ich hoffe, dafs dieser Beitrag für die frühere Kunstgeschichte nicht
ganz ohne Nutzen seyn wird:
Da seit einiger Zeit oft die Frage aufgeworfen ist, ob diese Bau«
kunst und ihre Formen nicht auf unsre Zeit anwendbar sey, so scheint
es nicht unpassend hier einiges darüber zu sagen.
Die Kunst, welche den Strasburger Münster, den Dom von Köln
und andre Meisterstücke hervorbrachte,; ist allerdings herrlich und
erhaben , aber sie war das Resultat ihrer Zeit. Der damalige Zustand
des . öffentlichen und Privatlebens , das Verhältnifs der Staaten und
der einzelnen Städte, der Zustand ‚des Handels‘ und vornämlich die
durch alle Klassch der Nation herrschende religiöse Begeisterung‘,
wirkten mächtig auf die Entstehung und Ausbildung dieser Baukunst.
Der Baumeister des Doms zu Köln , des vorzüglichsten Gebäudes das
wir kennen, steht nicht einzeln da. So wie die vielen trefflichen
Künstler vor ihm ihrer Zeit angehören, so ist er und sein Werk
wieder die höchste Blüthe und Krone jener frühern Kunst und
ihrer Werke. Wir können diese bewundern und nachahmen, aber
nicht schaffen ; weil die äufsern Verhältnisse unter welchen jene Kunst
entstand in keiner Hinsicht mehr dieselben sind. (*)
Wollen wir das Einzelne derselben, ihre Fenster, Thüren,
Verzierungen u. s. w. auf unsre Zeit und unsre Bedürfnisse anwenden,
so wird in der Regel etwas Ungereimtes entstehen, weil
(*) Mit der Baukunst der Griechen, welche wir noch täglich anwenden , ist
der Fall verschieden. Wie bei der Bildung der deutschen Baukunst Phantasie und
Religion einen vorzüglichen Antheil haben, so erscheint die griechische Baukunst
als die Frucht des klaren Verstandes und eines richtigen, Schönheitssinnes. Sie
beschränkt sich strenge auf das Nothwendige , dem sie die schönsten Formen zu
geben sucht, und deswegen wird diese Baukunst nie aufhören anwendbar zu seyn.