Full text: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1874)

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Bei dieser Unterhaltungsweise glauben wir aber keineswegs 
das Einlegen ganzer Geschlägdecken ausschließen zu sollen, indem 
ein solches je nach der Lage der Straße, bei besonders eintreten 
den Witterungs- und anderen Verhältnissen dringend geboten sein 
kann, in solchen Füllen wie auch bei besonders starker Morast 
erzeugung wird aber dem Wärter immerhin noch eine Beihülfe 
gegeben werden müssen, wie dieß auch in Baden der Fall sein 
soll; auch sollte, wenn größere Geschlägdecken eingebracht werden, 
auch die Komprimirung stets mit Walzen erfolgen. 
An solchen Verkehrswegen möchte es daher angezeigt sein, 
unsere seitherige Straßenunterhaltungsmethode zu verlassen und 
das sogenannte badische System einzuführen, womit zwar anfangs 
ein größerer Kosten verbunden sein wird, insofern bis die Straßen 
durchaus in normalen Stand mit entsprechender Wölbung gebracht 
sind, die Wärter noch mehr durch Hülfsarbeiter zu unterstützen 
sein werden. 
Später werden die Ausgaben sich günstiger gestalten; ein 
Theil der Kosten für Steinzerkleinerung wird durch Ersparnisse 
bei dem Materialbedarf, ein anderer durch den Wegfall mancher 
Hülfsarbeiter und ein weiterer durch Reducirung der Wärter ge 
deckt werden können. 
Was nun die Kosten der bei uns eingeführten Methode der 
Straßenunterhaltung anbelangt, so glauben wir, gestützt auf amt 
liche Notizen, den Aufwand, welchen die Staatsstraßen im Ober 
amtsbezirk Waiblingen mit einer Gesammtlänge von 20438 m. 
bei einem sehr lebhaften Verkehr von etwa 350 Zugthieren täg 
lich im Etatsjahr 1872/73 verursacht hat, unter dem Bemerken, 
als Beispiel anführen zu sollen, daß jene Straßen in einer Höhe 
von 220 bis 360 in. über dem Meere liegen, theils Thal-, theils 
Gebirgsstraßen sind, die eine von Süd gegen Nord in westöstlicher 
Richtung, die andere von West gegen Ost zieht und von Muschel 
kalksteinen unterhalten werden. 
An Material waren 6442 Roßlasten Steine ä 500 kg. er 
forderlich, welche gekostet haben 4702 fl. 56 kr. 
Straßenwarte durch 12 ständige Wärter . . 2878 fl. — kr. 
Hülfsarbeiter und Steinzerkleinerung . . . 1416 fl. 58 kr. 
daher für Materiallieferung und Warte zusammen 8997 fl. 54 kr. 
Es kam somit 1 m. auf 26 a / t0 kr. und 1 km. auf 440 fl. 
Nach der badischen Unterhaltungsmethode, wo der Wärter 
keine Steine zu zerkleinern hat, würden die Kosten bei der Annahme 
des gleichen Materialquantums betragen haben: 
I. Materialbeischaffung 4702 fl. 56 kr. 
II. Zerkleinerung von 6442 Roßlast Steinen 
und deren Beifuhr in die Fahrbahn, unter 
der Bedingung normalmäßigen Geschlägs 
a 24 fr 2576 fl. 48 kr. 
Straßenwärter, wegen der frequenten Straße 
Distriktslängen von 3 km. somit für 7 Mann 
a 239 fl 1673 fl. - kr. 
thut . . 8952 fl. 44 kr. 
somit pro rn 26 2 / 10 kr. 
„ km. „ . . . 438 fl. 
wobei es noch dahingestellt bleiben mag, ob bei dem starken Ver 
kehr und einer auf 1'/, km. langen durch einen Wald ziehenden 
zur Unterhaltung sehr ungünstigen Strecke nicht doch noch die 
Straßenwürter mit vielen Hülfsarbeitern zu unterstützen gewesen 
wären. 
In diesem Falle oder wenn nur ein Wärter weiter aufgestellt 
werden müßte, wird der Kostenpunkt ein größerer als bei der von 
uns beobachteten Methode sein. 
Wird von dem einzelnen Beispiel abgesehen und der Gesammt- 
aufwand für sämmtliche Straßen ins Auge gefaßt, so soll im 
neuesten Budget für Straßenunterhaltung im Großherzogthum 
Baden 270 fl. pro Kilometer, ohne die Kosten der Straßenmeister, 
durchschnittlich angenommen sein. 
Wollte dieser Aufwand auch für uns zu Grunde gelegt wer 
den, welcher aber bei unseren theils großartigen Verkehrsverhält 
nissen und im Allgemeinen schlechteren Material wohl zu niedrig 
sein dürfte, so würden sich für unsere Staatsstraßen, deren Ge 
sammtlänge nach dem neuesten Stand rund 718 Stunden — 2674 
Kilometer beträgt auf 721,980 fl. 
ohne die Kosten für Straßenmeister berechnen, während im Etat 
von 18 7 */ 7 s nur 681,943 fl. 
für die Rubriken I. und II. einschließlich der Kosten für Straßen 
meister für die seither übliche Unterhaltungsweise bei uns aufge 
nommen sind. 
In Baden ist auf 80 bis 100 km. ein Straßenmeister mit 
einem durchschnittlichen Gehalt von 900 bis 1100 fl. aufgestellt, 
mithin muß noch zu obigen 721,980 fl. ein Zuschlag von 
31 X 1000 fl. = 31,000 fl. 
gemacht werden, womit sich ein Gesammtaufwand von 752,980 fl. 
also ein Mehr von 71,037 fl. 
gegenüber von seither ergeben würde. 
Gleichwohl glauben wir unter Erwägung vieler sonstiger Vor 
theile, welche dem andern Systeme doch in vielen Fällen zur Seite 
stehen, uns eben doch dahin aussprechen zu sollen, daß 
1) auch bei uns auf Straßen mittleren Verkehrs von 2 bis 
300 Zugthieren das badische System, übrigens nicht mit 
förmlichem Ausschlüsse des Einlegens ganzer Schotterlagen 
einzelner Strecken, aber unter Anwendung der Walze, ein 
geführt; 
2) bei Straßen geringen Verkehrs das seitherige Verfahren als 
am billigsten und leicht durchführbar beibehalten und 
3) bei Straßen von großem und starkem Verkehr, wie wir ihn 
z. B. in der Umgebung von Stuttgart haben, die Beibe 
haltung der seitherigen Methode aber unter Benützung des 
besten Materials und unter gleichzeitiger Anwendung der 
Walze beschlossen werden sollte. Denn welcher große Werth 
auf ein sehr festes, gutes Material zu legen ist, dürste wohl 
aus den in den angeschlossenen Beilagen enthaltenen auf 
Erfahrung beruhenden Zahlen ganz klar und überzeugend 
zu entnehmen sein. 
Schließlich glauben wir noch auf einige die Straßenunter 
haltung sehr erschwerende und belästigende Mißbräuche aufmerksam 
machen zu sollen, deren Hebung im allgemeinen Interesse liegen 
dürfte und nicht oft und dringend genug hervorgehoben werden 
kann. 
Nämlich das in vielen Gegenden des Landes noch gebräuch 
liche Schleifen der Pflüge und Eggen, in Folge dessen das ein 
gelegte Material aufgerissen und zerstreut wird, was neben Arbeits-
	        

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