadtmauer samt den Vorstädten, im ganzen 450 Ge 
bäude, nur ein „kleines Scheuerlein" ausgenommen, wurde ein Raub der Flammen; 
selbst die einzeln stehende Gottesackerkirche wurde verbrannt. Nur die äußere Vorstadt 
mit 100 Häusern wurde gegen Erlegung einer Brandschatzung von 5000 fl. verschont, 
aber auch sie ein paar Wochen darauf durch eingedrungene Villinger nochmals hart 
mitgenommen. Obdachlos, wie die meisten Einwohner wurden, erlagen 772 Personen 
im Jahre 1635 ansteckenden Krankheiten: die Zahl der 602 Bürger schmolz aus 400 
herab, selbst die Reichsten versanken in Dürftigkeit. Joh. Valentin Andreä, welcher 
— eine große Leuchte der Württembergischen Kirche überhaupt — von 1620 bis 
1639 als Dekan in Calw segensreich wirkte, war vor dem Eindringen des Feindes 
in die Gegend von Neuweiler geflüchtet; um Wiederemporbringung der nur langsam 
aus der Asche erstehenden Stadt, bei deren Brande er selbst sein Vermögen, wichtige 
geschichtliche Handschriften und wertvolle Gemälde verloren hatte, durch Rat und 
That, durch Beibringung von fast 10,000 fl. milder Beiträge rc. erwarb er sich große 
Verdienste. Durch Andreä und durch den beim Brand in Calw zurückgebliebenen 
dortigen Präzeptor Luz (ff 1669. Haug, Schwüb. Magaz. 1776, 562 ff.), welcher 
durch seine Kenntnis mehrerer Sprachen den verschiedenen Nationen unter den Sol 
daten imponierte und an Andreä unmittelbar nach der Zerstörung Calws Bericht 
erstattete, kennt man die nähern Umstände. 
Aichkcrlden. Filial von Zwerenberg. 
Die gotische ev. Kirche, früher Wallfahrtskirche, mit Ostturm, besitzt ein alt 
deutsches Tafelgemälde, den heil. Georg darstellend, und drei spätgotische Holzbilder. 
Abtbul'clch. 
Ev. Kirche, mit zum Teil noch romanischem Schiff und mit spätgotischem, 
schönem, netzgewölbtem Chor; die Nippen auf Fratzenkonsolen, die Schlußsteine zeigen 
Madonna, Christuskopf, drei Nägel und die Dornenkrone. Gotisches Wandtabernakel 
mit dem Schweißtuch. Alte Grabsteine aus dem Jahre 1366 und 1393, letzterer 
von der hiesigen Nonne Irmengard: Anno domini M°CCC nonagesimo tercio obiit 
Irmengardis inclusa Altbuolacensis. — Eine romanische Thürlunette mit Kreuz ist 
im Schiff eingemauert. Abgegangen ein Beguinenhaus. 
Alllbrrug (Altpuren (075). 
Die gotische ev. Kirche, mit Westturm, bietet mit ihrem Inhalt noch ein echtes 
Bild aus dem Mittelalter. Das Schiff hat eine gotisch geschnitzte Holzdecke, deren
	        

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