Full text: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Schwarzwaldkreis (1897)

Hirsau. 
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das des Martin von Urach, den man Wohl erkennt ans seinen vollen, sich 
weithin kreuzenden Rundstäben. Der Westflügel mußte, kaum fertig, wegen Bau 
sälligkeit wieder abgetragen werden (nach Trithcmius), und wurde daun von dem 
eben genannten Hans Spryß von Zaberfeld um 1493 aufgerichtet. Die Fenster 
waren mit herrlichen Glasgemälden erfüllt, von denen noch Reste im K. Schloß zu 
Friedrichshafen. Vom Südslügel sprang die vieleckige Brunnenkapelle in den Kreuz 
garten herein, von ihr stehen 
noch die Mauern bis zur Brü 
stunghöhe. Der große dreischalige 
Brunnen kam nach Teinach, s. d. 
Es ist eines der zartesten spät 
gotischen Werke, monstranzartig 
» c, >-nL k-ä noch ei-Vial 
sich aufgipfclnd, die unterste weite 
Buntsandsteinschale von Löwen 
getragen. Man will in Hirsau 
eine Nachbildung des Brunnens, 
der stark gelitten hat, wieder auf 
richten und damit ein großes 
Werk vollbringen. 
Vom Sommerrefektorium 
sind noch die Fenster und Ein 
gänge nach dem Südstügel des 
Kreuzganges erhalten, dann hoch 
aufstrebend, noch weiter nach 
Süden, die Trümmer des her 
zoglichen Jagdschlosses, erbaut 
von den Baumeistern Georg Beer, 
Heinrich Schickhardt und Hans 
Braun seit 1592. Ganz erhal 
ten ist der im Südwesten stehende, 
achteckig werdende Eingangsturm 
mit der Jahreszahl 1592. Dann 
kommen ostwärts lange Trümmer 
mit runden Wendeltreppentürm- 
' ' ReconsVi-ucHon. nach- T.HofFm&rvn.. 
chen und endlich die vier hohen Hirsau. Ehemaliger Brunnen. 
Staffelgiebel des ebengenannten 
Schlosses, aus dem jetzt die berühmte Ulme sich emporwölbt. — Ursprünglich ist auch 
noch das Klosterthor mit Nebcnthörchen im Süden der Klostermauer, östlich daran 
die jetzt ganz veränderte Fraucnkapelle. 
Der Anblick des Klosters, oder ein Gang durch die mit Wald- und Obst- 
bäunien belebten Ruinen schafft immer wieder neuen, reinen Genuß; und wie noch 
umweht von dem frommen und tiefsinnenden Geiste des großen Wilhelm, hängt 
endlich unser Blick an dem durch ein Wunder noch ganz erhaltenen Westturme der 
einstigen Vorhalle, an seinen säulchengetragenen Rundbogenfenstern, an dem zarten,
	        

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