fullscreen : Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1887, Bd. 6, H.1/12)

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haben , völlig hätten verblassen und zu elenden Theaterblißen herabsinken
müssen.
„Bald hatten sich der Sänger<hor und das begleitende Publikum
vor dem einfachen, zwischen den stattlichen Palästen Prinz Karl und Radziwill
 sich re<t dürftig ausnehmenden Hause des Auswärtigen Ministeriums
 in guter Ordnung aufgestellt. Der rechte Erdgeschoß-Flügel war
hell erleuchtet, und da3 flüchtige Erscheinen und Verschwinden geschmücter
Damen und bunter Uniformen hinter den Fenstern bekundete, daß es dem
einer no< so schweren Entscheidungsstunde entgegengehenden Ministerpräsidenten
 erwünscht sei, den letzten Abend vor seiner Abreise zum Krieg3-sc<hauplaß
 im trauten Familienkreise und zerstreuender Gesellschaft zu verbringen.
 Konnte ja doch dieser Abend, nach seiner eigenen späteren
Versicherung, leicht sein letzter überhaupt sein, den in Berlin zu verleben
ihm das Schiksal bestimmt hatte !
Ehe noc< die Sänger begonnen, trat er an das eine offenstehende
Fenster ; einen düstern Ernst im Angesichte stand er da in seinem gelben
Kürassier-Jnterimsro>, gleich einer Marmorstatue. Atemlose Stille! Ein
flüchtiger Blik blibte, fast mißtrauisch, über die nahestehende Menschenmenge
 gleitend, unter den starken, buschigen Brauen hervor, als ein plößliher
 ganz unerwarteter Donners<lag, der erste des jeht beginnenden
Gewitters , dem Sängerc<hor das Signal zum Anfang gab. Kaum aber
waren die ersten Töne erklungen, als auch schon der erste Bliß, nicht aufzu>kend
 und schnell wieder versprühend, sondern als ein ungemein starkes
und lang anhaltendes Wetterleuchten die ganze Vorderseite des Hauses
mit dem hellsten Lichte übergoß. Dem ersten folgte sogleich der zweite
und in ununterbrochener Folge ergoß sich nun aus den immer wieder
neu aufflammenden Wolken eine so gewaltige Lichtmasse über das Haus,
und nur über dieses Eine Haus, daß die benachbarten Paläste wie
in dunkle Nacht ehrfurc<t3voll zurückzutreten schienen. Die ganze Vorderseite
 schien, gleich einem riesigen Hohlspiegel, neidisch keinen Strahl nebenausgehen
 lassend, alles Licht in sich aufnehmen und dem erstaunten Publikum
 wieder zuwerfen zu wollen. Und ganz besonders war es das eine,
den unbeweglich dastehenden- Minister umrahmende Fenster, welches , der
Focus des Reflektors, in beständigem purpurnem Licht erglühte.
„So stand er denn da, der heute zum ersten Male von der Volks3-gunst
 erhobene allmächtige Staat3mann, wie eine überirdische , lichtumflossene
 Erscheinung; und mit lauter, volltönender Stimme hub er an,
is ker Gesang zu Ende; und die Worte des Königs fast wiederholend,
prach er:
„1-39 danke Ihnen herzlich für Jhre freundliche und treue Gesinnung!
 Wir haben einen guten Anfang gemacht und dürfen auch für
die Zukunft das Beste hoffen! -- Doch habt nicht nur offene Herzen für
die großen Thaten unserer tapferen Armee, sondern auch offene Beutel
für die Verwundeten und Kranken! Denn groß ist schon ihre Zahl und
noch größere Opfer wird der Krieg von uns fordern! . . .““
„Keinen Augenbli>, während er sprach, wich die phänomenale Beleuchtung,
 die ihn fortwährend purpurn umhüllte und die zuweilen so
stark wurde, daß sie ihm, troß der dichten Ueberschattung durch die starken
Brauen, oft ein lebhaftes Augenblinzeln abnötigte. Und mit dem ununterbrochenen
 Wetterleuchten begleitete nun seine Rede auc< ein ebenso
            
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