Full text: Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1874)

9 
Ufer mit Kastanienalleen bepflanzt, in parallelem Abstande dem 
Seeumfange folgen. 
Die frühere Gestalt des Feuersee's war eine andere als die 
heutige, er hatte die Form eines Paralleltrapezes und eine seiner 
Grenzlinien lief in schiefer Richtung von der südwestlichen aus 
springenden Ecke des Kreuzarms der Südseite nach der nordöstlichen 
einspringenden Ecke desjenigen der Nordseite, so daß der ganze 
südliche Kreuzarm und der Chor in das alte Seebett zu liegen kam. 
Für diesen Theil wurde die Gründung in Beton ausgeführt, 
für den übrigen Bau in Mauerwerk. 
Die Sockelschichte besteht ringsum aus grobkörnigem Sand 
stein, der Bau darüber im Aeußern und Innern bis zur Thurm 
spitze aus feinkörnigem Keuper-Quaderwerk, über dem Sockel ist 
zur Jsolirung eine Asphaltlage angebracht. 
Die beigefügten Holzschnitte geben die Anordnung des Grund 
risses, der eine stellt die Disposition zu ebener Erde dar, der an 
dere diejenige des obern Geschosses. 
Westlich erstreckt sich eine Vorhalle über die ganze Breite der 
drei Schiffe, an ihren beiden Enden ragen die achteckigen Treppen 
häuser für die Emporen nach außen hervor, so daß die Aufgänge 
zu denselben sich nicht innerhalb des Kirchenraums befinden. 
Die gleiche Anordnung ist bei den Kreuzarmen beobachtet, bei 
deren Eingangsportalen gleichfalls je beide Treppenarme von den 
Vorhallen aufsteigen. 
Die Einrichtung von Emporen war nicht zu umgehen, da 
der Kirche keine so große Grundfläche gewährt werden konnte, daß 
die verlangte Zahl von 1400 Sitzplätzen zu ebener Erde Raum 
gefunden hätte. 
Die Empore folgt der Umfangslinie des Gebäudes, und an 
der Kreuzung erweitert sich der mittlere freibleibende Raum in 
achteckiger Form, so daß die vier Kreuznngspfeiler isolirt stehen. 
An dem südöstlichen derselben ist die Kanzel angebracht, die sonach 
eine völlig freie Lage hat. 
Die gebotene Ausfüllung der Seitenschiffe durch Emporen 
legte es nahe, dieselben organisch mit dem Bau zu verflechten und 
nicht als einen zufälligen Einbau zu behandeln, als welcher er 
meist bei Kirchen erscheint, die für den katholischen Ritus bestimmt 
sind und erst nachträglich mit Emporen versehen werden. Daraus 
entstund auch die Anordnung zweier Fensterreihen übereinander, 
die jedem Geschosse seine eigene Helle zuführen. Die Chorumbauten 
bleiben in der Tiefe. 
Das Mittelschiff überragt die Seitenschiffe und eine eigene 
Fensterreihe in dem dadurch entstandenen Hochwerk giebt demselben 
Licht. 
Die Kreuzarme erheben sich jedoch nicht auf gleiche Höhe, so 
daß auch deren Dachfirste niedriger bleiben als derjenige des Mittel 
schiffes vom Langhaus und somit ihre mittleren Schiffe keine Seiten 
beleuchtung erhalten. 
2
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.