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hat zwar die Macht, seine Aussage als eine nicht objekt- oder wirklichkeitsgerichtete
zu gestalten, aber es hat nicht die Macht sich selbst als das echte, das
reale Aussagesubjekt dieser Aussage zu eliminieren. Setzt es sich als lyrisches
Ich, so hat dies nur einen Einfluß auf den Objektpol, aber nicht auf den Subjektpol
der Aussage. Das Objekt, der mögliche Wirklichkeitsbezug oder -Zusammenhang
kann durch seine Ergreifung durch das Subjekt verwandelt
werden. Aber das Aussagesubjekt kann nicht verwandelt werden. Denn wenn
es — verbildlichend ausgedrückt —sagt: ich will nicht als theoretisches, historisches
oder pragmatisches Aussagesubjekt betrachtet werden, so sagt es
nur: meine Aussage soll nicht als theoretisch, historisch oder pragmatisch
verstanden werden.
Was sollen wir, die Interpreten, mit diesem lyrischen Aussage-Ich nun
anfangen? Sagen wir, aus Angst vor unmodernem Biographismus, das Ich,
das ausruft: »Wie herrlich leuchtet mir die Natur!« sei nicht das Goethe-Ich,
sondern etwa ein fiktives Ich, also ein nicht-wirkliches, erfundenes — so
würden wir gar nicht anders verfahren, als wenn wir sagten, daß die Aussagen
der »Kritik der reinen Vernunft« nicht diejenigen Kants, die von »Sein
und Zeit« nicht diejenigen Heideggers, sondern die eines fiktiven Aussagesubjekts
seien. Es geht aus der eingehend dargelegten Struktur der Aussage
hervor, daß das Aussage-Subjekt immer identisch mit dem Aussagenden,
dem Sprechenden oder dem Verfasser eines Wirklichkeitsdokumentes ist.
Darum ist das lyrische Aussagesubjekt identisch mit dem Dichter, ebensogut
wie das Aussagesubjekt eines historischen, philosophischen oder naturwissenschaftlichen
Werkes identisch mit dem Verfasser des jeweiligen Werkes
ist. Identisch bedeutet im logischen Sinne identisch. Aber während das
Faktum dieser Identität im Falle solcher Wirklichkeitsdokumente darum
kein Problem darbietet, weil das Aussagesubjekt für ihren Inhalt gar keine
Rolle spielt, weil sie ganz und gar objektgerichtet sind, bedarf es für das
lyrische Ich einer gewissen Modifikation. Die logische Identität besagt hier
nicht, daß jede Aussage eines Gedichtes, oder auch das ganze Gedicht, mit
einem wirklichen Erlebnis des dichtenden Subjekts übereinstimmen muß.
Die Forschung hat etwa festgestellt, daß die angedichtete Herrin der Minnelieder
meist keine wirklich existierende oder als Geliebte existierende Person,
die im Gedicht ausgedrückte Minne keine wirkliche, vom Dichter erlebte
Minne gewesen sei. Für die Struktur des Minnelieds als Gedicht ist dies
jedoch ganz irrelevant. Die ausgedrückte, dichterisch noch so formelhaft ausgesagte
Minne ist das Erlebnisfeld des lyrischen Ich, ob sie von diesem als
wahre oder nur erphantasierte erlebt wurde. Auch die nicht-dichterisch er