Volltext : Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1874)

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Es  war  deshalb,  bis  jetzt  wenigstens,  nicht  möglich,  aus  der
Gegend  von  Metzingen  ein  größeres  Quantum  zu  erhalten  als
jährlich  800-1000  cl>m.,  welche  aber  nicht  ausreichten  um  nur
einige  der  frequenteren  chaussirten  Straßen  zu  unterhalten.
Hinsichtlich  der  Qualität  des  Materials  ist  zu  bemerken,  daß
es  nicht  der  feste  und  reine  Basalt  ist,  wie  er  in  der  Rheingegend
vorkommt  und  znr  Unterhaltung  der  dortigen  Straßen  verwendet
wird;  es  finden  sich  auch  sogenannte  Basalttuffe  darunter  und  man
hat  auch  hier  Mühe  die  Unternehmer  zu  dem  nöthigen  Auslesen
der  Steine  zu  bringen;  so  viel  ist  aber  durch  die  bisherigen  Erfahrungen ­
  nachgewiesen,  daß  eine  Beschotterung  aus  Basaltsteinen
mindestens  die  dreifache  Dauer  einer  solchen  von  Kalksteinen  hat
und  da,  wie  aus  den  im  Eingang  erwähnten  Kosten  für  die  Anschaffung ­
  des  Kleingeschlägs  ersichtlich  ist,  der  Preis  der  Balaltsteine
nicht  höher  ist,  als  der  dreifache  Preis  der  Kalksteine,  so  entsteht
nicht  nur  in  finanzieller  Beziehung  kein  Nachtheil,  sondern  wenn
noch  in  Betracht  gezogen  wird,  daß  die  harten  Gesteine  weniger
Staub  und  Morast  erzeugen,  so  liegt  darin  noch  der  weitere  Vortheil, ­
  daß  das  Publikum  weniger  belästigt  wird.
In  nachstehendem  sind  nun  die  Kosten  einiger  mit  Basaltsteinen ­
  unterhaltenen  Straßen,  nach  möglichst  genauen  Angaben
der  verwendeten  Materialien  sowie  der  Handarbeit  rc.,  angegeben,
wobei  vorauszuschicken  ist,  daß  Anhaltspunkte  über  die  Frequenz
der  einzelnen  Straßen,  d.  h.  über  die  Anzahl  Fuhrwerke,  welche
täglich  dieselben  passiren,  bis  jetzt  leider  nicht  erhoben  wurden.
Es  soll  mit  der  ftequentesten  der  hiesigen  Straßen,  nämlich
mit  der  Königs  st  raße  begonnen  werden,  woselbst  nur  eine  kurze
Strecke  vor  dem  Realgymnasium  (alten  Polytechnikum)  mit  Basaltsteinen ­
  beschottert  ist,  ihre  Quadratfläche  mißt  1008  (Um.  Die
erste  Decklage  mit  Basaltsteinen  in  einer  Dicke  von  12  ein.  wurde
vom  12.—26.  Septbr.  1872  eingebracht  und  haben  die  Gesammtkosten
  incl.  Beifuhr  der  Steine  und  des  Sandes  als  Bindemittel
zum  Walzen,  sowie  das  Begießen  und  Walzen  gekostet  1865  fl.  32  kr.
den  15.  Dezember  1872,  1.  März,  15.  Mai  und
15.  Dezbr.  1873  waren  wiederholt  vollständige
Beschotterungen  nothwendig,  welche  zusammen
gekostet  haben  3837  fl.  43  kr.
die  kleineren  Ausbesserungen  bis  zum  26.  März
1874  haben  gekostet  539  fl.  54  kr.
somit  Gesammtaufwand  .  .  6243  fl.  9  kr.
innerhalb  eines  Zeitraums  von  19  Monaten;  wobei  vorausgesetzt
wird,  daß  bis  zum  1.  Mai  1874  keine  weiteren  Ausbesserungen
nöthig  wurden.  Hienach  kommt  die  Unterhaltung  pro  (Um.  uud
pro  Jahr  auf  3  fl.  54  kr.
2)  Die  Eberhards  st  raße  entlang  der  Krähenschule  mit
567  dm.  Flächengehalt,  wurde  den  9.  Juni  1872  das  erstemal

mit  Basalt  eingeworfen  und  hat  gekostet  .  .  .  492  fl.  43  kr.
die  zweite  Beschotterung  wurde  nothwendig  den  22.  April  1874
mit  einem  Aufwand  von  525  fl.  11  kr.

Ausbesserungen  waren  in  der  Zwischenzeit  nur  in  so  unbedeutendem ­
  Maaße  erforderlich,  daß  deren  Kosten  nicht  besonders
notirt  wurden,  es  hat  somit  die  erste  Beschotterung  22  Monate
gehalten  woraus  sich  pro  Jahr  und  Hirn,  ein  Aufwand  von  28,5  kr.
ergiebt.
3)  Die  Hauptstätterstraße,  von  der  Christophstraße  bis
zum  Tübingerthorplatz,  mit  einem  Flächengehalt  von  1887  (Hm.,

wird  schon  mehrere  Jahre  mit  Basaltsteinen  unterhalten,  eine  genaue ­
  Aufzeichnung  der  Kosten  hat  jedoch  erst  seit  dem  15.  Februar
1873  stattgefunden;  an  diesem  Tage  wurde  eine  volle  Decklage

eingebracht  mit  einem  Aufwand  von  ...  .  801  fl.  58  kr.
den  27.  Septbr.  wurde  das  erstemal  ausgebessert  mit  einem  Aufwand ­
  von  236  fl.  15  kr.
desgl.  den  5.  Januar  1874  mit  78  fl.  42  kr.
den  25.  März  zweite  Beschotterung  mit  .  .  .  873  fl.  12  kr.

eine  weitere  Ausbesserung  wird  bis  1.  August  nicht  mehr  nothwendig ­
  werden,  somit  hat  der  Aufwand  binnen  18  Monaten  betragen ­
  1990  fl.  7  kr.
was  auf  den  mm.  pro  Jahr  42  kr.  ausmacht.  Zu  bemerken  ist,
daß  in  dieser  Straße  ein  Pferdebahngeleise  liegt,  welches  ihre
Unterhaltung  in  sofern  wesentlich  erschwert,  als  die  ftüher  zusammenhängende ­
  Straßenfläche  durch  die  beiden  Schienenstränge  in
drei  Streifen  getheilt  wird,  von  welchen  jeder  einzelne  bei  der  Unterhaltung ­
  ganz  besonders  behandelt  werden  muß.
4)  Die  Böblingerstraße  von  der  Tübinger-bis  zur  Cottastraße ­
  mit  1740  (Um.  Flüchengehalt,  erhielt  die  erste  vollständige
Basaltbeschotterung  den  20.  März  1872,  deren  Kosten  aber  nicht
genau  notirt  wurden;  die  zweite  Beschotterung  wurde  nothwendig
den  1.  Juni  1873  mit  einem  Aufwand  von  .  1721  fl.  12  kr.,
die  dritte  nicht  ganz  vollständige  Beschotterung  den  23.  Februar
1874  mit  897  fl.  52  kr.,
zwischen  der  ersten  und  zweiten  Beschotterung  sind  verstrichen
14  Monate,  woraus  sich  der  jährliche  Aufwand  pro  (Hm.  auf  51  kr.
berechnet.
Von  den  4  erwähnten  Straßen  hat  somit  die  Eberhardsstraße ­
  am  wenigsten,  nämlich  pro  Jahr  und  (Um.  .  .  28,5  kr..

dann  die  Hauptstätterstraße  42  kr.,
die  Böblingerstraße  51  kr.,

und  am  meisten  die  Königsstraße,  nämlich  .  .  .  3  fl.  54  kr.,
gekostet.
Der  über  alle  Maßen  hohe  Aufwand  der  letzteren  Straße
hat  seinen  Grund  in  erster  Linie  in  der  sehr  ungünstigen  Witterung ­
  der  beiden  Winter  1872/73  unb  1873/74;  bei  den  größtentheils
  nur  leichten  Frösten  hatten  die  Straßen  gar  nie  eine  geschlossene ­
  Bahn,  sondern  mehrere  Monate  lang  fand  ein  sich  jeden
Tag  wiederholendes  Auf-  und  Zugefrieren  statt,  was  bekanntlich
für  den  Zustand  der  chaussirten  Straßen  das  allerschlimmste  ist.
Wie  schon  erwähnt,  wurde  vom  12.—20.  Sept.  1872  die  erste
Decklage  eingebracht,  eine  zweite  vollständige  Beschotterung  wurde
in  der  Mitte  des  Dezembers,  die  dritte  vom  4.—10.  März  1873,
die  vierte  vom  20.—24.  Mai  und  die  fünfte  im  Dezember  1873
erforderlich,  es  waren  somit  binnen  15  Monaten  5  oder  durchschnittlich ­
  in  je  3  Monaten  eine  vollständige  Beschotterung  nothwendig. ­
  Wenn  bei  dieser  Gelegenheit  die  Frage  gestellt  wurde,
ob  nicht  ein  anderes  Material  gewählt  werden  sollte,  so  ist  zu
bemerken,  daß  die  Schulbehörbe  wegen  des  sehr  störenden  Geräusches,
den  numentlich  schnell  fahrende  Fuhrwerke  auf  gepflasterten  Straßen
verursachen,  um  Entfernung  der  Pflasterung  gebeten  und  die
Stadtgemeinde  der  Bitte  stattgegeben  hat,  wie  dieses  auch  in  anderen ­
  Fällen  in  der  Umgebung  von  öffentlichen  Gebäuden,  namentlich ­
  Kirchen  und  Schulgebäuden  geschehen  ist;  bei  der  Wahl  eines
anderen  Materials  dachte  man  auch  an  den  Asphalt  oornxrirne,
aber  ein  Agent  der  Anglo-germanischen  Gesellschaft  in  London,
            
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