Full text: Die Logik der Dichtung

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poetologischen Schriften »My Creative method« (trotz des englischen Titels 
in französischer Sprache) eben diese seine schöpferische Methode der Be 
schreibung sehr genau definiert und das Resultat in dem mit großen Lettern 
gedruckten Satz zusammengefaßt: 
Parti pris des choses 
égale 
Compte tenu des mots. 
Die Parteinahme für die Dinge kommt der Rechenschaftsabgabe über die 
Wörter gleich. Daß es sich auch hier um eine Verwörtlichung oder in Ponges 
Fall genauer um eine Wortwerdung des zu beschreibenden Gegenstandes 
handelt, hat er in Hinsicht auf seinen Text »Le galet« (der Kieselstein) so 
ausgedrückt, er wolle den Kieselstein »remplacer par une formule logique 
(verbale) adéquate«. Wenn es die richtigen Wörter im Wörterbuch (dem 
Littré) nicht gäbe, müsse er sie erschaffen (créer). Das Wesentliche dieser 
schöpferischen Methode ist aber die Einsicht in die Funktion des Wortes, 
nicht eigentlich das Objekt zu bezeichnen, sondern die Idee (oder auch den 
Begriff) des Objekts, und diese Objekt-Idee ist sozusagen nicht Sache des 
Objekts selbst, sondern des Subjekts, das als Sprachsubjekt zu bezeichnen 
Ponges Intention wohl treffen würde. Denn es handelt sich nicht um das 
lyrische, ja das Aussagesubjekt überhaupt, sondern um das sich in einer vor 
gegebenen Sprache vorfindende Wort. »II s’agit de l’objet comme notion. 
Il s’agit de l’objet dans la langue française, dans l’esprit français (vraiment 
article de dictionnaire français).« 155 Das Objekt in der französischen Sprache 
ist das französische Wort für das Objekt. 
Wenn auch die Beziehung von Sprache und Objekt oder Wirklichkeit, die 
Ponge bedenkt, das Problem der Intentionalität der Sprache überhaupt 
ist, so ist es für ihn doch ein spezifisch poetisches Problem, nicht ein philo 
sophisches wie für Wittgenstein; und der Dichter ist ihm deshalb dem Philo 
sophen überlegen: »Supériorité des poètes sur les philosophes« 156 , obwohl 
er zögernd fragt, ob das Wort poète hier noch anzuwenden sei. In der Tat 
kann es auf Ponges Texte nur insofern angewendet werden, als nur noch die 
rein sprachliche Bemühung um das die Objektidee ausdrückende Wort zur 
Rede steht, aber keine metrische, rhythmische, klangliche, kurz formallyrische 
Bemühung. Vom Standpunkt traditioneller, aber auch noch sehr moderner 
sich der Prosaform nähernder Lyrik würde man einen Text wie den folgenden, 
155 F. Ponge, My Creative method, in: Trivium, VII (1949), H. 2, S. 96, 101, 107 
156 Ebd., S. 109
	        

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