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wiegtesten Kenner der kirchlichen Baukunst divergirten. Endlich
lautete das Verdict auf totalen Abbruch, in Folge dessen das ursprüngliche
Grundgemäuer so unverrückt und unverändert zu Tage
trat, daß es buchstäblich nicht eines Sandkorns bedurfte, um für
die wiedererstehen sollende Apsis zu fundamentiren. Sie steht nun
da und selbst frühere Gegner dieses Modus können nicht umhin,
den gethanen Schritt nun auch gut zu heißen.
Dieser Schritt, so gewagt er war, war nothwendig, denn
ohne ihn hätte die Kirche jedes schönen Bildes nach außen wie
nach innen ermangelt. Aber nicht bloß aus ästhetischen und stylistischen
Gründen war er nothwendig, sondern noch mehr, aus baulichen
und constructiven. Die allein noch gerettete höchst interessante
Westfayade war 5—6" aus dem Blei gewichen. Der Giebel
mußte mit 7 Schlaudern gefaßt werden, um ihn unversehrt
der Nachwelt zu erhalten. Das konnte nur durch den neuen, eigens
hiezu construirten Dachstuhl geschehen, welcher noch wesentliche Versteifung
durch den östlichen Gegengiebel auf Grund des Chorbogens,
der auf seinen 9' breiten Pfeilern sicherlich ursprünglich einen ähnlichen
Ostgiebel getragen hatte, erhielt.
So hat denn über dem altehrwürdigen, weithin bekannten
Gotteshause zu Ehren des h. Johannes des Täufers ein glücklicher
Stern gewaltet. In seiner der Staufenzeit entstammenden
naiven Gestaltung repräsentirt es die Kindheit der kirchlichen Baukunst
in unserer Gegend. Jedes Fenster weicht von seinem Nachbar
mehr oder weniger ab; keines der Nebenschiffe theilt die Breite
des vorder»; das eine vorn 12' hinten 13'; das andere hinten
16' vorn 14'; ja selbst als eigenes Charakteristikon liegt selbst
sein Hauptportal nicht in der Achse.
War die Wiederherstellung des Aeußern mit Schwierigkeiten
verbunden, so ist die Ausstattung des Innern noch schwieriger.
Dort boten sich doch da und dort sichere Anhaltspunkte, hier aber
findet sich auch nicht die leiseste Spur aus früherer Zeit. Die
paar unbedeutenden Wandgemälde über den Arkadenpfeilern im
Mittelschiff datiren von 1644. Zur Vollendung des so schwierigen
Werkes hat Herr Architekt Steindorff in Stuttgart freundlich
seine Hand geboten. Nach seinem Plan und Entwurf ist die Empore
der Vollendung nahe und wird die flach gehaltene, cassetirte,
reich polychromirte Holzdecke im Laufe dieses Sommers an den
Ort ihrer Bestimmung kommen!
Für all das Ausgeführte beziffern sich die Ausgaben in run-Summe
an 30,000 fl. Das Jahr 1874 war für unsere Baukasse
ein reich gesegnetes; die Freunde und Gönner unseres altehrwürdigen
Gotteshauses haben sich gemehrt; mögen sie auch im
neuen Jahre zur völligen Vollendung des angefangenen Werkes
ihre liebende Hand bieten!