2. Die Kieselsäure.
Alle untersuchten Flußwässer weisen einen geringen Gehalt
an gelöster Kieselsäure auf, der bei Mittel- und Niederwasser
zwischen 4 und 9 mg im 1 beträgt. ;
Als Lieferanten kommen im sedimentären Gebirge fast aus-
schließlich Sandsteine in Betracht, die infolge ihrer Porosität her-
vorragend zur Wasserführung geeignet sind. Die in Form von
Tonen gebundene spielt wegen deren Undurchlässigkeit für die
Quellentätigkeit kaum eine Rolle.
Das Verhältnis kehrt sich sofort um bei Hochwasser. Es
zeigt sich durchweg, daß oft die absolute Menge im
Liter, stets aber die prozentige Beteiligung am Ge-
lösten zunimmt. Die beobachteten Flüsse verhalten sich dabei
etwas verschieden. Durch ganz besonders starkes Anwachsen
zeichnen sich Kocher und Jagst aus, bei denen in Anal. 34 und 38
15,0 bezw. 15,9 mg im 1 gefunden wurden,
Als Ursache für diese beträchtlich vermehrte Kieselsäure-
führung bei Hochwasser können nur Zersetzungsvorgänge
der tonigen Flußtrübe in Betracht kommen. Abgesehen
davon, daß bei der Verwitterung der Silikate kolloidale Kiesel-
säure gebildet und in Lösung übergeführt werden kann, muß doch
bei der vorherrschenden Verbreitung toniger und tonreicher Sedi-
mente angenommen werden, daß das kohlensäurehaltige Wasser
kräftig hydrolytisch auf die Flußtrübe einwirkt und Kieselsäure
freimacht. Die aus später zu erörternden Gründen angestellten
Auslaugungsversuche kalihaltiger Keupermergel haben ergeben, daß
der Rückstand von 1 1 bei der Behandlung mit reinem destilliertem
Wasser 9,2 mg, bei kohlensäurehaltigem destilliertem Wasser sogar
19,1 mg Kieselsäure enthielt.
Was so auf künstlichem Wege in kleinem Maßstabe vor-
genommen wurde, führt der Fluß bei Hochwasser in allergrößtem
aus: Ungeheure Mengen äußerst fein verteilten, tonig-mergeligen
Materials gelangen in innigste Berührung mit kohlensäurehaltigem
Wasser.
Von dieser für Flüsse mit reichlichen tonigen Hochwasser-
schwebstoffen allgemein gültigen Regel macht, wie so oft, die Enz
eine Ausnahme.
Soweit sie im Buntsandstein verläuft, zeigt sie in bezug auf
die Kieselsäure große Unterschiede gegenüber anderen Gewässern.