Full text: Deutsche Konkurrenzen (1898/1899, Bd. 9, H. 97/108)

  
  
  
  
  
  
  
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geschlossen. Die Beurteilung: der eingehenden Arbeiten erfolgt durch das Preisgericht. 
Dasselbe besteht aus folgenden Herren: Geheimen Regierungsrat Professor Ende-Berlin, 
Stadtbaurat P/iddemann-Breslau, Stadtbaurat Meyer-Stettin, Bürgermeister‘ Matthes, 
Stadtverordneten - Vorsteher Rechtsanwalt Aunde. Das Preisgericht wird sein Urteil 
in einem Protokoll niederlegen, von der in demselben enthaltenen Kritik erhält jeder 
Bewerber auf Wunsch Abschrift. Zur Preisverteilung stehen 6000 Mark zur Verfügung 
und zwar: für den ersten Preis 3000 Mark, für den zweiten Preis 2000 Mark, für den 
dritten Preis 1000 Mark. Das Preisgericht ist befugt, die Gesamtsumme der aus- 
gesetzten Preise in anderer Weise zu verteilen. Ausserdem behält sich der‘ Magistrat 
das Recht vor, noch zwei Entwürfe, welche vom Preisgerichte empfohlen werden, für 
den Betrag von je 500 Mark anzukaufen. 
  
  
  
  
Aus dem Urteil des Preisgerichts. 
Zur Beurteilung der 87 zum Wettbewerb für’ ein Rathaus eingegangenen Ent- 
würfe traten die das Preisgericht bildenden Herren: Geh. Regierungsrat Professor 
Ende-Berlin; Stadtbaurat Plüddemann-Berlin; Stadtbaurat Meyer- Stettin; Bürgermeister 
Matthes-Stolp und Stadtverordneten-Vorsteher Kaufmann Karl /rank-Stolp am 16. Mai 
zusammen. Von den rechtzeitig eingegangenen 87 Entwürfen wurden als in der 
Gesamtleistung nicht genügend oder in der Grundrissgestaltung unzweckmäfsig oder 
künstlerisch durchaus minderwertig für den weiteren Wettbewerb 36 Entwürfe aus- 
geschlossen. Von den verbleibenden 54 Entwürfen wurden nach nochmaliger Be- 
sichtigung und Besprechung folgende .13 zur engeren Wahl gestellt: No. 6. „,Volks- 
tümlich‘‘; No. 11. „Stolp“, aufgegeben in Friedenau, No. 14. „Zhemaligen General- 
gostmeisters Heimatstadt“; No. 21. „Zur Zierde“; No. 22. „Stephan (aufgegeben in 
Berlin W.)“; No: 25. „Anastasia“; No. 30. „Plattdütsch“; No. 36. „Pommerania“; 
No. 38. „Roland“; No. 44. „Fahr wohl“ (aufgegeben Berlin NW.); No. 55. „Wappen 
des Deutschen Reichs“; No. 56. „Wer’t mag der mag’t“; No. 60. „Alt Backstem- 
förmat“. Von diesen Entwürfen konnten die Non. 6, 36 und '44, da sie nicht ohne 
sehr erhebliche Ueberschreitung der ausgeworfenen Mittel auszuführen wären, trotz 
ihrer Vorzüge nicht zur engsten Wahl gestellt werden. Von den hiernach übrig blei- 
benden 10 Entwürfen wurde unter besonderer Anerkennung der für den baulichen 
Charakter der Stadt ausserordentlich gelungenen Backsteinarchitektur einstimmig der 
erste Preis der Arbeit No. 60 mit dem Motto: „Alt Backsteinformat‘“ zuerkannt. 
Ebenso einstimmig wurde der Arbeit No. 25 mit dem Motto: „Anastasia“ der zweite, 
und der Arbeit No. 30 mit dem Motto: ‚„‚Plattdütsch‘‘ der dritte Preis zuerkannt. 
Bei Oeffnung der Umschläge ergaben sich als Verfasser von „Alt Backstein- 
format‘ die Herren Zaar & Vahl-Berlin, von „Anastasia“ die Herren Schulz & 
‚Schlichting-Berlin, von „„Plattdütsch‘‘ die Herren Meier & Werle-Berlin. Den Ankauf 
weiterer Projekte konnte das Preisgericht nicht empfehlen, weil andere ganz besonders 
empfehlenswerte und praktische Lösungen nicht vorhanden waren. 
1. Preis ‚Alt Backstein format“, 
Der Entwurf schliesst sich in sehr gelungener Weise an die besten Beispiele 
norddeutscher Backsteinarchitektur an, vermeidet eine symmetrische Anordnung der 
Fassade und gelangt hierdurch zu einer sehr befriedigenden Anlage des Haupteinganges 
und der Haupttreppe durch Gewinnung geräumiger Vorplätze und einer stattlichen 
Diele für den Aufenthalt des Publikums. Hierdurch erreicht er gleichzeitig eine 
ebenso praktische als schöne Gestaltung der Haupträume sowohl im ‚ersten Geschoss, 
Als auch des Stadtverordnetensaales im Obergeschoss. Bei letzterem ist allerdings 
zu tadeln, dass die Konstruktion einzelner Mauerteile recht bedenklich und nicht ohne 
Anwendung künstlicher Konstruktion möglich erscheint. In guter Weise sind die 
drei Kassenlokalitäten rechts vom Haupteingang angeordnet. Nebentreppen sind aus- 
reichend vorhanden und von Durchfahrten im Untergeschoss bequem zugänglich. Die 
Anlage nur eines Klosettraumes erscheint mit Rücksicht auf die weiten Wege unzu- 
lässig, doch würden neben den Nebentreppen solche Anlagen unschwer zu gewinnen 
sein. . Die Treppe für die Bürgermeisterwohnung könnte breiter sein. Letztere Woh- 
nung zeigt auch den Fehler, dass Salon und Esszimmer durch diese Treppe von den 
(Fortsetzung aut Seite 32.) 
  
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