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ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1983, Jg. 15, H. 67, 68, [69/70], 71, 72)

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Bibliografische Daten

fullscreen: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1983, Jg. 15, H. 67, 68, [69/70], 71, 72)

Monografie

Persistenter Identifier:
1559813065267
Titel:
Neue Allgemeine Bau-Ordnung für das Königreich Württemberg
Untertitel:
nebst den neuesten Vollziehungsvorschriften und den weiteren auf die Bau- und Feuerpolizei beziehenden Gesetzen, Verordnungen u.s.w.
Autor:
Schüz, Ludwig
Verleger/Verlag:
Rieger
Erscheinungsort:
Stuttgart
Erscheinungsjahr:
1882
Umfang:
VIII, 280 S.
Sprache:
deutsch
Strukturtyp:
Monografie
Standort:
Universitätsbibliothek Stuttgart
Signatur:
1J 222
Lizenz:
https://creativecommons.org/publicdomain/mark/1.0/deed.de

Kapitel

Titel:
Auszug aus dem Gesetz, betreffend Aenderungen des Polizeistrafrechts bei Einführung des Strafgesetzbuchs für das deutsche Reich (Polizeistrafgesetz), vom 27. Dezember 1871 (Art. 32, 49 Ziff. 6)
Strukturtyp:
Kapitel

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • ARCH+: Zeitschrift für Architektur und Urbanismus
  • ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1983, Jg. 15, H. 67, 68, [69/70], 71, 72)
  • Heft 67: Wege in der Krise. Wege aus der Krise
  • Heft 68: Vom Hausbau zum Stadtbau
  • Inhalt
  • Arch+-Zeitung
  • Hausbau - Stadtbau
  • Zur Diskussion
  • Aus den Hochschulen: Versuche über den Baublock
  • Vergessene Traditionen
  • Die "Stuttgarter Schule" und die Alltagsarchitektur des Dritten Reichs
  • Der Fall Schmitthenner
  • Verdrängte Alternativen 2: Saarlouis: Zwischen den Fronten
  • Sendschreiben an einen auswärtigen Freund über den in Hamburg bevorstehenden Abbruch der Jägerpassage
  • Rezensionen
  • Heft 71: Architekten für den Frieden - Architekturen für den Krieg?
  • Heft 72: Regionales Bauen: Die Baufibel für Lothringen von Emil Steffann

Volltext

Der Fall 
Schmitthenner 
Hartmut Frank 
Wirkungen der alten deutschen Stadt von 
selbst“ eingestellt hätten (Fritz Stahl in 
Schmitthenner 1918, 15). Dabei ist Schmitt- 
henner modern genug, bei den 1000 Wohnun- 
gen Staakens auf Normungen von Bauteilen 
und eine Beschränkung auf nur 5 Haustypen 
mit Varianten nicht zu verzichten, nur sieht 
man das der Siedlung nicht an. 
Die oben angedeutete Parteinahme der 
Stuttgarter Traditionalisten vor und nach der 
Novemberrevolution, die für die Entwicklung 
von Schülern und Lehrern in den 20er Jahren 
wichtig erscheint, setzt sich umgekehrt in der 
fast völligen Abwesenheit bestimmter Aus- 
einandersetzungen fort, die in der Architek- 
turdebatte der Weimarer Republik eine 
wichtige Rolle spielten. Die brennende 
Wohnungsfrage erhält nach Staaken aus 
Stuttgart kaum noch Impulse. Schmitt- 
henners viel bewunderte Stuttgarter Wohn- 
häuser aus den 20er Jahren boten der bürger- 
lichen Mittel- und Oberschicht eine durch ihre 
biedermeierliche Einfachheit solide wirkende 
Wohnkultur; zu anderen Problemen boten sie 
keine Lösungen. Die im Vorfeld der Welt- 
wirtschaftskrise unternommenen Versuche 
mit der Wohnung für das Existenzminimum' 
finden anderswo statt. Zur Baugenossen- 
schafts- und Bauhüttenbewegung, die überall 
bis zur Weltwirtschaftskrise mit den Stadt- 
verwaltungen an den Wohnungsproblemen 
arbeiten, gibt es keine Verbindungen. Über- 
flüssig, darauf hinzuweisen, daß die Stutt- 
garter Lehrer in den euphorischen Mani- 
festen der Revolutionsjahre 1918 und 1919 
(Arbeitsrat für Kunst usw.), wo es von 
Architekten nur wimmelt, nirgends auf- 
tauchen. 
Nur in der Rationalisierungsdebatte, die 
von den Frankfurter Montagebauten Ernst 
Mays die stärksten Impulse erhielten, meldete 
sich auch Schmitthenner mit einem Beitrag zu 
Wort. Seine Schnellbaumethode mit Fach- 
werk und Bimsbetonplatten, die er im Winter 
1928-29 mit Unterstützung der Holzindustrie 
erprobt, dient dem Versuch, in der Domäne 
der ’neuen Baustoffe’ Stahl und Beton die 
Eignung des vertrauten Materials Holz für die 
Vorfertigung nachzuweisen. Einen eigenen 
architektonischen Ausdruck der neuen Kon- 
struktion lehnt Schmitthenner ab; seine 
vorgefertigten Fachwerkhäuser unterscheiden 
sich im Äußeren durch nichts von den 
anderen. Die ’Wohnmaschine’ betrachtete er 
als eine stilistische Sackgasse: 
„Daß das Bemühen mancher heutiger Architekten darauf 
zielt, ihre Arbeiten in die Form des Ingenieurbaues hinein- 
zuzwingen, weil das ein Stück Zeitstil ist, kann sehr 
geistreich sein, es ist aber immer Formalismus und Armut 
an Schöpferkraft“ (WMTfB 12.1928. 26) 
Um die Attraktivität der von Bonatz und 
Schmitthenner erneuerten Ausbildung zu 
verstehen, müssen noch einige Punkte ge- 
nannt werden. Die freie Lehrerwahl und die 
am Ende des Semesters von allen Professoren 
gemeinsam vorgenommene Benotung der 
Entwürfe schützte die Schüler vor der Willkür 
einzelner Lehrer. Besondere Anziehungskraft 
übte Schmitthenners Werklehre aus, die im 
Vorstudium die vorher zersplitterten Fächer 
an einem Projekt zusammenführte. In der 
’gemeinsamen Arbeit’ ließ Schmitthenner 
seine laufenden Wohnhausprojekte vom 
Geländeaushub bis zum Schornstein nach- 
zeichnen, was den Vorteil hatte, daß der 
wirkliche Bauvorgang in allen Schritten 
miterlebt werden konnte (WMfB 12.1928, 
490). Nachdem die Schüler sich den archi- 
tektonischen Ausdruck und das werkgerechte 
Detail eingeprägt hatten, erhielten sie von 
Schmitthenner die Aufgabenstellung für einen 
selbständigen Entwurf: Das Haus eines 
Gelehrten, eines ’Bilderfreundes’ oder gar die 
Nachschöpfung des ’Rosenhauses’ aus Adal- 
bert Stifters Roman ’Nachsommer’ (1857), 
wovon Offenberg begeistert berichtet: „Schon 
die Titel regten die Phantasie zur poetischen 
Gestaltung an“; Schmitthenners eigene Häu- 
ser „atmeten die Stimmung einer Novelle“ 
(Offenberg 1975, 96). In Stifters sittlich- 
untadeliger Biedermeier-Welt, zu der Schult- 
ze-Naumburg mit den stimmungsvollen Land- 
häusern und Gärten in seinen ’Kulturarbeiten’ 
die Illustration lieferte, hatte Schmitthenner 
seine rückwärtsgewandte, von Industrie und 
Politik ferne Utopie gefunden, die er seinen 
Schülern empfahl (zusammengefaßt in dem 
Vortrag ’Das sanfte Gesetz in der Baukunst’, 
der auf der Vorrede Stifters zu ’Bunte Steine‘ 
fußt; Schmitthenner 1943). 
Mit dem Weißenhof-Streit beginnt 1927 
nach einer ersten Phase der Konsolidierung 
die zweite, in der eine architektonische und 
politische Radikalisierung der Stuttgarter 
Schule eintritt. In der 1933 anschließenden 
dritten Phase besetzt die Schülergeneration 
die Planungsämter des Dritten Reiches. 
Ohne Beteiligung der „führenden architek- 
tonischen Hochschule Deutschlands, wenn 
nicht Europas“ (wie 1928 Hegemann pathe- 
tisch anklagend feststellt) errichten der 
Deutsche Werkbund und die Stadt Stuttgart 
1927 die bekannte Mustersiedlung auf dem 
Weißenhof, die einen Sommer lang als Aus- 
stellung über die Rationalisierung und Neuge- 
staltung der Wohnung informieren soll; 
außerdem war an die Auswahl geeigneter 
Typen für die Serienherstellung im Massen- 
wohnungsbau gedacht (da es hier nicht um 
den genügend publizierten Gegenstand Wei- 
Die deutsche Architektur der Nachkriegs- 
zeit knüpft nicht, wie spätere Interpreten bis 
jetzt glauben machen wollen, an die Zeit vor 
1933 an. Das Bauen der Nachkriegszeit steht 
in der zwar irritierten, aber nicht unter- 
brochenen inhaltlichen und personellen 
Kontinuität der Vorkriegs- und Kriegsjahre. 
Auch das Neue Bauen wird von Architekten 
repräsentiert, die während der Nazizeit in 
Deutschland gearbeitet haben. Doch dieses 
Kontinuum nımmt nichts von der Schärfe 
des Konflikts, der zwischen traditionalisti- 
schen und modernistischen Architekten 
während des gesamten ersten Nachkriegs- 
jahrzehnts besteht.! 
Die konkurrierenden Formensprachen 
haben ihre Festungen. Die „modernen“ 
Architekten kontrollieren die Planungen in 
den wichtigsten Großstädten Berlin, Ham- 
burg, Hannover, Köln und Frankfurt/M., 
die „traditionellen“ München, Freiburg, 
Würzburg, Münster und die meisten Klein- 
und Mittelstädte. An einigen Orten wie 
Düsseldorf oder Stuttgart kommt es zu 
offenen Feldschlachten um die Vorherr- 
schaft. Anlaß dazu sind fast immer personal 
politische Entscheidungen der Bauverwal 
tungen oder der Architekturschulen. Exem- 
plarisch für diese Spielart des kultureller 
Lebens der Nachkriegszeit erscheint de: 
„Fall Schmitthenner“. 
In einer Notiz der „Neuen Zeitung“, der in 
München erscheinenden „amerikanischer 
Zeitung für die deutsche Bevölkerung“, wird 
am 25.3.1948 Paul Schmitthenner als Nazıi- 
Architekt bezeichnet, als einer der führen- 
den Vertreter der nationalsozialistischen 
Baukultur. Der Artikel wendet sich massiv 
gegen Bestrebungen, Schmitthenner aui 
seinen Lehrstuhl in Stuttgart zurückzu- 
holen, von dem man ihn bei Kriegsende 
verjagt hatte. Sollten diese Absichten 
realisiert werden, so bestünde die Aussicht, 
daß durch ihn eine „weitere Generation 
angehender Architekten in der national- 
sozialistischen Baugesinnung erzogen“ wür- 
de. Für Schmitthenners Rückkehr setzt sich 
nebenHeussauch die Stuttgarter Studenten- 
schaft ein.? Gegen ihn agitieren einige 
„moderne“ Stuttgarter Architekten, die mit 
ihren Angriffen die politische Notbremse 
ziehen. Schmitthenner ist von der Spruch- 
kammer, die über seine Naziaktivitäten zu 
entscheiden hatte, für unbelastet erklärt 
worden, und rechtlich steht seiner Rückkehr 
nach Stuttgart nichts entgegen. Die meisten 
seiner Kollegen, seien sie nun Hochschul- 
lehrer, Baubeamte oder freie Architekten, 
sind längst wieder oder noch in ihren 
Ämtern, erhalten neue Aufträge. 
So gesehen würde das Etikett Nazi- 
Architekt auf fast alle in Deutschland 
tätigen Architekten zutreffen. Aber die 
Angriffe zielen gar nicht so sehr auf 
Schmitthenners politische Vergangenheit 
als auf seine Architektur. Sie zielen nicht auf 
den Nazi Schmitthenner, sondern auf den 
Produzenten einer bestimmten Architektur, 
die zur Nazi-Architektur erklärt wird. Der 
„Fall Schmitthenner“ ist in Wirklichkeit 
eine Auseinandersetzung um die Gestalt der 
Nachkriegsarchitektur. Mit den Angriffen 
auf den wohl qualifiziertesten. zumindest 
x.
	        

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