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ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

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Bibliografische Daten

fullscreen: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

Zeitschrift

Persistenter Identifier:
1571051867188
Titel:
ARCH+: Zeitschrift für Architektur und Urbanismus
Erscheinungsort:
Aachen
Erscheinungsverlauf:
1.1968-
Signatur:
Archiv IGMA
Universität Stuttgart, Institut für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen
Strukturtyp:
Zeitschrift
Sammlung:
Zeitschriften
Lizenz:
http://rightsstatements.org/vocab/InC/1.0/

Band

Persistenter Identifier:
1571051867188_1988
Titel:
ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau
Jahrgang/Band:
1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97
Erscheinungsjahr:
1988
Sprache:
deutsch
Strukturtyp:
Band
Standort:
Universität Stuttgart, Institut für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen
Lizenz:
http://rightsstatements.org/vocab/InC/1.0/
Sammlung:
Zeitschriften

Ausgabe

Titel:
Heft 95: Das Verschwinden der Architektur
Strukturtyp:
Ausgabe

Teil

Titel:
Das Verschwinden der Architektur oder die Verwandlung des Baus
Strukturtyp:
Teil

Artikel

Titel:
Verwandlungen
Autor:
Alewyn, Richard
Strukturtyp:
Artikel

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • ARCH+: Zeitschrift für Architektur und Urbanismus
  • ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)
  • Heft 94: "Oikos Stadt" - Nachdenken über Ökologie
  • Heft 95: Das Verschwinden der Architektur
  • Inhaltsverzeichnis
  • Arch+-Zeitung
  • Das Verschwinden der Architektur oder die Verwandlung des Baus
  • Zu diesem Heft: Das Verschwinden der Architektur. Teil 1: Die Verwandlung der Welt
  • Beispiel Airport: Flughafen Stansted
  • Beispiel Stadt: Pater Noster Square
  • Beispiel Verkehr: King's Cross
  • Transformationen
  • Steuerung
  • Macchina
  • Verwandlungen
  • People's Places
  • Das Verschwinden der Architektur. Teil 2: Das Erscheinen des Raums
  • Le Corbusier [Teil 3]
  • Heft 96/97: Dekonstruktive Architektur

Volltext

Richard Alewyn 
„VOM HIMMEL 
DURCH DIE WELT ZUR HOLLE“ 
B ei dem Versuch, uns von dem szeni- Hostie in übernatürlicher Glorie leuchten doch in keiner Geschichte der Erfindun- 
schen Tumult der barocken Bühne hoch über der Szene. gen erwähnt finden wird: die Kulisse. 
eine wirkliche Vorstellung zu machen, Technische Erfindungen sind keine Zufäl- 
sind wir weitgehend auf unsere eigene An- le, wie die Techniker sich schmeicheln mö- 
strengung verwiesen. Denn die zahlrei- £ SC gen, sondern sie sind Symbole. Eine Erfin- 
chen Bilder barocker Theateraufführun- D jeses Schaugetümmel aufzuneh- dung stellt sich immer nur dann ein, wenn 
gen, die uns durch Maler und Stecher „men, reicht aber nun die Bühnenflä- sie einem inneren Bedürfnis entspricht. 
überliefert sind, sind stumm und starr. Sie Che nicht aus. Das Theater stellt auch den Man kann zu einer Zeit sagen: Sage mir, 
vermitteln weder den Klang noch die Be- Luftraum über den Köpfen In SEINEN was du erfindest, und ich sage dir, was du 
wegung noch überhaupt das Gefühl des Dienst. Damit wird der Bühne eine neue 
Raumes, das in barocker Kunst immer so Dimension erschlossen. Wenn die Thea- 
wichtig ist. Man muß sich zunächst ein terkunst der Renaissance sich mit der 
ständiges Gewimmel vorstellen, das den Bühnenfläche begnügt hatte und wenn das 
Schauplatz bis zu allen Rändern füllt, ja 18. Jahrhundert wieder auf diese Ebene 
nach allen Seiten über diese hinausquillt. Zurückkehren wird, so hat das nicht so 
Wo Menschen und Tiere nicht ausrei- sehr einen ästhetischen wie einen theolo- 
chen, den Raum zu füllen, bot man die gischen Grund. Die Horizontalbühne ist 
Elemente auf. Das Zeitalter des Barock der Ausdruck einer Welt, die über die 
hat eine Sympathie für den immateriellen Menschliche Ebene nicht hinausstrebt 
Stoff. Wasserkünste und Feuerwerke be- Wenn nun umgekehrt im Barock, wie vor- 
anspruchen ein Großteil seiner künstleri- her im Mittelalter, das Theater sich nach 
schen Aktivität oben und unten erweitert, wenn sich also 
die Vertikalbühne wiederherstellt, so ist 
hier mehr im Spiele als bloß die sinnliche ; : se ; 3 
Schaulust des Publikums oder die entfes- EIG SEINE SC Se a rha die 0. 
selte Virtuosität der Ingenieure. Der gan- +Üeme löste. die die Metaphysik dem Ba- 
ze knarrende Apparat von Winden und „ock stellte. 
Stricken, der das Bühnenflugwesen be- Vorher, soweit man überhaupt Dekora- 
diente, und die Eroberung des Luftrau- + onen auf der Bühne gebrauchte, waren 
mes sind das Zeichen dafür, daß das Thea- <<: aus Holz oder Stein gebaut gewesen, 
ter wieder den ganzen Durchmesser der pjastisch und dauerhaft. Sie blieben, zum 
christlichen Welt umspannte: „Vom Him- indesten für die Dauer der Aufführung, 
mel durch die Welt zur Hölle“. unverändert. Das Barock hatte nun den 
genialen Einfall, auf eine solche Architek- 
. tur zu verzichten und sie durch leichte 
D je meisten der Wirkungen, die wir Rahmen aus dünnen Latten zu ersetzen, 
beschrieben haben. wären unmö?. die, mit bemalter Leinwand bespannt 
oder behängt, auf beiden Seiten der Büh- 
Lichtwirkungen waren überhaupt erst ne frontal zum Zuschauer staffelförmig 
möglich geworden, seit das Theater aus hintereinander aufgestellt werden. Den 
dem Freien in den geschlossenen Raum Hintergrund schließt man ebenfalls mit ei- 
und aus dem Tag in die Nacht übergesie- ner gemalten Leinwand ab. Was ist der 
delt war. Nun erschließt sich erst die Skala Sinn dieser Vorrichtung? 
der Beleuchtungseffekte, das ganze Dra- Sie bietet zwei Vorteile: Man kann nun 
ma von Licht und Finsternis. Nacht senkt das Bühnenbild wechseln. Es gibt ver- 
sich über die Szene, Sonne oder Mond zie- schiedene Techniken, durch Schieben, 
hen am Himmel auf oder verdunkeln sich, Drehen oder Hochziehen im Handumdre- 
der Himmel bedecktsich, und grelle Blitze hen, während der Vorstellung, wenn nötig 
zucken durch die schwarzen Wolkenbal- sogar auf offener Bühne, die Szene zu ver- 
len, blutrote Kometen verkünden drohen- . ändern. 
des Unheil, aber am Ende triumphiert Das wird zunächst natürlich wieder aus- 
doch das Licht: strahlende Embleme mit lich gewesen ohne eine der großen Schöp- gebeutet als Gelegenheit zur Entfaltung 
dem Namenszug des Herrschers oder die fungen des menschlichen Geistes, dieman eines unerhörten Prunks. Worauf es der
	        

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