Full text : Sitzungs-Protokolle / Verein für Baukunde in Stuttgart (1876)

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Architekten,  die  nicht  mit  der  Kunstausstellung  ausstellen  wollen
sich  anschließen  können.
Der  Vorsitzende  kommt  nun  auf  den  schon  öfter,  besonders
durch  Herrn  Baninspcktor  Rheinhard  angeregten  Wechsel  des
Vereinslokals  zu  sprechen.  So  hübsch  und  bequem  in  einer
Beziehung  auch  das  seitherige  Lokal  sei,  so  lasse  dasselbe  doch
Manches,  besonders  in  Beziehung  auf  die  Wirthschaft  zu  wünschen ­
  übrig;  jetzt  nachdem  das  Museum  vollendet  sei,  könne  es
möglich  sein,  dort  ein  passendes  Lokal  zu  gewinnen.  Herr
Oberbaurath  Binder  und  der  Redner  selbst  seien  deßhalb  mit
dem  Ausschuß  des  oberen  Museums  in  Verbindung  getreten,
und  sei  die  Zusage  gemacht  worden,  daß  das  passende  und  in
jeder  Beziehung  günstig  gelegene  Verwaltungsraths-Zimmcr  zu
erhalten  sei.
Ueber  den  Preis  sei  noch  nichts  Bestimmtes  beschlossen,
derselbe  werde  sich  aber  wohl  nicht  höher  stellen,  als  der  für
das  seitherige  Lokal.
Eine  Zuschrift  der  Gesellschaft  „Bergwerk"  wird  verlesen,
in  welcher  dieselbe  die  Zustimmung  auf  die  Lösung  des  Vertrags ­
  bis  Juli  d.  I.  und  zugleich  ihr  Bedauern  über  das
Scheiden  des  Vereins  ausdrückt  mit  dem  Wunsche,  es  möchten
die  freundschaftlichen  Beziehungen  der  beiden  Gesellschaften  auch
in  Zukunft  fortbestehen.
Es  wird  /um  ein  Comite  zur  weiteren  Anbahnung  und
Abschließung  ^ines  Vertrags  gewählt,  bestehend  aus  den  Herren:
Oberbaurath  v.  Schlierholz,  v.  Egle,  Binder,  Brockmann, ­
  Baurath  Bok  und  Bauinspektor  Rheinhard.
Letzterer  betont  bei  der  Wahl  eines  Lokals,  daß  dasselbe  auch
des  Tags  und  Abends  über  als  Lesezimmer  benützt  werden
könne,  wogegen  die  schon  früher  vorgebrachten  Bedenken  erhoben ­
  werden.
Nachdem  nun  die  gewöhnlichen  Geschäfte  erledigt  sind,
wird  zur  Tagesordnung
„  Kommissionsbericht,  das  Gordon'sche  Kanalisationsprojekt" ­
  betreffend,
übergegangen.
Der  Vorsitzende  schickt  einen  kurzen  Auszug  aus  dem
I.  Kapitel,  alte  Dohlenaulagen,  voraus,  erwähnt  der  in  der
letzten  Sitzung  von  Ingenieur  Gvrdon  beanstandeten  Punkte,
welche  die  Kommission  wieder  einer  Revision  unterzogen  habe
und  ersucht  den  Herrn  Baurath  Kaiser  mit  dem  Referat  zu
beginnen  und  abschnittweise  durchzunehmen.
Herr  Baurath  Kaiser  trägt  nun  den  von  der  Kommission
behandelten  II.  Abschnitt  vor;  die  Versammlung  ist  mit  dem
darin  ausgesprochenen  Grundsätze,  den  Nesenbach  als  Hauptsammclkanal
  aufzugeben,  vollständig  einverstanden.
Ehe  Herr  Baurath  Kaiser  zur  2.  Frage  übergeht,  bittet
der  Vorsitzende  denselben,  den  nicht  allen  Mitgliedern  bekannten
Kanalisationsplan  zu  erläutern.  Herr  Baurath  Kaiser  führt
nun  die  3  verschiedenen  Systeme  vor,  spricht  von  der  dieses
Jahr  zur  Ausführung  genehmigten  Strecke  der  Schiller-  und
Alleenstraße.
Bei  der  Erläuterung  des  unteren  Systems  kommt  Redner
auf  die  von  Gordou  beanstandeten  Punkte  bezüglich  der  veränderten ­
  Situirung  des  Hauptkanals  in  der  Böblinger  Straße,
sowie  bezüglich  der  vorläufigen  Weglassung  eines  Theils  des
Kanals  in  der  Böblinger  Straße  zu  sprechen.
Er  habe  mit  Herrn  Gordou  selbst  hierüber  gesprochen;
dieser  habe  das  Wörtchen  vorerst  beinahe  ganz  übersehen;
daher  nur  eine  präcisere  Fassung  dem  Kommissionsbericht  zu
geben  wäre  und  zwar  anstatt  „vorerst"  wäre  nur  zu  setzen:
„bis  zur  Ausführung  des  ganzen  Kanalnetzes."
In  Betreff  der  veränderten  Situirung  des  Kanals  in  der
Böblinger  Straße  habe  die  Kommission  diesen  Punkt  noch  einmal ­
  in's  Auge  gefaßt  und  feie  zu  der  Ansicht  gelangt,  daß
diese  Aenderung  nicht  von  so  großer  Bedeutung  sei,  als  daß
dieselbe  glaube,  auf  ihrem  Vorschlage  beharren  zu  müssen,  sie
schlage  daher  folgende  Fassung  vor:
„Es  wird  möglich  sein,  die  etwas  scharfen  Biegungen
des  Hauptkanals  au  den  spitzen  Ecken  der  Böblinger-  und
Tübingerstraße,  sowie  der  Tübinger-  und  Gerberstraße  durch

Anwendung  möglichst  großer  Halbmesser  so  anzulegen,  daß  sie
einen  geordneten  Abfluß  des  Wassers  ermöglichen.  Die  Verlegung' ­
  des  Kanals  in  die  Kurzcstraße,  Tübingerthorplatz  und
Tübingerstraße,  welche  auch  in  Erwägung  gezogen  wurde,  hätte
zwar  den  Vortheil,  daß  die  Biegungen  nicht  um  spitze,  sondern
um  rechte  und  stumpfe  Winkel  anzulegen  wären  und  hiezu
möglicher  Weise  etwas  größere  Halbmesser  benützt  werden
könnten.  Als  ein  Nachtheil  muß  es  aber  bezeichnet  werden,
daß  statt  nur  zweier  Biegungen  des  Gordon'schcn  Planes,
die  andere  Richtung  durch  die  Kurze  Straße  4  Biegungen  erfordern ­
  würde,  was  für  einen  geregelten  Ablauf  des  Wassers  k.
auch  nicht  sonderlich  günstig  ist;  ferner  müßte  beim  Aufgeben
des  Gordon'schcn  Planes  doch  ein  Kanal  von  gewöhnlicher
Größe  in  die  Böblinger-  und  Gerberstraße  an  Stelle  des  Hauptkanals
  gelegt  werden,  dessen  Kosten  die  Ersparnisse,  welche
durch  die  geringere  Länge  des  Hauptkanals  in  der  Kurzcstraße  re.
entstehen,  wieder  beanspruchen  würden.
Endlich  tritt  bei  dem  Gordon'schcn  Projekt  die  Trennung
des  unteren  Systems  von  dem  südöstlichen  oberen  mehr  hervor
als  bei  der  andern  Richtung."
Nachdem  noch  der  Kommissionsbcricht  zu  Frage  2  vorgelesen ­
  worden  war,  und  der  Vorsitzende  auf  die'eben  erwähnten
Aenderungen  aufmerksam  gemacht  hatte,  giebt  die  Versammlung
zu  dieser  neuen  Fassung  ihre  Zustimmung.
Herr  Baurath  Kaiser  geht  nun  zum  schwierigsten  Abschnitt ­
  III.  Größe  und  Profil  der  Kanäle  über,  und  es  kommt
zuerst  der  Kommissionsbericht  zur  Verlesung.
Redner  bemerkt:  Gordon  halte  den  vorgeschlagenen  Zufluß ­
  von  1  kbm.  pro  □  km.  für  die  Hauptauslaßkanäle  zu
hoch;  dieselben  würden  viel  zu  große  Dimensionen  annehmen
müssen.  Auch  habe  derselbe  die  in  Paranthese  gesetzte  Beifügung ­
  Seite  9  Zeile  4  und  5  (wobei  aber  das  aus  den
Häusern  kommende  Abwasser  noch  nicht  berücksichtigt  ist)  beanstandet, ­
  indem  er  glaubte,  die  Kommission  sei  der  Ansicht,  er
habe  das  Verbrauchswasser  bei  seiner  Berechnung  der  Größe
der  Kanäle  gar  nicht  in  Betracht  gezogen,  im  Gegentheil,  sagte
Gordon,  er  habe  den  Kanälen  eine  solche  Größe  gegeben,  daß
dieselben  außer  dem  von  ihm  angenommenen  Niederschlag  noch
das  Brauchwasser  5°  pro  Tag  und  Kopf  aufnehmen  können.
Die  Kommission,  welche  inzwischen  wieder  eine  Sitzung  zur
Berathung  dieser  Differenzen  gehabt,  habe  diesen  Punkten  nun
eine  andere  Fassung  bezw.  eine  Ergänzung  gegeben,  welche
aber  in  der  seitherigen  Auffassung  der  Kommission  Nichts  ändere,
sondern  die  Darstellung  nur  präciser  wiedergeben  soll,  da  die
Verschiedenheiten  eigentlich  nur  auf  Mißverständnissen  beruhen.
Herr  Baurath  Kaiser  hebt  hervor,  daß  Gordon  bei  seiner
Bestimmung  der  Größe  der  Hauptkanäle  bestimmte  Regcnhöhe
angenommen,  wogegen  die  Kommission  den  umgekehrten  Weg
eingeschlagen  und  angegeben  habe,  welche  Wassermengen  abzuführen ­
  seien,  wenn  die  Regen-Auslässe  nicht  in  Thätigkeit
gesetzt  werden,  daß  aber  letztere  so  oft  als  möglich  angewendet
werden  sollen,  habe  die  Kommission  an  vielen  Punkten  ausgesprochen. ­

Herr  Baurath  Kaiser  bringt  nun  die  von  der  Kommission
vorbereitete  neue  Fassung  dieses  Abschnitts  III.  zum  Vortrag,
derselbe  lautet:
Zu  Frage  4.
Die  auf  S.  43  des  Gordon'schcn  Berichts  zur  Bestimmung
der  Durchflußprofile  der  Hauvtkanälc  angegebene  Regcnhöhe
von  4,54  mm.  pro  Stunde,  wovon  jedoch  nur  27  7?  pCt.  mit
1,25  mm.  zur  gleichzeitigen  Abführung  gelangen  sollen  (wozu
aber  noch  das  Abwasser  aus  den  Häusern  zu  nehmen  ist,  was
Gordon  bei  seinen  Rechnungen  berücksichtigt  hat),  hält  die
Kommission  als  zu  gering  bemessen,  und  zwar  sowohl  bezüglich
der  Regcnhöhe  als  auch  bezüglich  des  Procentsatzes  des  in
Wirklichkeit  abzuführenden  Wassers.
Um  nun  aber  dem  ausführenden  Techniker  zur  Bestimmung
der  Größe  der  Kanäle  Anhaltspunkte  an  die  Hand  zu  geben,
glaubt  die  Kommission  folgende  Anträge  stellen  zu  sollen:
Zunächst  hält  die  Kommission  für  angemessen,  als  Maßstab
über  Regenhöhe  und  Zeit  des  Abflusses  diejenige  Wassermenge
            
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