Full text: Die Härte der Weltenliebe

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Wach auf, steh auf und lös mir Deine Hände. Hier bin ich, den 
Du findest. 
Ich muß ihn halten. Der Pfosten fällt und ich mit ihm. 
Oefine die Augen, Du Namenlose, Du namenlos Geliebte. Mein 
Herz blutet in Deinen Schoß, da Du nicht siehst. 
Dunkel ist es. Ich muß den Pfosten halten, ich falle. 
Du kannst nicht fallen. Es ist nciht dunkel. Mein Ring 
leuchtet an Deinem Finger. 
Sie dürfen mir den Ring nicht nehmen, Herr Justizrat. Er war 
in meiner linken Backe eingegraben. 
So ist der Weg Dir doch voraus bestimmt, Du Namenlose, Du 
namenlos Geliebte. 
Zehn Stufen taumeln unter seinen Füßen, die Klingel heult die 
Dämmerung auf. 
Herr Doktor, was ist. 
Kommen Sie schnell, Ottilie, hier liegt eine Dame ohnmächtig 
auf der Treppe. 
Ach Gott, das ist das Fräulein, das bis zehn auf Sie gewartet hat. 
Schnell, schnell. Halten Sie fest, ich löse die Hände. 
Ein Schrei heult die Dämmerung auf: Sie dürfen mir den Ring 
nicht nehmen, er war in meiner Backe eingegraben. 
Ich bitte Sie, liebes Fräulein, lassen Sie doch los. Es wird Ihnen 
nichts genommen. So, halten Sie fest Ottilie. 
Sie haben den Ring gestohlen, Frau Justizrat. Er gehört mir, 
ich habe die Quittung. 
Seien Sie ruhig, armes Kind. Sie sind geborgen. 
Bist Du es, mit den sanften Augen. Oh Gott im Himmel, Sie 
haben meine Beine gesehen. 
Meine Augen sind mit Tränen verhangen. 
Ah, Herr Richter. Was verschafft mir so früh das Vergnügen. 
Entschuldigen Sie vielmals, Herr Justizrat. ich bin ganz un 
glücklich. Meine Tochter ist heute Nacht nicht nach Hause 
gekommen. 
Was sagen Sie. 
Ich will zur Polizei. Können Sie mir vielleicht einen Hinweis 
geben. Ist Ihnen gestern etwas an meiner Tochter auf 
gefallen. 
Aber gar nichts, lieber Herr Richter. Fräulein Richter war 
unverändert. Ich glaube, sie hatte noch eine kleine Be 
sorgung für meine Frau zu machen und ist gegen sieben 
Uhr weggegangen.
	        

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