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CLAus Könıc, HELMUT KAISER und Dorıs MÖRIKE
Reptilienart ist die Kreuzotter (Vipera berus) als Erstnachweis zu nennen:
C. Könıc sah 1987 ein Sperlingskauzweibchen mit einer nur wenige Tage
alten Kreuzotter (schwarze Varietät) eine Bruthöhle mit 5 fast flüggen Jun-
gen im Nordschwarzwald anfliegen.
Die schwergewichtigen Tiere (über 30 g) machen nur einen kleinen An-
teil der Beute aus (5,9%). Es handelt sich bei diesen vermutlich vor allem
um junge oder kränkliche Individuen. Der Hauptteil der Beutetiere wiegt
zwischen 20 und 30 g (43,2 %). Außer Knochen und Federn waren noch
andere Beutereste in Gewöllen zu finden. Diese sind schwieriger zu bestim-
men. Im inneren Bereich von Gewöllen wurden 1992 und 1993 in je einer
Aufsammlung Chitinteile von großen Käfern gefunden: einmal 2 Flügel-
decken und ein anderes Mal 3 Flügeldecken und der Thorax von Schwarz-
käfern (Tenebrionidae: Opatrum spec.). Es ist durchaus anzunehmen, daß
diese Käfer ebenfalls Beutetiere waren.
Zwischen den aufgesammelten Federn fanden wir dagegen viele kleine
Insektenreste von kleinen Holz- bzw. Borkenkäfern, die jedoch mit größ-
ter Wahrscheinlichkeit keine Beutetiere waren und somit als Beifunde zu
werten sind. Außerdem wurden 18 Gehäuse von kleinen Landschnecken
im Innern verschiedener Speiballen bei 8 Aufsammlungen gefunden. Es
handelt sich um die Arten Discus rotundatus (15) sowie um Zebrina detrita
(3). Die Mundöffnungen waren stark beschädigt, oft waren nur die inneren
Windungen erhalten. Man könnte vermuten, daß sich diese Schnecken in
Mägen von Beutevögeln befanden und mitverzehrt worden waren. Auf-
sammlungen vom 1.6.1991 unter einer Bruthöhle im Nordschwarzwald
erbrachten neben mindestens 10 Vögeln und 12 Mäusen sowie einem
Schwanz vom Gartenschläfer 6 Gehäuse von Discus rotundus. Da in dieser
Aufsammlung vier Beutetiere in der Gewichtsklasse über 30 g gefunden
wurden (Turdus, Loxia, Coccothraustes, Eliomys), könnte man vermuten,
daß die Schnecken vielleicht aus Nahrungsmangel gezielt ergriffen worden
waren. Beim Waldkauz (Strix aluco) sind Gehäuse- und auch Nacktschnek-
ken als Beutetiere nachgewiesen (UTTENDÖRFER 1939).
Zusammenfassung
Seit 1962 werden im Schwarzwald Ökologie, Verhalten und Bestandsentwick-
lung des Sperlingskauzes (Glaucidium passerinum) in einer Langzeitstudie erforscht.
So konnte ein durch waldbauliche Maßnahmen (großflächige Kahlschläge nach
Kriegsende) und den dadurch bedingten Folgeerscheinungen (u. a. starke Zunahme
des Waldkauzes (Strix aluco)) im Ökosystem verursachter Zusammenbruch der
Sperlingskauzpopulation festgestellt werden. Ab Mai 1967 gab es im gesamten
Schwarzwald keine Nachweise mehr.
Im Spätsommer 1968 wurde eine Wiederansiedelungsaktion mit in der Voliere
nachgezüchteten Sperlingskäuzem gestartet. Bereits 1970 konnte eine erfolgreiche
Brut nachgewiesen werden, bei der zumindest das Männchen von dieser Aktion
stammte. Außerdem wurden in der Folgezeit mehrere, von uns vor dem Freilassen
beringte Käuze an verschiedenen Stellen im Schwarzwald festgestellt.
Inzwischen hat sich eine Population aufgebaut, die derzeit im gesamten Schwarz-
wald über 150 besetzte Brutreviere umfaßt. Die Wiederansiedelungsaktion war
demnach erfolgreich. Der Sperlingskauz ist heute in den höheren Lagen fast flä-
Jh. Ges. Naturkde. Württ. 151 (1995)