Full text: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Schwarzwaldkreis (1897)

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Schwarzwaldkreis. Oberamt Freudenstadt. 
Für die Römer war der Schwarzwald hochwichtig, als lange, gewaltige, im 
Winter nur auf einem Paß zu überschreitende Schutzwehr vor dem Rheinthal. Dieser 
eine Paß bei Loßburg war deshalb auch durch ausgedehnte Schanzwerke gesperrt, s. u. 
Als alter künstlerischer Mittelpunkt des fast ganz im Schwarzwald liegenden 
großen" Bezirkes erscheint am rechten Ufer der starken, laut und rasch hinrauschenden 
Murg das von Abt Wilhelm dem Seligen von Hirsau 1085 erbaute Benediktiner- 
Kloster Reichenbach, sowie das schon im Oberamt Oberndorf, an der Kinzig gelegene, 
bald nach Wilhelms Tode (1091) gegründete großartige, auch mit Benediktinern 
besetzte Alpirsbach; die frühromanische Baukunst erscheint an beiden Orten in edler 
Strenge und stolzer Formcnstraffheit, und es geschah von diesen beiden Klöstern noch 
in der spätgotischen Zeit ein lebhafter Anstoß zu Werken der Malerei, Bildhauerei 
und Baukunst, wie noch in den Dorfkirchen zerstreute Chorstühle, Taufsteine und 
(meist übertünchte) Wandgemälde verraten. — Eine späte Schöpfung aus der Renaissance, 
ein Ausläufer der in Stuttgart um 1600 so hochgestiegenen fürstlichen Kunst der 
Hochrenaissance, ist dann die Hauptstadt des Bezirks, das seit 1599, besonders mit 
Beihilfe des fürstlichen Baumeisters Heinrich Schickhardt, erbaute Freudenstadt. 
Altertümer. Der Bezirk besitzt wenige, aber höchst wichtige Werke aus der 
alten Zeit; aus der vor römischen die merkwürdige Ringmauer, Rinkenmauer auf 
dem künstlich abgeschrofftcn Rinkenberg oder „Häslerkopf" bei Baiersbronn, zwischen 
den Thälern der Murg und des Thonbachs; diese Mauer ist in länglichem Viereck 
aus großen unbehauenen, aber rechteckig brechenden Findlingsblöcken des Buntsand 
steins aufeinander getürmt, mit dem Eingang nach Westen; an dieser allein zugäng 
lichen Seite des schmalen und sehr hohen Bergrückens starren noch, unweit vor dem 
Eingang, natürliche Felsblöcke roh durcheinander, als weiteres Hindernis, empor. Die 
Befestigung findet ein großartiges Gegenbild in der berühmten Ottilienmauer bei 
Straßburg im Elsaß. Ein weiterer Ringwall liegt bei Erzgrube. Grabhügel bei 
Neu-Nuifra (LI) und Unter-Jflingen (LI), letztere mit prächtigen Ringen. 
Eben dieses Unter-Jflingen ragt nun auch hervor als ein höchst wichtiger 
Römerplatz. Auf der eine Viertelstunde südwestlich vom Ort gelegenen „Altstadt" 
sei nach der Volkssage die Stadt Rockesberg gestanden, ohne Zweifel ist es das auf 
der Peutinger Tafel angegebene Arae Flaviae, heißen doch heute noch die Fluren 
dort Vorder- und Hinter-Alt-Ara, und eine nach dem Römerplatz führende Gasse in 
Unter-Jflingen die Aragasse. Auf einem weich gerundeten Bergvorsprung gegen das 
Glatt-Thal liegt ein mit Mauern und Graben umgebenes Eirund, etwa 1000 Fuß 
lang und 500 Fuß breit. Ausgedehnte Nachgrabungen, die der Verfasser auf Staats 
kosten vor mehreren Jahren anstellte, ergaben, daß hier vom Wald überwachsen ein 
römisches Kastell liegt, das zu den größten, stärksten und noch am besten erhaltenen 
unseres Landes gehört. Die Mauern sind großenteils noch mannshoch, 6—7 Fuß dick 
cm« feinem scharfgeschichtetem Bruchsteinmauerwerk voit Buntsandstein. - Von Unter- 
Jflingen südwärts wandernd, begegnet man zuerst an einem Scitenthälchen einem 
schönen, noch wohlerhaltenen römischen Bürstel, d. h. einem künstlich aufgeworfenen 
mit Graben umgebenen Wach-Hügel, oben noch 45 Fuß im Durchmesser haltend. 
Dann führt die Ltraße langsam abwärts vor das Thor des Kastells und geht dann 
an der rechten Seite, vom Kastell überhöht, ins Glattthal hinunter. Links vom eigent-
	        

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