Full text: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Schwarzwaldkreis (1897)

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Schwarzwaldkreis. Oberamt Calw. 
breite des Langhauses 54 römische Fuß. Mit dem offenen Vorhof, von dem noch 
Andeutungen vorhanden sind, lvürde die Länge auf etwa 190 römische Fuß wachsen, j 
so daß Langhausbreite zur ganzen Länge wie 7 : 2 sich verhielte. 
Querschiff 4 x 18 — 72, 
Breite des Langhauses 3 x 18 = 54, 
Gesamtlänge 8 x 18 = 144, 
also Langhausbreite zum Querschiff wie 3 : 4, zur Gesamtlänge wie 3 : 8. 
Die lichte Länge des Chors bis zum Apsidenschluß mißt zweimal die l. Qner- 
schiffbreite. Die Ostpartie mit den drei weiten Npsidenhalbrunden ist großartig ent 
wickelt, wohl als Heiliggrabkirche. 
Zu seiten des Chors der Peterskir che liegen Kapellen, links die Allerheiligen 
oder Riesenkapellc, auch in Trümmern, in schönen Quadern, aus der besten gotischen 
Zeit; rechts die Marienkapelle, spätgotisch, von der Größe einer Dorfkirche und längst 
auch als solche ev. Dorfkirche benützt, in den letzten Jahren mit großen Kosten 
durch Obcrbaurat v. Sanier geschmackvoll erneuert und im Westen erweitert. Ihr 
herrliches Netzgewölbe wurde wieder eingezogen; es ruht aus Wanddiensten mit den 
noch alten, geistvollen Brustbildern der Apostel. An der Nordwand die Inschrift- 
tafel: Anno domini 1508 sub E. D. P. Johanne Abbate V Cal. July jacta sunt 
huius templi fimdamenta magistri Martini ex Urach latomi opera. Sein Meister 
schildchen innen an der Südpforte. 
Über der Kirche der noch ganz erhaltene Bibliotheksaal mit Holzdecke und flach 
geschnitzten Leisten, von reichster Erfindung, zum Teil noch mit der alten Bemalung 
und mit den ebenso behandelten zahlreichen, zinnenbekrönten, offenen Bücherschränken, 
zwei davon jetzt in Stuttgart (M). Hier sind auch die ausgegrabenen Bruchstücke 
ausgestellt, die von der Gründung des Klosters bis zur Reformation gehen und für 
sich selbst wieder ein kleines Museum bilden. — Erhalten sind auch noch einige alte 
Grabplatten, so die des Abtes Vollmar, st 1175, des Abtes Gottfried I., st 1300, 
sowie die zwei spätgotischen Gedenktafeln des Bischofs Aurelius und des Grafen 
Erlafrid von Calw. Noch eine prächtige Grabplatte des Abtes Johann II., des 
Erbauers der Marienkapelle, st 1524, schon in der beginnenden Renaissance. 
Südlich an der Kirche der große, auch in Trümmern liegende Kreuzgang, in 
der Nordostccke noch mit frühromanischer Arkadenstellung gegen den ehemaligen Kapitel- 
saal hin, sonst spätgotisch, 1485—94 erbaut von den Baumeistern Peter von Coblenz, 
Martin von Urach und den in badischen Diensten stehenden Hans Spryß von Zaber- 
ield, s. Band I, S. 134 und 558. 
Die Mauern stehen noch bis über die mit schönem Maßwerk erfüllten großen 
Lpitzbogensenster; bei der Wiederaufgrabung des Kreuzganges am Schluß der 
siebziger Jahre fand man im hohen Schutt viele Schlußsteine mit schönem Laub 
werk, mit Heiligen und mit dem Meisterzeichcn des Peter von Coblenz und 
seines Gesellen. Früher schon wurde im Westflügel der Meisterschild des Spryß 
von Zaberfeld und des Abtes Blasius, 1493, ausgegraben (M.). Die übrigen 
Iptütfe sind in der Bibliothek in Hirsan aufbewahrt. Der Nordflügel und Ost- 
rlügel, 1490 91, war das Werk des Peter von Coblenz, der Südflügel, 1485—89,
	        

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