2Cap. I. Von Brücken-Bau. Tab.I.
coliret worden in der Welt, zeigen genugsam die vortresiichen, und so viel hundert Iahe
schon gestandne steinerne u. höltzerne Brücken, also, daß kein Scrohm zu breit, zu tiess, zu schnell
und ungestüm, den der menschliche Verstand mit Pfeilern u. Jochen nicht bezwungen, und eine
Brücke aufgeleget hätte. Wie aber der Brücken-Bau unter die vornehmsten und wichtigsten
Wercke der bürgerlichen Bau-Kunst zu zehlen; also ist er auch würcklich unter dieWerckc
zu rechnen, darinnen aller menschlicher Verstand, Klugheit, Erfahrung, ja alle Künste und
Wissenschafften, so einem ^rcbliteÄo nöthig seyn, concurriren müssen; denn da muß er
nicht nur in derXritblmctic undOeometrie erfahren seyn, die Lange, Breite und Tieffe
des Strohms wohl und genau auszumessen, alles in einem richtigen und accuraten geometrischen
Riß zu bringen, die Summa aller Materialien, als: Steine, Holtz, Kalck, Eisenwerck,
rc. anzugeben, und endlich auch die Bau-Kosten zu ckctcrmmiren: sondern er muß
auch ein guter Physicus seyn, alle Eigenschafften der Baumaterialien.wohl verstehen, und
ihre Fehler und Güte wohl zu unterscheiden wissen, absonderlich: welches Holtz am besten,
wenn es zu fällen, und wo jedes hindienet, auch die Eigenschafften des Wassers, des Eises, wo
und-wie es seine Krafft am meisten ausübet, und wie solche Macht am füglichsten kan gebrochen
werden; ja er muß vornehmlich guten Verstand haben von dem Grunde und Boden
des Flusses, dahin die Pfähle oder Pfeiler sollen zu stehen kommen; ja er soll auch genungsame
Erkanntniß in der lVleclranic haben, theils Lackmen anzugeben oder zu appliciren,
die grossen Balcken, Pfähle, Steine, u. dgl. anzuschaffen, zu heben und niederzulassen, und die
Pfähle durch bequeme Rammet einzuschlagen; theils mancherley Arthen von Künsten anzugeben,
wissen, die Wasser aus denen Krippen zu heben, ja die Krippen selbst zu schlagen, und
das Wasser auf allerley Arth von den Pfeilern, oder da man Grund suchet, abzuleiten, und
vor allen muß er ein guter Zimmermann und Steinmetz seyn, beyde ssnd gleichsam das Haupt
und vornehmste Stück bey einem Brücken-Bau; denn ist die Brücke gantz höltzern,sokömt
es zwar allein auf dem Zimmermann an; ist sie aber von Stein, so hat dennoch der Zimermann
mit Errichtung derer Gerüste und Lehne-Bögen eines der wichtigsten Wercken über
sich, und der Steinmetz muß seiner Kunst auch nicht unerfahren seyn, und wird hier hauptsächlich
die Wissenschasst der Gewicht-Kunst erfodert,daß man weiß, wie die Cörper drücken,
und wo die meiste Gewalt hingehet, und ihr auch dahero am meisten kan Wiederstand gethan
werden; inSumma: es werden der Dinge so viel erfodert, daß hierher Raum zu klein
fället, alles zu berühren.
Es sind aber der Brücken viel nnd mancherley Arthen, und damit man zuvorhero einige
Erkänntniß erlange, soll eine kurtze Abtheilung hier folgen.
§. 2.
Voll Unterscheid und mancherley Arthen der Brücken
und Machinen über das Wasser zukommen.
In Ansehung der Materialim können die Brücken abgetheilet werden:
1. in gantz höltzerne,
2. in Brücken die aus Holtz und steinern Pfeilern bestehen, und
z. in gantz steinerne,
4- in metallne und lederne.
i.) Die höltzerne Brücken sind sehr vielerley Arthen, vornehmlich aber
I. als da sind alle Brücken so aufPfähle und Joche befestiget, oder nur auf denen
Ufern angeheffret sind, und meist den Titul eines Häng-Wercks führen.
ii. Be-