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machen; hat sich aber nun gleichzeitig auch die Belastung der 
Ufer verändert, so mußte ein Zusammentreffen beider Aende 
rungen nur um so größere Folgen haben. Die Bewegungen 
beschränken sich auch nachweislich nur auf den Schüttboden, 
Abbrechen der Molaffe ist in keiner Weise wahrscheinlich; denn 
das Gutachten sagt S. 10. „Wenn wir von der obern Kante 
der Felswand mit einer Böschung von 27—30° gegen das 
Ufer einwärts gehen, so treffen wir noch hinter die Ver 
senkungsgrenze vom 9. Februar 1875" und es ist ganz gut 
begreiflich, daß die Veränderung der oberen Schlammsande 
durch die Belastung der Auffüllung die Ablagerung an der' 
steilen Felswand in Bewegung bringen mußte, und es fragt 
sich nun, ob der Schlammsand soweit entfernt ist, daß die 
neue Auffüllung vollkommen fest liegt und nicht neue Aus 
quetschungen und Senkungen erfolgen können. 
Die Experten sagen: „Wenn wir auch eine solche neue 
Versenkung durchaus nicht befürchten, so läßt es sich doch nicht 
mit unserer Verantwortlichkeit vereinigen, diesen Auffüllungs 
boden bis zum bestehenden Ufer als vollkommen ruhig zu 
bezeichnen." 
Eine solche Bewegung einmal eingeleitet, konnte und 
mußte sich auf weite Strecken verbreiten und die Vergleichung 
der seit dem 9. Februar aufgenommenen Profile mit den 
alten Karten, zeigt wie seit Aufnahme der Seekurven das 
ganze Seegehänge von Horgen bis Käpfnach eine wesentliche 
Veränderung der Art erlitten hat, daß die Schuttmasse, welche 
den Abhang vorher bedeckte, abgerutscht ist und den Fels 
entblöst hat. 
So war denn auch der Gang der Ereigniffe am 21. bis 
24. September derselbe, wie am 9. Februar und 12. Juni 
1875. Nur als anfangs das auf zahlreichen Pfählen ge 
gründete Verwaltungsgebäude stehen blieb, hatte es den An 
schein, als würde ihre Belastung die rückwärts gelegene Auf 
füllung rc. schützen. Nach und nach setzten sich aber auch die 
Gebäude, denn die Schlammmasse erstreckte sich bis unter den 
Pfahlgrund und das Ausbleiben des völligen Senkens der 
Gebäude läßt sich nur dadurch erklären, daß die um dieselben 
herum versunkenen festeren Mafien, den Schlamm am Aus? 
weichen hinderten. 
Die Experten kommen für das Gebiet der späteren Rut 
schungen zu demselben Schluß wie für das am 12. Juni; ist 
aller Schlamm verdrängt, so liegt keine Gefahr mehr vor. — 
Nach sehr genauen weiteren Beobachtungen floß kein Schlamm 
mehr aus, und die Experten erklären am 13. Februar d. I.: 
„Gegenwärtig haben die Veränderungen aufgehört. Die Ge 
hänge sind in Ruhe gekommen, und es bereiten sich keine neue 
Senkungen von unten ausgehend vor." Wie weit die Schlamm 
masse einwärts geht, konnte von außen her nicht erhoben 
werden. Verfolgt man aber wie geschehen, die Molafieschichten 
(Sandstein und Mergelbänke mit schwarzen Kalksteinen und 
Kohlenlagern), so findet man sie horizontal gelagert und 
stufenartig abgebrochen, die Stufen durch Einlagerungen von 
Kies und Sand böschungsförmig ausgeglichen. Diese Stufen 
können aber dem Rutschungsgebiet sehr nahe noch gefunden 
werden, und es kann die Schlammablagerung sich um so 
weniger weiter herein erstrecken, als am Fuße der Stufen 
noch alter fester Boden unbewegt liegt. Entweder liegt unter 
ihm kein Schlamm, oder er liegt so tief, mindestens 13 Meter 
unter der Oberfläche, daß eine weitere Abrutschnng ganz un 
wahrscheinlich ist, nachdem festerer Boden vor dem Schlamm liegt. 
Wegen der geringen Belastung durch die Auffüllung 
glauben die Experten, daß der Bahnbau „nur die Veranlassung" 
wurde, daß die Rutschungen jetzt und nicht erst ein Jahr 
zehnt später eingetreten sind, nicht aber die primäre Ursache 
feie. — Diese wird in der zum abrutschen bereiten, eben noch 
das Gleichgewicht haltenden Schlammablagerung gesucht, welche 
endlich so wie so das Gleichgewicht verlieren mußte. 
„Unten Abrutschen und hernach oben Ausfließen des 
Schlammes und Versinken des denselben belastenden Bodens, 
das war der unmittelbare Gang des Ereignifies." 
Wollen Sie Ihrem Referenten, welcher selbst.schon wieder 
holt gefunden hat, wie oft unter festem Grund bewegliche 
Massen gelagert sein können und der an das schon früher 
mitgetheilte Beispiel der Fundirung der Cannstatter Wagenwerk 
stätte erinnert, gestatten, ein eigenes Urtheil auf Grund der 
mitgetheilten Thatsachen abzugeben, so kann dies im All 
gemeinen mit dem der Experten übereinstimmen, nur glaubt 
er, daß das kaum noch bestehende Gleichgewicht der Ablager 
ungen auf den steilen Böschungen unter dem Wasser, durch 
die am 9. Februar unter der Auffüllung verdrängte Schlamm 
masse allmälig gestört wurde, daß am 12. Juni deßhalb ihre 
ausgedehntere Abrutschung erfolgte und dies nothwendig sich 
nach und nach weiter ausdehnte, bis sie schließlich am 12. Sept. 
das Gebiet der großen Abrutschung erreichte, und der dortigen 
Schlammablagerung das Ausfließen ermöglichte, somit der 
Auffüllung den Fuß entzog, wodurch schließlich diese selbst in 
Bewegung kommen konnte. Um so mehr aber ist ihr Referent 
mit der Beantwortung der ersten Frage vollständig einver 
standen, welche nach S. 17 des Gutachtens lautet: 
„Die Ursache der Versenkungen und Rutschungen ist in 
einer schlammigen Schuttmaffe zu suchen, welche den felsigen 
Abhang vom flachen Boden des Sees bis an's Ufer hinauf 
bedeckte und sich in der Tiefe von wenigstens 15—20 Meter j 
noch zwischen den festern Boden unter der Bahn und den 
untenliegenden terrassenförmig abfallenden Molassefels in 
relativ zu steiler Böschung erstreckte. Die Mehrbelastung des 
Abhanges durch die Bahnbauten gab blos den Anstoß, die 
Schlammmasse zum Ab- und Ausfließen zu bringen, während 
die latente Ursache in der übergroßen Anhäufung und la 
bilen Gleichgewichtslage der letzteren in bedeutender Tiefe 
und Entfernung vom. Ufer lag, der anstehende Felsen 
aber unbewegt blieb." 
„Die Rutschungen und Senkungen waren durchaus nicht 
vorauszusehen, eine noch eingehendere Untersuchung vor der 
Katastrophe hätte vorher bestandenen Verdacht eher beseitigt 
als bestärkt, und wohl jeder Ingenieur hätte ohne Bedenken 
die Bahn hierhin gelegt, nachdem die Uferlinie im Prinzip 
einmal festgestellt war." 
Noch geschieht der Erklärung Erwähnung, die Rutschung 
möchte durch Wasser veranlaßt sein, welches zwischen der festen 
Molasse und dem Diluvium versickert und defien Ausfluß durch 
die Aufschüttung geschlossen worden feie. Auf die Schlamm 
massen konnten Quellen längst ungünstig wirken, müßten sie 
also längst in Bewegung gebracht haben, Dohlenwafier soll 
allerdings bei Kilo 17,25 kleine Abrutschungen der Auffüllungs 
masse verursacht haben, aber auf die Schlammmaffe wirkte es 
nicht; wäre Wasser versickert das keinen Ausweg mehr hatte, 
so hätte es in den Bohrlöchern hervorbrechen müssen, was 
nicht der Fall war, überdies finden sich ob dem User ver 
schiedene Stellen, wo das eingesickerte Wasser austreten konnte, 
daß solche verstopft worden wären, ist bei der unbedeutenden 
Höhe der Auffüllung nicht denkbar. 
Nach den weitern Untersuchungen der Kommission glaubt 
sie, daß unter dem nun projektirten Bahnplanum die Schlamm 
ablagerung verdrängt sei, der Felsgrund liegt hier viel weniger 
tief (doch soll noch näher untersucht werden, ob sich keine 
größeren Schlammmassen mehr finden), so daß sie die Ausführ 
ung für zulässig erachtet, nur räth das äußerste projektirte 
Geleise wegzulassen und vor jeder Benützung der Geleise, die 
sie selbst mit den größten Zügen und mit Personenzug-Ge- 
schwindigkeit zulässig erachtet, die Höhenlage der Geleise zu 
kontroliren. 
Die Resultate ihrer Betrachtungen sind in folgender Ant 
wort auf die 2. Frage zusammengefaßt: S. 20 des Gutachtens. 
„Die weiter angeordneten Untersuchungen haben bis zum 
15. März d. I. keine Veranlassung zu Besorgnissen geben 
können." 
Wünschen wir unseren verehrten Kollegen von der Nord 
ostbahn, daß diese Erwartungen zutreffen, und sie der schweren
        

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