Full text: Die Härte der Weltenliebe

Wenn Deine Frau beleidigt wird, das ist natürlich kein Qrund 
für Dich. Ich kann mir schon denken, was dahinter steckt. 
Du arbeitest jetzt auffällig lange im Büro. Bald wirst Du 
mir erzählen, daß Du die ganze Nacht durcharbeiten mußt. 
Aber Tielchen, da bin ich ordentlich stolz. Du wirst eifer 
süchtig, wie vor fünfundzwanzig Jahren. 
Auf Dich eifersüchtig sein. Da überschätzst Dü Dich. Aber ein 
Bürofräulein soll nicht hinter mir lachen können. Im 
nächsten Monat wünsche ich das Fräulein nicht mehr zu 
sehen. Vergiß nicht, daß die Qäste schon um acht Uhr 
geladen sind. 
Denke Dir nur, empörend. Eine Depesche von dem Doktor, er 
ist verhindert. Und ich habe Irma ein neues Kleid gekauft 
und wollte Sekt geben. Unerhört. 
Aber, Tielchen, ein Arzt kann doch verhindert sein. 
Nicht, wenn ich einlade. Ich bin ihm so entgegengekommen. 
Outen Abend, Herr Qeheimrat. Guten Abend, gnädige 
Frau. Zu reizend, daß Sie wieder die Ersten sind. 
Mein Mann ist immer so gräßlich pünktlich, Frau Justizrat. 
Ja, ich bin das so gewöhnt. Pünktlich zur Arbeit und pünktlich 
zum Vergnügen. 
Werden wir Ihren interessanten Doktor kennen lernen, Frau 
Justizrat. 
Ich habe ihn nicht eingeladen. Er liebt große Gesellschaften 
nicht. Er ist so sensibel, Frau Geheimrat. Guten Abend, 
Herr Doktor, nicht wahr, wir bleiben gute Freunde. 
Gnädige Frau. 
Guten Abend, Herr Assessor. Wir haben uns lange nicht ge 
sehen. 
Die leidige Politik, gnädige Frau. Ich bin überanstrengt. Das 
Vaterland fordert meine ganze Zeit. Es geschehen große 
Dinge. 
Ach, erzählen Sie, Herr Assessor. 
Herr Geheimrat wird Sie besser unterrichten können. 
Nein, erzählen Sie, Herr Assessor. Mein Mann weiß nie etwas.. 
Und wenn er schon etwas weiß, erzählt er es nicht. 
Aber, liebe Agnes, meine Pflicht als Beamter 
Seiner Frau darf man alles erzählen, nicht wahr, Herr Assessor. 
Ich habe leider keine Frau, meine Gnädigste, und der Herr Ge 
heimrat ist noch aus der guten alten Schule. 
Im Amt bin ich Beamter.
	        

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