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ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1980, Jg. 12, H. 49- 51/52, [53], 54)

Zugriffsbeschränkung

Für diesen Datensatz liegt keine Zugriffsbeschränkung vor.

Nutzungslizenz

Dieses Objekt ist durch das Urheberrecht und/oder verwandte Schutzrechte geschützt. Sie sind berechtigt, das Objekt in jeder Form zu nutzen, die das Urheberrechtsgesetz und/oder einschlägige verwandte Schutzrechte gestatten. Für weitere Nutzungsarten benötigen Sie die Zustimmung der/des Rechteinhaber/s.

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Bibliografische Daten

Objekt: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1980, Jg. 12, H. 49- 51/52, [53], 54)

Monografie

Persistenter Identifier:
1467618455069
Titel:
Die Logik der Dichtung
Autor:
Hamburger, Käte
Verleger/Verlag:
Klett
Erscheinungsort:
Stuttgart [u.a.]
Erscheinungsjahr:
1957
Umfang:
255 S.
Sprache:
deutsch
Strukturtyp:
Monografie
Standort:
Universitätsbibliothek Stuttgart
Signatur:
2L 2061
Lizenz:
http://rightsstatements.org/vocab/InC/1.0/

Kapitel

Titel:
Die logischen Grundlagen
Strukturtyp:
Kapitel

Kapitel

Titel:
I. Die Begriffsbildung 'Dichtung und Wirklichkeit'
Strukturtyp:
Kapitel

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • ARCH+: Zeitschrift für Architektur und Urbanismus
  • ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1980, Jg. 12, H. 49- 51/52, [53], 54)
  • Heft 49: Kultur - in die eigene Hand genommen
  • Heft 50: Wiederentdeckung des Raumes: Stadträume - Sozialräume
  • Heft 51/52: Ökologisch Planen und Bauen
  • Heft 54: Die Agonie der Wohnungspolitik
  • Inhaltsverzeichnis
  • Berichte
  • Wohnen in der Stadt: Konflikte und Experimente
  • Vom Finanzieren und Investieren
  • Zur Diskussion um Wohnungspolitik
  • Zur Diskussion
  • Rezensionen
  • Serie: Planerroman
  • Distanz. Stationen eines Planerlebens (1. Teil)
  • Leserbriefe

Volltext

Kollege Rauner rührte sich nicht. Sein Geiz war allgemein 
pekannt. Frau Wilhelmi, unsere Vorzimmerdame, ergriff die 
Initiative. Schnell wurde die obligatorische Mark von allen ein- 
gesammelt und ein Standardgeschenk mit Blumen eingekauft. 
Ohne Vorankündigung zogen wir geschlossen zum Arbeitszim- 
mer unseres säumigen Kollegen. Es war gegen 11.00 Uhr, der 
Kollege war nicht in seinem Zimmer, Gewöhnlich sitzt er um 
diese Zeit auf dem Klo, hieß. es. Wir warteten. 
Es war sehr eng. Wir drängten uns im schmalen, abgewinkel- 
ten Korridor zwischen Zimmertür und Zeichentisch. Hohe und 
tiefe Plan-Schränke versperrten den Eintretenden die Sicht 
auf den Arbeitsplatz. Eine Seitenwand war gespickt mit Nägeln 
und Haken, lange, rankende Arme eines alten Gummibaumes 
hielten sich daran fest. 
Seit mehr als 20 Jahren verschönte der Baum das Büroleben 
des Kollegen Rauner.Mehrere Zimmerwechsel überstand er ohne 
Schaden, obwohl es immer schwieriger wurde, ihn zu verpflan- 
zen. Endlich kam Rauner zur Tür herein. Als er die 30 Kollegin- 
nen und Kollegen vor sich sah, wie sie ein schadenfrohes ”’hap- 
py birthday to you’’ anstimmten, verzog er keine Miene, ging 
wortlos und stur zum Wandschrank und legte erst den Beam- 
tenkloschlüssel weg, bevor er, sichtlich frustriert, das Geschenk 
mit den Schnittblumen entgegennahm. Die Überraschung war 
gelungen. Ihm blieb nichts anderes übrig, als für 14.00 Uhr Bier, 
Sekt, Saft und Crackers einzukaufen. Damit war für die meis- 
ten der Arbeitstag gelaufen. Noch eine Stunde bis Mittag. 
Wir von der Stadtentwicklung standen unter Druck. Bis 
16.00 Uhr mußte die Vorlage zur Standortprogrammanzeige 
auf den Tischen der Dezernenten liegen. 
Zehn Seiten mußten noch korrigiert, neu getippt, mit Sei- 
tenzahlen versehen und durch den Kopierer gejagt werden. 
Erika, unsere Abteilungssekretärin, hatte sich an diesem 
Morgen krank gemeldet. Als Ersatz kam nur Frau Wilhelmi, die 
Sekretärin des Amtsleiters in Frage. Die dritte Schreibkraft im 
Amt schrieb nicht schnell und sauber genug. Unsere Korrektu- 
ren zogen sich hin. Einige Abschnitte mußten wieder herausge- 
schnitten und neu zusammengesetzt werden. Inzwischen war 
Mittag vorbei. 
Die Feier des Kollegen Rauner hatte schon angefangen, als 
Dirk mit den Manuskriptseiten ins Vorzimmer rauschte. Frau 
Wilhelmi war schon bei den Feiernden. 
Mit Streß im Nacken raste Dirk zur Fete und machte der 
Sekretärin unmißverständlich klar, daß sie den feucht-fröh- 
lichen Nachmittag vergessen könne. 1 1/2 Stunden blieben uns 
und ihr zur Fertigstellung der Vorlage. 
Frau Wilhelmi war mehr als sauer. Hinter ihre Schreibma- 
schine gezwungen, ließ sie bei jedem unleserlichen Satz eine 
Schimpfkanonade los. Sie fühlte sich von uns schikaniert. Aus- 
gerechnet sie aus einer Feier zu holen, hielt sie für böswillige 
Absicht. Jeder im Amt wußte, daß die Stadtentwickler nicht 
viel Wert auf die Geburtstagsriten legten. Für Frau Wilhelmi da- 
gegen gehörten die Feste zu ihren stärksten Auftritten. Sie sorg- 
te für vollzähliges Erscheinen der Kolleginnen und Kollegen 
und steigerte mit aggressiven Witzen und Sticheleien die Stim- 
mung. Nach ihrem Selbstverständnis entsprach Animieren und 
Unterhalten mehr den Aufgaben einer Vorzimmersekretärin als 
Schreibmaschine schreiben. Auf Anforderung zum Tippen be- 
reit zu stehen, war unter ihrer Würde. 
Warum besorgten wir uns nicht rechtzeitig eine Ersatzkraft 
für die erkrankte Sekretärin unserer Abteilung? 
Außerdem sei sie nicht bereit, unsere Terminschlamperei 
auszubügeln. Im Amt käme niemand anders sonst mit derart 
kurzfristigen Arbeiten zu ihr und übe so rücksichtslos Druck aus. 
Es sei typisch für die jungen Akademiker, morgens zu spät zur 
Arbeit zu erscheinen, um dann kurz vor Feierabend Unmögliches 
von ihr zu verlangen. 
Dirk konnte in seinem Streß nicht auf ihre Vorwürfe einge- 
hen, schrie zurück, beschimpfte sie ’durchgedrehte Ziege’ und 
knallte die Tür hinter sich zu. 
Für die entstandene Zwangslage war ich mitverantwortlich. 
Den Kollegenkrach wollte ich so nicht stehen lassen. Anderer- 
seits hoffte ich, daß Frau Wilhelmi die Schreibarbeit noch recht- 
zeitig fertigstellen würde. Beruhigend redete ich auf sie ein, ver- 
suchte zu erklären und sie zu verstehen, um die Kluft zwischen 
uns nicht unüberwindbar werden zu lassen. Ihre Kritik war 
ja nicht ganz falsch. Für unsere Abteilung und für meine gewerk- 
schaftlichen Ambitionen war es auf die Dauer tödlich, wenn wir 
uns durch unseren hektischen Arbeitsstil und unsere Rolle als 
Arbeitsverteiler ohne klare hierarchische Zu-und Unterordnung, 
uns in Frau Wilhelmi und dann sicher auch bald in einigen an- 
deren, erklärte Feinde schaffen würden. Sie war eine wichtige 
Meinungs- und Stimmungsmacherin im Amt. 
Frau Wilhelmi war ohne Zweifel eine starke Tipperin. Trotz 
des Theaters wurde sie rechtzeitig fertig. Wir waren froh, noch 
termingerecht zu den Ausschußberatungen abgeben zu können. 
Am nächsten Morgen war sie geschäftsmäßig kühl. Dirk be- 
mühte sich um eine Ersatzkraft für unsere kranke Sekretärin, 
die uns auch am gleichen Tag noch vom Personalamt geschickt 
wurde. 
Nach der Beschlußfassung im Rat sollten die Bürger über die 
Konzeption der Standortprogramme informiert werden. Eine 
Pressekonferenz wurde angesetzt. 
Information und Beteiligung der Bürger waren Ende 1974 
noch große Worte um die Zeit um Willy Brandt’s Abgang herum. 
Unsere sozialdemokratischen Chef’s ließen sich nicht nachsa- 
gen, bürgerfeindlich zu sein. 
”Aber es muß doch einmal klar gesagt werden, daß wir nur 
das machen, was nach dem Gesetz notwendig ist und nicht was 
alles wünschenswert wäre”, steckte der Baudezernent die Linie 
für die Bürgerversammlung im Sanierungsgebiet ab. Das beauf- 
tragte private Planerbüro war gesetzlich verpflichtet, im Rah- 
men ihrer Untersuchung im Sanierungsgebiet, auch eine Bür- 
gerversammlung einzuberufen. 
Baudezernent und Oberstadtdirektor waren sich einig: Durch 
die Teilnahme von Verwaltungsleuten sollte in die Versamm- 
lung der richtige Zungenschlag reingebracht werden. Denn, ”da 
wird sicher wieder die ganze soziale Leier abgezogen wegen der 
paar alten Häuschen.” 
”Wir stehen in der Verantwortung der Bevölkerung und die 
lassen wir uns nicht nehmen!” rief uns der Oberstadtdirektor 
nach, als wir uns in die Höhle des Löwen begaben. Auch ich 
wurde aufgefordert mitzugehen, wenn auch ohne Funktion. 
Die Versammlung verlief ruhig. Unser Dezernent schlug sich 
wacker, ließ alles offen und hatte auf jede Frage eine Antwort. 
Ich saß ganz hinten unter dem Publikum, trank mein Bier, ver- 
suchte möglichst nicht als Verwaltungsmann erkannt zu werden 
und schrieb hin und wieder private Notizen auf einen Zettel, 
der sagte das, die fragte jenes, alles was mir zur Beurteilung der 
Sitzung wichtig erschien. 
Gegen Ende der Bürgerversammlung stand eine ältere Arbei- 
terfrau auf und fragte den Dezernenten: 
”Wie wollen Sie sich denn alle unsere Forderungen merken, 
die heute vorgetragen wurden, Sie machen sich ja gar keine No- 
tizen?” Verdutzt blickte der Dezernent in die Runde, wandte 
sich hilfesuchend an die Planer rechts und links von ihm, erhielt 
keine Unterstützung und suchte weiter im Saal. Schon resignie- 
rend angesichts der aufkommenden Lacher, sah er plötzlich 
mich unter den Hinterbänklern sitzen, den Stift in der Hand 
und ein Papier auf dem Tisch. Erleichtert sprang er auf. Mit 
dem Finger zeigte er auf mich. Die Köpfe der Bürger drehten 
sich, alle sahen mich an. 
”Selbstverständlich halten wir Ihre Anregungen fest, nicht 
wahr Herr Schrooten, Sie haben alles mitgeschrieben?”” 
Ich sagte weder ja noch nein, saß da mit rotem Kopf und 
starrte fassungslos den Chef an. 
Der Baudezerent geriet mit seinen großen Verkehrs- und Sa- 
nierungsplänen zunehmend ins kommunalpolitische Abseits. 
Verdeckt distanzierte sich der Oberstadtdirektor in der Mon- 
tagsrunde von unhaltbar gewordenen Positionen seiner Dezer- 
nenten. Immer offener nahmen die Stadtentwickler gegen seine 
Pläne Stellung. 
Obwohl wir seinem Dezernat angehörten, konnte er nur sel- 
ten mit unseren Arbeiten zufrieden sein. Das Gerücht von der 
”fünften Kolonne” machte die Runde. Unliebsame Informa- 
tionen in der Lokalpresse wurden sogleich den undichten Stel- 
len in der Stadtentwicklung zugeschrieben. 
In seinem Mißtrauen gegen uns, sah sich der Dezernent ge- 
zwungen, selbst zum Stift zu greifen. Unangenehme Nachhilfe- 
stunden an seinem Schreibtisch, sollten uns auf die Sprünge 
helfen, wenn wir seine Anweisungen nicht gleich begreifen 
wollten. 
”Stadtentwicklung ist Stadtwerbung””’, sagte er und ging mit 
mir Satz für Satz seine Argumentation durch. 
Seine Begründung für den Standort der neuen Volkshoch- 
schule war unsinnig. Dennoch sollte sie den Lesern runterlau- 
fen wie Öl. An keiner Formulierung dürften sie hängen bleiben. 
Meine Phantasie versagte, aber mein Kuli schrieb. Der Dezer- 
nent diktierte. Worte mit -ung, Stützung, Stärkung, Nutzung, 
Verpflichtung, Verbesserung wurden jedem Satz vorangestellt. 
Dumme Gegenargumente wurden zum Beweis der Richtigkeit 
der Dezernenten-Logik bedingt zugelassen. Zwingend führte 
die Kette der Argumente zu seinem Ergebnis. Ein Waschma- 
schinentest sollte mir zum Vorbild dienen. 
y 4
	        

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