Kultur und Kunst in Oberschwaben im Zeitalter des Baro>, Rokoko und Klassiziömus. 21
zogen von Ulm weg nach Augsburg. In Ravensburg, dessen altberühmte Handelsgesellschaft
im 16. Jahrhundert abkam, konnte sich nur ein bescheidener Kunstbetrieb
forterhalten. Eigentlich erfreute sich nur Biberach durch sein Theaterwesen, seine
funstfertigen Bürgersöhne und nicht zulezt durch Wieland troß der „Abderiten“ eines
dauernden Ansehens; in seiner nächsten Umgebung fand man jahrzehntelang einen
Mittelpunkt für feineren geselligen Verkehr bei dem Grafen Stadion in Warthausen.
In den Nachbargebieten entwickelten rührige Kunstthätigkeit bis tief in die Spätrenaissance
Memmingen und Überlingen. =- Der reichsfreie Hochadel gab zwar seinem
Machtgefühl gerne in großen Sc<hloßbauten- Ausdru>, aber künstlerische Wirkungen
ersten Ranges wurden dabei nur in der Hochrenaissance erzielt, so auf Heiligenberg
/'1562--92). Späterhin büßte der Adel auch vielfach durch Güterteilungen an Macht
und Reichtum ein und war durch Krieg3- und Hofdienste der Heimat entrückt; die
lezten Montfort blieben im Lande, eilten aber durch verschwenderische Hofhaltung in
Langenargen und Tettnang dem Verderben entgegen. =- So waren es denn bei
weitem überwiegend geistliche Herren, welche Geld und Neigung besaßen zu weitausblickenden
monumentalen Unternehmungen. --Hier
war fruchtbarer Boden aufgepflügt für das Gedeihen einer sinnenfälligen
Kunst, für Baro> und Rokoko. Kaum waren die Wunden vom Krieg her vernarbt,
so ergriff ein wahres Baufieber die Prälaten, welche sich jetzt ein fürstliches
Ansehen zu geben wußten, sich von ihren Mitbrüdern „gnädiger Herr“ titulieren
ließen und nicht selten dem „Kapitel ihren Willen auferlegten. Eine Abtei nach
der andern, von alters mit Ringmauern verwahrt, welche auch die Ökonomiegebäude
umfingen -- die Pflegstätte weltlihen Rechts, das Amts8haus, blieb außerhalb --erseßte
ihren düstern, unregelmäßigen, vielleicht dem Verfalle nahen Baukomplex durch
einheitlich und großartig angelegte, nach außen drei- bis vierflügelige, mitunter noch
von Hoftrakten durchseßte Baugruppen mit E>pavillons und erhöhten Mittelrisaliten,
wie „aus einem Gußmodell geflossen“, außen kasernenartig nüchtern, ohne Einzelgliederung,
innen gut eingerichtet, mit bequemen Treppenhäusern, breiten, lichten
Gängen und üppigen Haupträumen. -- Als Neuerung bezeichnen die Chronisten auch
heizbare Säle und Gemächer, „hypocausta“. Die neuen Zellen waren ohne Luxus,
aber hoch, hell, geräumig; mit welchen Gefühlen man sie gegen die mittelalterlich
engen mit Backsteinen geflasterten vertauschte , das erhellt u. a. aus dem Freudenruf
eines Wiblinger Gewährsmannes gelegentlich des Umzugs in die neue Klausur (1761:
„jeder Zellenbewohner habe gleichsam eine Gruft mit einem schönen, gegen die Morgenseite
liegenden Saal vertauscht.“ Die Vollendung dieser Klosterumbauten wurde
übrigens nicht jelten durch die Revolution und Säkularisation verhindert.
Noch im Renaissancezeitalter waren weltliche Herren mit ähnlichen Bauanlagen
vorangegangen: in länglichem Viere> mit turmartigen E>bauten einen großen Hof
umschließend, hatten sich Schlösser erhoben wie Wolfegg, 1578--1586, erneuert
1687, dazu die Stiftskirche 1733 ff., ferner Schloß Zeil samt Kirche, 1601--1612.
Die nicht ganz regelmäßige Umwandlung von Ochsenhausen wurde 1615 begonnen,
mit Störungen durch den Krieg bald nach 1650 vollendet. Dann häufen
fich die Neubauten: I3ny Stiftskirche 1660 ff. , Kloster bis 1738, Zwiefalten