Inhalt / Download: Stadtbaukunst alter und neuer Zeit und Friedhof und Denkmal (Jhg. 8, 1927-28)

daß zwei preisgekrönte Arbeiten vom Wettbewerb 
ausgeschlossen werden mußten, weil die Verfasser 
entgegen den Bestimmungen des Programms nicht 
Reichsdeutsche waren. Bedauerlich est es, daß da- 
mit die beste Arbeit des Wettbewerbes, der für den 
ersten Preis vorgeschlagene Entwurf „Gleichge- 
wicht II“ der Architekten Hans Hohloch und Franz 
Donsbach, Dresden, ausscheiden mußte. 
Diese Entscheidung gibt Anlaß zu einer Ermalhı- 
zung an alle Wettbewerbsteilnehmer. 
Verfasser von der im Programm ausdrücklich be- 
onten Freiheit Gebrauch machten und bei der An- 
‚rdnung der Gebäudemassen und der sie umgeben- 
len Straßen eigene Wege gingen. Die städtebaulich 
eizvollsten Lösungen finden sich in der zweiten 
aruppe, und es ist bezeichnend, daß die beste (Kenn- 
wort „Gleichgewicht II“) und drittbeste (Kennwort 
„Ost-West‘“) Arbeit — die dann leider aus weiter 
unten angeführten Gründen aus dem Wettbewerb 
ausscheiden mußten — sowie der angekaufte Enl- 
Abb. 1. I. Preis, „Gleichgewicht 1I“. Arch. Hohloch und Donsbach, Dresden. 
(Weil Bewerber z. T. nicht Reichsangehörige, wurde der Preis nicht ausgezahlt.) 
Die an jede Entscheidung eines Wettbewerbes wurf „Klare Gliederung“ dieser Gruppc angehören. 
sich anschließende Kritik zeigt am deutlichsten, wie In künstlerischer Hinsicht bewegt sich die Mehr 
schwierig und undankbar das Amt eines Preisrich- zahl der Arbeiten auf beachtlicher Höhe. Auf Ver- 
ters ist. Die Wettbewerbsteilnehmer, die ein objek- wendung überlieferter Bauformen wurde meist ver- 
lives, einwandfreies Urteil verlangen, sollten ihrer- zichtet und die architektonische Wirkung in der 
seits alle Verstöße gegen die Bedingungen des Pro- Hauptsache durch gute Gruppierung und Verteilung 
gramms vermeiden. Die Teilnahme nichtreichsdeut- ler Baumassen erreicht. Eine Anzahl Arbeiten er- 
scher Architekten ist im vorliegenden Falle ein Ver- zielten durch Betonung der jeweils zwischen zwei 
stoß, der das schon festliegende Urteil des Preis- Xlassen liegenden Lehrmittelzimmer einen starken 
gerichts vollständig umwerfen mußte. Ebenso ist ıhythmus. Die fast ausschließliche . Verwendung 
die Beigabe von über die Programmforderung les flachen Daches entspricht wohl nicht nur der 
hinausgehenden Modellen und Zeichnungen, sowie ı1errschenden Tagesmode, sondern ist aus dem Pro- 
die Darstellung in größerem als im Programm vor- zramm heraus begründet, das Bodenräume nicht 
geschriebenen Maßstabe als Verstoß anzusehen. Bei vorsieht. Der Charakter einer‘ Berufsschule, das 
strenger Auslegung der von dem Verband Deutscher Vorhandensein von Lehrklassen und Werkstätten, ist 
Architekten- und Ingenieurvereine und dem B. D. A. Dei den meisten Arbeiten gut zum Ausdruck ge- 
aufgestellten Grundsätze für das Verfahren bei Wett- bracht worden. Man kann wohl sagen, daß sich für 
bewerben auf dem Gebiete der Baukunst müssen lie neue Bauaufgabe, wie ich sie einleitend skizzierte, 
derartige Arbeiten von vornherein für die Beurtei- in eigener Typ herauszukristallisieren beginnt. So 
lung ausscheiden. Sache der Ausschreiber aber wäre verdient dieser Wettbewerb öffentliches Interesse 
es auch, auf diese Bestimmungen im Programm nd kann als ein Merkstein auf dem Weg der Ent- 
jeweils ausdrücklich hinzuweisen. wicklung des Berufsschulwesens bezeichnet werden. 
Das Ergebnis des Wettbewerbes ist als sehr gün- Über die Entschließung des Preisgerichts, dem als 
stig zu bezeichnen. Es wurden insgesamt 131 Ar- Vertreter des B.D. A. und der Freien Deutschen Aka- 
beiten eingereicht. lemie des Städtebaues die Herren Professor Dr. 
Man unterscheidet dabei deutlich zwei Haupt- Wilh. Kreis, Dresden, und Professor Bruno Möhring, 
gruppen. Zur ersteren, größeren, gehören die Ar- Berlin, angehörten, ist zum Schluß folgendes kurz 
beiten, deren Verfasser die im städtischen Bebau- zu berichten: 
ungsplane vorgesehene Stellung des Hauptgebäudes In mehrtägiger Prüfung wurden 18 Entwürfe zur 
mit vorgelagertem Spielplatz beibehielten, zur zwei- :ngeren Wahl gestellt und die Preise wie folgt zu- 
ten, kleineren, Gruppe diejenigen Arbeiten. deren rkannt:
	        
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