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ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1980, Jg. 12, H. 49- 51/52, [53], 54)

Zugriffsbeschränkung

Für diesen Datensatz liegt keine Zugriffsbeschränkung vor.

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Bibliografische Daten

fullscreen: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1980, Jg. 12, H. 49- 51/52, [53], 54)

Zeitschrift

Persistenter Identifier:
1571051867188
Titel:
ARCH+: Zeitschrift für Architektur und Urbanismus
Erscheinungsort:
Aachen
Erscheinungsverlauf:
1.1968-
Signatur:
Archiv IGMA
Universität Stuttgart, Institut für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen
Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Zeitschriften
Lizenz:
http://rightsstatements.org/vocab/InC/1.0/

Band

Persistenter Identifier:
1571051867188_1980
Titel:
ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen
Jahrgang/Band:
1980, Jg. 12, H. 49- 51/52, [53], 54
Erscheinungsjahr:
1980
Sprache:
deutsch
Strukturtyp:
Band
Standort:
Universitätsbibliothek Stuttgart
Universität Stuttgart, Institut für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen
Lizenz:
http://rightsstatements.org/vocab/InC/1.0/
Sammlung:
Zeitschriften

Ausgabe

Titel:
Heft 54: Die Agonie der Wohnungspolitik
Strukturtyp:
Ausgabe

Teil

Titel:
Serie: Planerroman
Strukturtyp:
Teil

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • ARCH+: Zeitschrift für Architektur und Urbanismus
  • ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1980, Jg. 12, H. 49- 51/52, [53], 54)
  • Heft 49: Kultur - in die eigene Hand genommen
  • Heft 50: Wiederentdeckung des Raumes: Stadträume - Sozialräume
  • Heft 51/52: Ökologisch Planen und Bauen
  • Heft 54: Die Agonie der Wohnungspolitik
  • Inhaltsverzeichnis
  • Berichte
  • Wohnen in der Stadt: Konflikte und Experimente
  • Vom Finanzieren und Investieren
  • Zur Diskussion um Wohnungspolitik
  • Zur Diskussion
  • Rezensionen
  • Serie: Planerroman
  • Leserbriefe

Volltext

Friedhelm Schrooten 
Distanz 
Stationen eines Planerlebens — 1. Teil 
Um zwei Uhr beginnt die Schicht. Ich bin sehr nervös. Auf- 
regung und Streß schlagen mir leicht auf den Magen, besonders 
nach diesem Stamm-—Essen in der Mensa. Vorbeugend mische 
ich unter die letzten Bissen ein Valium. Ich muß ruhiger wer- 
den, um den Argumentationsfaden nicht dauernd aus dem Ge- 
dächtnis zu verlieren. Eine Viertelstunde Zeit habe ich noch, 
dann muß ich losfahren. Mir fehlt die Ruhe, die letzten Minuten 
für abschweifende Blicke auf die Tische der Kleindealer in der 
Eingangshalle zu nutzen. 
Viktorias alter VW steht gleich gegenüber der Mensa. Zur 
Mittagsschicht leiht sie ihn mir meistens aus, wegen der ungün- 
stigen S—-Bahnverbindungen in der Nacht. 
Gestern Abend legten wir in der Betriebsgruppe Argumenta- 
tion und Regie meines Auftritts auf der heutigen Betriebsver- 
sammlung fest. Nach den Reden der Betriebs- und Gewerk- 
schaftsleitung soll ich mich zu Wort melden. Natürlich werden 
meine Vorredner die wirtschaftliche Situation allgemein und 
insbesondere die betriebliche. nicht rosig aber durchaus meister- 
bar, darstellen. 
Mit scharfer Kritik an der Harmonie zwischen Firmenleitung 
und Betriebsrat soll ich einsteigen, zur anstehenden Tarifrunde 
überleiten und schließlich mit konkreten Forderungen und Auf- 
rufen zur Mobilisierung der Kollegen zum Höhepunkt kommen. 
Am Schluß werde ich die Forderungen zu einem Antrag zu- 
sammenfassen und beantragen, darüber abstimmen zu lassen. 
Der fertig formulierte Antrag und Notizen zur Rede steckten 
zusammengefaltet in der Hosentasche. 
Bei vorausgegangenen Belegschaftsversammlungen in ande- 
ren Werken des Elektrokonzerns, sollen die Reden der Genos- 
sen ziemlichen Wirbel unter den Arbeitern ausgelöst haben. 
Seit drei Monaten arbeite ich in der zentralen Produktions- 
abteilung des Kabelwerks, rund um die Uhr, in drei Schichten. 
In unserer Halle laufen verschieden große Verseilmaschinen, 
die Telephondrähte bis zu armdicken Kabeln ineinanderdrehen 
und auf Trommeln aufwickeln. Jede Maschine wird von einem 
Maschinenführer mit einem oder mehreren Helfern gefahren. 
Ich bin als Helfer eingesetzt. Wir stehen im Akkord, sofern 
ich nicht angelernt werde, Ausbesserungsarbeiten zu verrichten 
sind oder Ausschuß produziert wird, Ohne Akkord bleibt mir 
der Anfänger-Stundenlohn und dem Maschinenführer der 
Durchschnitt aus seinen Akkordleistungen in den letzten Mo- 
naten, Besonders unglücklich sind wir beide nicht darüber, daß 
wir den Akkord nur selten schaffen. Weniger Arbeit läßt mehr 
Zeit zum Gespräch und mir mehr Raum für Agitation. Deswe- 
gen bin ich hier im Betrieb. 
An der Maschine stehen noch zwei türkische Kollegen. Einer 
wurde mit mir zusammen eingestellt. Er versteht kein Wort 
Deutsch. Alle Arbeitsanweisungen erledigt er im Laufschritt. 
Seine Unsicherheit versucht er durch Übereifer und Hilfsbe- 
reitschaft bis zur Selbstdemütigung auszugleichen. Ich lehne 
es ab, mit ihm einen Wettkampf um Arbeit auszutragen. Im 
Schatten seines Eifers konzentriere ich mich auf Gespräche 
mit deutschen Kollegen. Ich versuche herauszubekommen, 
welche aktuellen Widersprüche es zwischen Firmenleitung und 
Kollegen gibt und wo aufgerundet wird. Es ist klar, daß die Agi- 
tation des Genossen, innerhalb und außerhalb des Betriebes, an 
dem entwickelsten Konflikt ansetzen muß. 
Mein Maschinenführer floh aus der DDR und kennt sich in 
den Grundbegriffen des Klassenkampfes aus. Er ist kein Rech- 
ter, aber es interessiert ihn nicht besonders, wie ich mir die 
Revolution vorstelle. Er hört lieber Geschichten vom Chaos an 
der Hochschule und versucht sich auszumalen, wieviel Geld ich 
als Stararchitekt verdienen kann, wenn ich erstmal fertig stu- 
diert habe. Trotz mancher Übereinstimmungen, reden wir oft 
aneinander vorbei. 
Die Betriebsversammlung ist schlecht besucht, die Stühle nur 
zu 2/3 besetzt, davon die Hälfte mit Schlipsträgern. Erwartungs- 
gemäß überschüttet uns der Werksdirektor mit negativen Bilan- 
zen. Der Betriebsratsvorsitzende bemüht sich, die vorgegebene 
Linie auszubauen und an praktischen Beispielen allen verständ- 
lich zu machen. Zum Schluß krönt er seine Rede mit einer Er- 
folgsmeldung. Endlich sei die Firma Schulz bereit, ihr Fress- 
automatenangebot zu erweitern, die Preise blieben vorerst sta- 
bil. Zum Erstaunen aller Kollegen tritt nach ihm der Bürger- 
ister ans Rednerpult. Weitschweifig plaudert er über kom- 
 ünale Aktivitäten. und beschwört drohende Gefahren der 
Wirtschaftskonjunktur, wenn die Tarifpartner nicht Vernunft 
bewahren. Die sich ausbreitende Unruhe unter den Kollegen 
scheint mir eine gute Voraussetzung für meinen Beitrag zu sein. 
Ich fühle mich etwas sicherer, melde mich als erster zu Wort 
und marschiere ans Mikrophon. » = 
Hastig lese ich die ersten Sätze vom Blatt ab. Lauter”, rufen 
einige im Saal. Ich beginne nochmal von vorn. Beim Thema Ta- 
rifrunde angelangt ,unterbricht mich der Betriebsratsvorsitzende. 
Er ermahnt mich, beim jetzt behandelten Tagesordnungspunkt 
” Aussprache zu den Berichten der Firmenleitung und Beleg- 
schaftsvertretung”” zu bleiben. Ich lasse mich nicht beirren, 
halte meine Rede zuende, verlese den Antrag und lege ihn gleich 
schriftlich der Versammlungsleitung vor. . 
Der Applaus hält sich in Grenzen. Trotzdem springt der Be- 
triebsratsvorsitzende erregt ans Micro und läßt eine harte Po- 
lemik gegen mich los. ”Kommunist, Provocateur, DDR-Agent”. 
Keine Ost—-West—-Schablone ist ihm zu blöd, um sie mir nicht 
überzustülpen. Der ”Aufschrei der Massen” bleibt aus, kein 
Protest, keine Unterstützung, nichts. 
Vor der Abstimmung kommt noch ein Besoffener ausführ- 
lich zu Wort. Er schmeichelt der Firmenleitung auf seine Weise, 
Natürlich bleiben die Lacher nicht aus. Schließlich wird über 
meinen Antrag abgestimmt. 25 von 600 unterstützen die For- 
derungen. Mein Maschinenführer ist nicht dabei. 
Zurück an der Maschine redet er sich raus mit möglicher- 
weise nachfolgendem Ärger, den er sich ersparen will. Er pro- 
phezeit, daß mein Auftritt nicht ohne Folgen bleiben wird. 
Entweder werde ich in eine andere Schicht versetzt, oder der 
Meister holt mich zu einem ernsten Gespräch in seine Kabine 
oder sonst irgendwas. 
Ich halte seine Weissagungen ganz klar für vorgeschoben, 
um seinen Opportunismus zu decken. 
Acht Tage später nimmt er sich einen Krankenschein. Er- 
satzmann ist ein Kollege von der Nachbarmaschine. Wir reden 
nicht viel. Kontakte zu anderen Kollegen beschränken sich auf 
kurze frozzelnde Bemerkungen zu meinem Auftritt. Der neue 
Kollege ist arbeitsgeil. Wir bringen eine gute Akkordleistung. 
Dienstag geht die Maschine kaputt und meine Bezahlung zu- 
rück auf Stundenlohn. 
Jede Schicht wird extra abgerechnet. Die Tagesleistung trägt 
der Maschinenführer für sich und die Helfer in einen Arbeits- 
bogen ein. Die Eintragungen sind die Grundlage für die monat- 
liche Lohnabrechnung. Unsere Akkordgruppe setzt sich zusam- 
men aus Maschinenführer plus zwei Helfer. Der mit mir einge- 
stellte Türke steht als dritter Helfer im Stundenlohn. 
Ich gehe ausführlich auf diese Regelung ein, weil seit der 
Krankheit meines alten Kollegen, mit der Abrechnung syste- 
matisch der Hebel angesetzt wurde, um mich fertig zu machen. 
Der neue Maschinenführer nimmt, ohne Erklärung, den Tür- 
ken in die Akkordgruppe und trägt für mich Stundenlohn ein. 
Gut, die Maschine lief an dem Tag nicht richtig und dann 
macht es keinen Unterschied. Aber ich weise ihn trotzdem auf 
seinen Fehler hin. Zwei Tage später fahren wir wieder voll Ak- 
kord, aber wieder mit einem anderen Maschinenführer. Am 
Ende der Schicht das gleiche Spiel: den türkischen Kollegen in 
den Akkord und mich in den Stundenlohn. Jetzt bin ich sauer. 
Nicht auf den Türken, der weiß nichts davon, aber auf die Ma- 
schinenführer oder wer sonst dahinter steckt. Die Abrechnung 
entspricht nicht meiner Leistung und auch nicht den Abmachun- 
gen zu Arbeitsanfang. Der Maschinenführer stellt sich dumm 
und verweist mich an den Vorarbeiter. Der zuckt die Schulter 
und versucht mir klar zu machen, ich hätte zu wenig gearbeitet. 
Wütend suche ich den Meister. Er kann sich die Sache nicht er- 
klären, verspricht, sich darum zu kümmern, was er aber an 
diesem und am nächsten Tag nicht tut. Jedenfalls nicht in 
meinem Sinn. In den nächsten Tagen widerholt sich das Spiel. 
Mein Protest prallt gegen eine Mauer des Einverständnisses 
zwischen Maschinenführern, Vorarbeiter und Meister. 
Ich bespreche den Vorfall mit den Genossen der Betriebs- 
gruppe. Offensichtlich handelt es sich um eine organisierte Re- 
aktion auf meine Rede. Die Genossen raten mir, auf keinen Fall
	        

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